Im dritten Jahr, in dem Norway Chess zwei Eliteturniere, das Open und das Frauenturnier, zeitgleich mit Preisgeld derselben Höhe stattfinden lässt, gewinnt Bibisara Assaubayeva das Frauenturnier. Eine Runde vor dem Ende war die 22-jährige Kasachin nicht mehr einholbar. Mit 16½ Punkten beendete sie das Turnier mit einem halben Punkt Vorsprung auf Zhu Jiner. In der letzten Runde verlor Assaubayeva gegen die amtierende Weltmeisterin Ju Wenjun. Zhu Jiner hingegen gewann gegen Koneru Humpy in der klassischen Partie. Aber auch so konnte sich Zhu Jiner nicht genügend an Assaubayeva annähern, um ihr den Turniersieg streitig zu machen.
Die Gewinnerinnen des Norway Chess Frauenturniers der Vorjahre gehörten auch zum diesjährigen Feld. Ju Wenjun war die Siegerin der ersten Ausgabe in 2024 und Anna Muzychuk gewann die Norway Chess Women 2025. In der aktuellen Ausgabe nahm Assaubayeva zum ersten Mal an Norway Chess teil. Sie erreichte den ersten Platz vor Zhu Jiner (Platz 2 mit 16 Punkten) und Anna Muzychuk (Platz 3 mit 15 Punkten).
In allen drei Partien des letzten Spieltages gewann die Spielerin mit den weißen Figuren in der klassischen Partie. Dies war die einzige Runde, in der alle drei Partien bereits in der klassischen Partie entschieden wurden.

Das Norway Chess Organisationsteam | Foto: Norway Chess / Michal Walusza

Turniersiegerin Bibisara Assaubayeva | Foto: Norway Chess / Michal Walusza
Runde 10 Ergebnisse
| Weiß | Ergebnis | Schwarz |
| Zhu Jiner | 3 - 0 | Koneru Humpy |
| Anna Muzychuk | 3 - 0 | Divya Deshmukh |
| Ju Wenjun | 3 - 0 | Bibisara Assaubayeva |
Endtabelle
| Spielerin | Elo | Land | Punkte |
| Bibisara Assaubayeva | 2527 | Kasachstan | 16½ |
| Zhu Jiner | 2546 | China | 16 |
| Anna Muzychuk | 2522 | Ukraine | 15 |
| Ju Wenjun | 2559 | China | 13½ |
| Divya Deshmukh | 2500 | Indien | 10 |
| Koneru Humpy | 2535 | Indien | 9 |
Zhu Jiner gewann ihre dritte klassische Partie in Folge. In der letzten Runde besiegte sie Koneru Humpy, indem sie ein vorteilshaftes Springer gegen Läufer Endspiel gewann.

Die Runde in der Deichman Bjorvika Public Library | Foto: Norway Chess / Michal Walusza
Die Begegnung zwischen Ju Wenjun und Bibisara Assaubayeva wurde auch im Endspiel entschieden. Assaubayeva begann einen tiefgreifenden Fehler in Zug 36. Das natürlich aussehende f5-f4 würde Weiß einen Vorteil geben.
Es folgte 36...f4 37.g4 Kf6+ 38.g5 Kg7 39.a5! (opfert einen Bauern für eine freie d-Linie für den Turm) Lxa5 40.Td7+ und Weiß übernahm die Initiative im Endspiel mit jeweils einem Turm und ungleichfarbigen Läufern.

Ju Wenjun hatte höhere Erwartungen | Foto: Norway Chess / Michal Walusza
Muzychuk gewann ihre Partie gegen Divya Deshmukh. Im frühen Mittelspiel bekam sie nach unpräzisen Zügen Deshmukhs bereits die Initiative nach Zug 14 und Zug 15. In Zug 22 war es daraufhin bereits absehbar, dass Schwarz die Partie nur mit einer starken Verteidigung und einigem an Glück halten könnte.
Die letzte Partie wurde bis Zug 53 gespielt. Dabei behielt Muzychuk ihren Vorteil aber bis zum Ende und gewann.

Anna Muzychuk | Foto: Norway Chess / Michal Walusza
Dieser Artikel von Carlos Alberto Colodro erschien zuerst unter dem Titel "Zhu grabs second place as final round produces three decisive results" (06.06.2026) auf Englisch und wurde von Martina Gerdts ins Deutsche übertragen.