Runde 5 des Norway Chess Super-Turniers brachte bisher die wenigsten Remispartien. Zum ersten Mal wurden zwei Begegnungen im Open direkt in der klassischen Partie entschieden, während es zuvor jeweils nur eine Partie war. Wesley So und Gukesh Dommaraju gingen als Sieger aus der Runde hervor. Beide hatten mit den schwarzen Figuren gespielt. Wesley So sorgte für die dritte Niederlage in fünf Runden für Magnus Carlsens und Gukesh besiegte seinen Landsmann Praggnanandhaa Rameshbabu. Alireza Firouzja spielte gegen Vincent Keymer in der klassischen Partie Remis und gewann danach die Entscheidung in der Armageddon-Partie.
Firouzja bleibt damit auf dem ersten Platz. Sein Vorsprung wurde jedoch auf 1,5 Punkte verkürzt. Wesley So befindet sich nun alleine auf dem zweiten Platz mit 8,5 Punkten. Durch den Sieg gegen Praggnanandhaa konnte sich Gukesh den dritten Platz sichern. Mit 5 Punkten befindet sich Vincent Keymer auf dem vorletzten Platz, während Magnus Carlsen mit 4,5 Punkten hinter ihm mit dem letzten Platz Vorlieb leben muss.
Carlsens Turnierperformance kostet ihm Elopunkte. Nach fünf Runden in Oslo hat er 16,4 Elopunkte verloren und befindet sich aktuell bei einem Live-Rating von 2825. Trotzdem hat er weiterhin einen großen Vorsprung auf Hikaru Nakamura auf Platz 2 mit 2792 Elopunkten.
Runde 5 Ergebnisse
| Weiß | Ergebnisse | Schwarz |
| Magnus Carlsen | 0 - 3 | Wesley So |
| Praggnanandhaa R. | 0 - 3 | Gukesh Dommaraju |
| Alireza Firouzja | 1½ - 1 | Vincent Keymer |
Tabellenstand nach Runde 5
| Spieler | Elo | Land | Punkte |
| Alireza Firouzja | 2759 | Frankreich | 10 |
| Wesley So | 2754 | USA | 8½ |
| Gukesh Dommaraju | 2732 | Indien | 6½ |
| Praggnanandhaa R. | 2733 | Indien | 6 |
| Vincent Keymer | 2759 | Deutschland | 5 |
| Magnus Carlsen | 2840 | Norwegen | 4½ |
In der klassischen Partie vereinbarten Firouzja und Keymer nach 31 Zügen Remis. Engines gaben für Keymer einen Vorteil an, der sich jedoch nicht in greifbaren taktischen Angriffen zeigte. Aus menschlicher Perspektive hatte Schwarz die Initiative, musste aber die passenden Folgezüge finden, bevor es konkret werden konnte.
Im frühen Mittelspiel der Armageddon-Partie ergriff Firouzja die Oberhand. Klarer wurde der Nachteil für Vincent Keymer jedoch erst nach einer Reihe von Fehlern in Zug 27 und 28. Danach zog Firouzja die passenden Züge um den Sieg gegen die deutsche Nummer 1 zu erreichen.
Keymer spielte bisher in allen fünf klassischen Partien Remis und verlor daraufhin in den Armageddon-Partien. Dieser Weg bringt ihn auf den vorletzten Platz mit 5 Punkten. Gleichzeitig hat er noch einen halben Punkt Abstand auf Magnus Carlsen hinter ihm.
Der Sieg Wesley Sos über Magnus Carlsen folgte auf eine Variante der Italienischen Eröffnung. Beide Spieler gaben nach der Partie zu, dass sie sich nicht komplett an ihre Vorbereitung hätten erinnern können. So war derjenige, der mit der vorteilhaften Stellung in das Mittelspiel einsteigen konnte. Er ergriff die Initiative und attackierte am Königsflügel, während er sich einen ordentlichen Vorsprung auf der Uhr aufbaute.
Nahe der Zeitkontrolle wurde die Situation auf der Uhr wichtig. Carlsen knickte in Zug 39 ein, mit weniger als zwei Minuten Bedenkzeit auf der Uhr, während So noch etwa 15 Minuten hatte. So münzte den Vorteil in seinen erst zweiten Sieg im klassischen Schach gegen Carlsen um. Sein vorheriger Sieg gegen Carlsen fand 2018 bei Norway Chess statt.

Keymer sieht beim Battle zwischen Carlsen und So zu | Foto: Norway Chess / Michal Walusza

Wesley So auf der Suche nach dem Gewinnweg | Foto: Norway Chess / Michal Walusza

Carlsen spielt nicht sein bestes Turnier | Foto: Norway Chess / Michal Walusza
Drama auf dem Brett zwischen Praggnanandhaa und Gukesh
Praggnanandhaa und Gukesh setzten zu einer scharfen Partie an. Pragg kam mit leichtem Vorteil aus der Eröffnung. Mit großer Zeitnot näherten sich die Spieler der Zeitkontrolle und verpassten beide Chancen auf eine gewonnene Stellung. Den entscheidenden letzten Fehler führte Praggnanandhaa aus. Gukesh fand ein paar taktische Schläge, die ihm seinen ersten Sieg in einer klassischen Partie des Turniers brachten. Der amtierende Weltmeister beschrieb die Situation wie folgt: "Zum Glück haben die Tricks für mich funktioniert."

Fokussiert – Weltmeister Gukesh Dommaraju | Foto: Norway Chess / Michal Walusza

Gukesh tritt als Sieger aus der Partie hervor | Foto: Norway Chess / Michal Walusza

Zeit für die Fans! | Foto: Norway Chess / Michal Walusza
Dieser Artikel von Carlos Alberto Colodro wurde von Martina Gerdts aus dem englischsprachigen Original "Norway Chess: So takes down Carlsen, Gukesh grabs first classical win" (31.05.26) ins Deutsche übersetzt.