Der letzte Tag der Global Chess League hielt, was die knappe Turnierwoche versprochen hatte. Zunächst ging es im Spiel um Platz drei zwischen den CheQ Mumba Masters und den FYERS American Gambits um einen Podestplatz. Anschließend trafen im Finale die Ganges Grandmasters und die Alpine APL Pipers aufeinander – und damit zwei Mannschaften, die bereits die Vorrunde an der Spitze abgeschlossen hatten. Am Ende durften die Ganges Grandmasters erstmals den Siegerpokal in die Höhe stemmen.

Die beiden Matchwinner des Finals rahmen das Team ein: Ian Nepomniachtchi (l.) und Stavroula Tsolakidou (r.). Dazwischen: Levon Aronian, Leinier Dominguez, Teamchef Adhiban Baskaran und Polina Shuvalova. | Foto: ChessBase India
Das Finale begann mit einem 3:3 und damit mit einer denkbar knappen Ausgangslage fürs Rückspiel. Levon Aronian brachte Ganges mit seinem Sieg gegen Anish Giri in Führung, doch Volodar Murzin glich für die Pipers gegen Leon Luke Mendonca aus. Die übrigen vier Partien endeten remis. Damit war nach dem ersten Match weiterhin alles offen.
Im zweiten Durchgang mussten die Grandmasters mit den schwarzen Figuren antreten. Ausgerechnet auf dem wichtigsten Brett entwickelte sich nun die entscheidende Partie: Ian Nepomniachtchi traf auf Magnus Carlsen. Der Norweger schien zwischenzeitlich auf dem Weg zum Sieg zu sein, doch Nepomniachtchi fand einen taktischen Ausweg.
Hier war für Carlsen noch alles in Ordnung:
Doch der Ex-Weltmeister zog: 28.Dxb5? Das machte aus seinem deutlichen Vorteil eine ausgeglichene Stellung. Es ging mit 28...c4 29.Dd7 Mit dem spektakulären Läuferopfer 29...Lxf2 leitete Nepomniachtchi die Wende ein und brachte Carlsens König sowie dessen Stellung zunehmend unter Druck.
30.Kxf2 Txb2+ 31.Kf1?! Dc5 31.Td2?? -+ weiter. Nach dem 39. Zug gab Carlsen auf.
Nepomniachtchi bezeichnete seinen entscheidenden Einfall anschließend mit bemerkenswerter Selbstironie: „Ich hatte wahnsinniges Glück, das war meine einzige Idee, …Lxf2 – das erinnerte mich an so ein Kinderturnier, bei dem man inständig hofft, dass der Gegner einen Fehler macht … und es hat geklappt!“
Für Nepomniachtchi war es zudem ein besonders symbolischer Erfolg: Sein langjähriger Rivale Carlsen hatte ihn 2021 im WM-Match bezwungen und 2024 beim geteilten Weltblitzmeistertitel ebenfalls hinter sich gelassen. Nun war es Nepomniachtchi, der im entscheidenden Moment den Weltstar stoppte. | Video: ChessBase India
Der fassungslose Magnus Carlsen. | Foto: ChessBase India
Die endgültige Entscheidung fiel jedoch nicht auf dem Icon-Brett. Während sich die übrigen Partien dem Remis näherten, kämpfte Stavroula Tsolakidou gegen Humpy Koneru um den entscheidenden Punkt. Die Griechin hatte zwischenzeitlich selbst Gewinnchancen ausgelassen, geriet anschließend sogar in Schwierigkeiten.
Humpy verpasste mit 44.Kb2?? die letzte Möglichkeit, die Partie zu halten. Mit dem Königszug nach c3 oder d2 hätte sie großen, mit d1, b3 oder c1 immerhin noch kleinen Vorteil behalten. Doch die Inderin wählte den einzigen Verlustzug des Königs aus. Es folgte: 44...Te6 45.Dc3? Txe2+ 46.Kb3 De6+ 47.Ka4? Da6+ 48.Kb3 Dxb7+ 0:1
Tsolakidou nutzte ihre Chance, zur Matchwinnerin zu werden und machte mit ihrem Sieg den 4:2-Erfolg der Ganges Grandmasters perfekt.
„Es ist etwas Besonderes, gegen den Titelverteidiger zu gewinnen; jetzt müssen wir nächstes Jahr selbst den Titel holen!“, sagte Tsolakidou anschließend.
Die 25-Jährige wurde zudem zur Spielerin des Turniers gewählt. Ihre Leistung war tatsächlich einer der Höhepunkte der GCL-Saison: Nach einem schwierigen Start fand sie im zweiten Teil des Wettbewerbs zu beeindruckender Form und gewann unter anderem gegen Alexandra Kosteniuk und im Finale gegen Humpy Koneru.

Die erfolgreichsten Punktesammler

Levon Aronian hob nach dem Erfolg den Einfluss von Teamcoach Adhiban Baskaran hervor. Dessen Strategie habe eine wichtige Rolle gespielt. „Und weil sie unentschieden gespielt hatten, waren sie sich nicht sicher, wie sie kämpfen sollten. Hätten wir gewonnen, wäre es vielleicht nicht so einfach gewesen.“
Der Armenier verwies damit auf das 3:3 im ersten Finalmatch: Gerade dieses Ergebnis habe den Gegner möglicherweise in eine schwierigere psychologische Situation gebracht.
Bemerkenswert war außerdem die Leistung von Polina Shuvalova. Die Russin gewann zwar am Finaltag keine Partie, kam aber insgesamt auf sieben Punkte aus zehn Spielen und erzielte damit die höchste individuelle Punktzahl des Turniers. Gemeinsam mit Tsolakidou bildete sie einen wesentlichen Bestandteil des erfolgreichen Frauenduos der neuen GCL-Champions. Auch Leon Luke Mendonca trug mit wichtigen Erfolgen auf dem Prodigy-Brett zum Titel bei.
Im Spiel um Platz drei setzten sich die FYERS American Gambits mit Javokhir Sindarov an der Spitze gegen die CheQ Mumba Masters mit Maxime Vachier-Lagrave durch. Nach einem knappen 3½:2½ im ersten Match gewann das Team um Sindarov den zweiten Durchgang mit 4:2 und sicherte sich damit Bronze. Besonders stark präsentierten sich Nihal Sarin und Marc'Andria Maurizzi, die beide ihre Partien gewannen und damit maßgeblich zum Erfolg beitrugen.
Die Siegerehrung. | Video: ChessBase India