Die Konstellation Firouzja vs. Carlsen gab es bereits im Vorjahr im Finale der Speed Chess Championship. Anders als im Vorjahr wurde es dieses Jahr aber sehr knapp für Carlsen, um den Wettbewerb zu gewinnen. Im Interview bei der Siegerehrung sagte er, dass es eines der besten Finalrunden für ihn war. Auch ein Magnus Carlsen möchte sich nicht langweilen, indem er alle Spiele gewinnt. Das diesjährige Finale brachte ihm den Reiz, tatsächlich um die Trophäe kämpfen zu müssen.
Den Fans gelingt es, Autogramme zwischen den Runden zu erreichen |
Foto: chess.com / Luc Bouchon
Wer die erste Phase des Finales führt, hat in der Regel einen psychologischen Vorteil. Von so einer Trockenphase zurückzukommen ist dementsprechend für den Gegner keine einfache Aufgabe. Es wundert also wenig, wenn Statistiken zitiert werden, die besagen, dass normalerweise die Person gewinnt, die auch im 5+1-Abschnitt führt. Auch in diesem Finale ging die Vorhersage auf: Magnus Carlsen führte nach der 5+1-Phase und gewann letztendlich auch das Turnier.
In der letzten Partie vor der Bulletabschnitt des Finales hätte Magnus Carlsen eigentlich seinen Vorsprung ausbauen sollen. Den 5+1-Abschnitt hatte er bereits gewonnen, im 3+1-Abschnitt führte er schon. Doch dann kam der Blunder schlechthin, wodurch der 3+1-Abschnitt unentschieden ausging. Der Bulletabschnitt ist der Bereich der Speed Chess Championship, in dem erwartet wurde, dass Firouzja dort am besten abschneiden würde. Anstelle mit einem angenehmen Punktepuffer in den 1+1-Abschnitt zu gehen, konnte Carlsen nur mit einem Vorsprung von zwei Punkten in die Bulletpartien einsteigen.
In der Bulletphase ging es mit dem fröhlichen Blundern weiter.
In der zweiten Bulletpartie entwickelte sich ein Turmendspiel mit einem Mehrbauern für Magnus Carlsen in eine Richtung, die ihm nicht gerade entgegenkam.
Tatsächlich wäre die Partie so bereits so gut wie gewonnen gewesen für Firouzja. Der noch schwerwiegendere Fehler folgte aber erst noch: Magnus Carlsen stellte in Zug 80 seinen Turm einzügig ein und konnte damit direkt aufgeben.
Die Besonderheit der Speed Chess Championship, dass für einen gewissen Zeitraum gespielt wird und nicht eine gewisse Partieanzahl, sorgt dafür, dass lange unklar ist, ob es sich bei einer Partie um die letzte Partie in einem Abschnitt handelt oder nicht. So konnte Carlsen beispielsweise in einer Partie bis zum Matt spielen (und seine Zeit langsam ablaufen lassen), als er komplett auf Verlust stand, um dafür zu sorgen, dass Firouzja nicht mehr Partien in der verbleibenden Zeit des Abschnitts reinschieben kann. Dies scheint je nach Umständen eine sinnvolle Strategie zu sein, wenn man führt.
Die vorletzte Bulletpartie war besonders wichtig für Firouzja. Es stand 13,5 zu 11,5. Hätte er diese gewonnen, während noch genügend Zeit gewesen wäre, um eine weitere Partie zu spielen, hätte er noch Chancen auf den Titel gehabt. Eine letzte Partie danach kam auch noch zustande, doch seine Punktzahl war zu dem Zeitpunkt bereits zu gering. Er hätte noch zwei Partien gewinnen müssen und es waren nur noch wenige Sekunden auf der Turnieruhr, wodurch klar war, dass dort keine zweite Partie mehr zustande käme. So einigten sich die beiden Spieler nach Ablauf der Turnieruhr auf ein Remis für die letzte Partie und beendeten so die Speed Chess Championship 2025/2026.

Scoreboard Carlsen vs. Firouzja | Foto und Grafik: Chess.com
Das Match zwischen Magnus Carlsen und Alireza Firouzja ging letztendlich 15 zu 12 aus. Der Verlauf des Finales fühlte sich sehr knapp an. Magnus Carlsens Kommentar dazu, als er darauf angesprochen wurde: "Er hat seit 20 Partien nicht mehr geführt". Soll bedeuten: Firouzja ist dem Ausgleich, nachdem er eine Führung abgegeben hat, hinterhergelaufen, aber hatte diesen gegen Ende des Matches nicht mehr greifen können. Der Sieger war am Ende dann wieder einmal: Magnus Carlsen.
Durch das Erreichen des zweiten Platzes konnte sich Firouzja für die Esports-WM qualifizieren. Im Interview berichtete er, dass ihm dies am wichtigsten gewesen wäre. Alles was danach im Finale passieren hätte können, wäre nur noch die Kirsche auf dem Kuchen gewesen, so Firouzja. Auch erwähnte er, wie sehr ihm das Ambiente mit den lautstarken Fans im Saal gefiele. Die Spieler trugen Kopfhörer während der Partien, dennoch konnten sie die Fans applaudieren. Carlsen merkte an, dass die Fans auch ab und zu für den Favoriten jubeln dürften.

Magnus Carlsen gewinnt Speed Chess Championship Trophäe (Blitz) und sein Name wird in den Naroditsky Cup eingraviert | Foto: Luc Bouchon / chess.com
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Ein besonders frustrierendes Wochenende muss Hikaru Nakamura gehabt haben. Nakamura allein stellt bereits 50% der Leute dar, die die Speed Chess Championship jemals gewonnen haben. Und dann auf einmal muss er feststellen, dass er beide Tage der 2025/2026-Finals (Sa+So) verloren hat. Gegen Denis Lazavik war Hikaru der absolute Favorit, aber wie auch Carlsen im Endinterview sagte: Lazavik kann Schach spielen und sollte nicht unterschätzt werden. Das Match ging 13,5 zu 12,5 für Lazavik aus, merklich knapp.
Scoreboard Nakamura vs. Lazavik | Grafik und Foto: Chess.com
Anders als bei Firouzja gegen Carlsen gingen zwischen Lazavik und Nakamura besonders die Bulletpartien remis aus. In den letzten 5 Partien gewann Nakamura zweimal und die beiden remisierten dreimal, aber diese Aufholjagd reichte nicht aus. Die Siege, die Lazavik zuvor eingefahren hatte, wogen zu stark gegen Nakamura.
Diese Stellung kam aus der letzten Partie, die Lazavik gewinnen konnte. Danach war Nakamura nur noch mit dem Gewinnen dran. Reichen sollte es trotzdem nicht für Nakamura. Am Ende gewann Lazavik das Match um den dritten Platz.

Lazavik besiegt Hikaru Nakamura, ein besonderer Tag für ihn | Foto: Luc Bouchon / chess.com
Alle Partien Speed Chess Championship 2025/2026
Die große Besonderheit des Turniers ist das Format! Als Online-Wettkampf gestartet, wird auch in Präsenz an Computerbildschirmen gespielt. Durch die Verteilung der Matches auf den Tag, sammelt sich bei zwei Matches (am Sonntag z.B. Spiel um Platz 3 und Finale) einiges an Zeit an, obwohl es eben Speed Chess ist und weit von klassischem Standardschach entfernt.
Die Live-Wettkämpfe in London werden im gleichen Format wie die Online-Wettkämpfe ausgetragen:
Die Farben wechseln von Partie zu Partie; der höher gesetzte Spieler beginnt in der ersten Partie jedes Abschnitts mit Weiß. Ein Sieg zählt einen Punkt, ein Remis einen halben Punkt. Für die Wertung werden nur Partien berücksichtigt, die vor Ablauf der jeweiligen Abschnittszeit begonnen wurden. Aufgeben dürfen die Spieler einen Wettkampf nur während der letzten zehn Minuten des 1+1-Abschnitts.
Steht der Wettkampf nach allen drei Abschnitten unentschieden, kommt folgendes Stichkampfverfahren zur Anwendung:
Für die Armageddon-Partie geben beide Spieler verdeckt an, mit wie viel Bedenkzeit sie bereit wären, mit Schwarz zu spielen (maximal fünf Minuten). Der Spieler mit dem niedrigeren Gebot erhält die schwarzen Steine und genau diese Bedenkzeit. Weiß spielt mit den vollen fünf Minuten, muss die Partie jedoch gewinnen, da ein Remis als Sieg für Schwarz gewertet wird.
14 Uhr: Magnus Carlsen vs. Denis Lazavik
19 Uhr: Alireza Firouzja vs. Hikaru Nakamura
14 Uhr: Spiel um Platz 3
19 Uhr: Finale
| Match | Gesamt | Für den Sieger | Der Rest wird geteilt |
| Finale | $50,000.00 | $25,000.00 |
Nach Siegquote |
| Spiel um Platz 3 | $15,000.00 | $7,500.00 | Nach Siegquote |
| Halbfinale | $30,000.00 | $15,000.00 | Nach Siegquote |
| Viertelfinale | $15,000.00 | $7,500.00 | Nach Siegquote |
| Letzte 16 | $8,125.00 | $4,062.50 | Nach Siegquote |