München: Überraschungen vom achten Brett
In einer Liga mit Aravindh, Aydin Suleymanli, Luke McShane, Faustino Oro, Richard Rapport, Frederik Svane, Kirill Alekseenko, Maxime Vachier-Lagrave, Vasyl Ivanchuk, David Navara, Matthias Blübaum und vielen weiteren Spitzenspielern ist der Topscorer nach dem ersten Wochenende ein Internationaler Meister mit einer 2476 Elo, Matic Lavrencic vom FC Bayern München. Während sich die Starspieler an den vorderen Brettern gegeneinander messen müssen, ist die Konkurrenz am achten Brett etwas leichter zu schlagen, wobei Lavrencic an diesem Wochenende mit GM Thies Heinemann (2393), GM Stefan Kindermann (2439) und IM Benedict Krause (2420) keinesfalls einen Freifahrtsschein hatte, doch einen leichten Elovorteil gab es für ihn schon.
In den drei Runden erreichte der 18-jährige Slowene Matic Lavrencic drei Punkte und machte damit auf sich aufmerksam. Während Kirill Alekseenko (1 aus 3) und Pouya Idani (1,5 aus 3) an den ersten beiden Brettern gegen die Neuzugänge vom FC St. Pauli, Richard Rapport und Venkatesh Pranav, verloren, sorgte Lavrencic zusammen mit Alvar Alonso Rosell, der gegen Mads Andersen gewann, für ein solides Remis des FC Bayern gegen den FC St. Pauli.
So konnten sich beide Vereine über ihre Neuzugänge freuen. Der FC St. Pauli konnte sich für Richard Rapport und Venkatesh Pranav auf die Schultern klopfen und der FC Bayern München kann stolz auf den jungen IM am achten Brett sein.
Richard Rapport und Venkatesh Pranav | Foto: FC St. Pauli
Benedict Krause (FC St. Pauli) gegen Matic Lavrencic (FC Bayern München)
Die Stellung war nicht einfach für Benedict Krause, aber mit dem Läuferpaar gab es Kompensation. Mit dem Zug 21.Lxe5 gab er jedoch den wichtigen schwarzfeldrigen Läufer ab, den er als Gegenspieler zum schwarzfeldrigen Läufer von Lavrencic gebraucht hätte.
Wenn Weiß in dieser Stellung die Dame wegzieht, braucht er sich keine Sorgen um sein Läuferpaar zu machen, weil er nach 21.Df4 Sxf3 22.Txd3 die schwarzfeldrigen Läufer abtauschen kann. Schwarz kann zwar ähnlich wie in der Partie auf 21.Df4 auch mit 21...Tac8 antworten und Druck auf der offenen Linie machen, solange sich der schwarzfeldrige Läufer noch auf dem Brett befindet, ist das aber noch nicht so schlimm.
Wenn der schwarze Turm auf a8 stehenbleibt, ist die Stellung noch einfacher, weil der d-Bauer nicht von der Dame geschlagen werden kann. Auf 21.Dxd5 folgt 21...Le4 mit Spieß auf Turm und Dame.
Die Partie endete nach 30...Da3. Weiß hat zwei Bauern weniger, einen offenen König und muss sich gegen den schwarzen Freibauern verteidigen. Wenn der Läufer wegzieht, droht auch mal Dg3 mit Mattdrohung oder Optionen zum Damentausch. Mit nur noch zwei Minuten auf der Uhr gab Weiß auf.
Pavel Eljanov (MSA Zugzwang) rettete seine Partie gegen Frederik Svane im Turmendspiel. Matthias Blübaum hatte die Partie im Livestream im Gespräch mit den Kommentatorinnen Katharina Reinecke und Josefine Safarli bereits als gewonnen für Frederik Svane erklärt. Dass die Partie in einem Remis endete, ist für den jungen Lübecker unglücklich gelaufen. Ein Trost ist jedoch, dass Teamkollege Gabor Papp seine Partie mit einer Figur mehr in einen Sieg ummünzen konnte und der Hamburger SK mit sieben Remis und einem Sieg das Match gegen die MSA Zugzwang gewann.
Vitaly Kunin stellte eine Figur gegen Gabor Papp ein | Foto: Reinhard Ahrens
Remis zwischen Leonardo Costa und HSK-Neuzugang Tamas Banusz | Foto: Reinhard Ahrens
Pavel Eljanov (MSA Zugzwang) gegen Frederik Svane (Hamburger SK)
Zum Ärger für Frederik Svane war 81...a4 ein Fehler und vergab den Vorteil. Es folgte 82.Ta2+ Kf1 und der schwarze König war vom Geschehen abgeschnitten. Nach 83.Kf3 von Pavel Eljanov musste Frederik Svane sogar auf Mattdrohungen aufpassen. Die Opposition der Könige in der Ausgangsstellung hätte Frederik Svane wohl ernster nehmen sollen, wobei dies aus der Kommentarkabine einfacher gesagt ist. 81...Te6+ hätte beispielsweise weitergeholfen. Te3 wäre danach für Schwarz auch eine Idee.
Die Partie war nach 90.Txa4 nicht mehr zu gewinnen und die Spieler einigten sich auf ein Remis.
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Videobeispiel: Einführung
Videobeispiel: Grünfeld - Nebenvarianten
Neuwied: SC Viernheim punktet an den vorderen Brettern
Beim Gastgeber SC Heimbach-Weis-Neuwied traf der SC Viernheim auf den SV Werder Bremen und Aufsteiger SV Erkenschwick spielte gegen Heimbach-Weis-Neuwied. Titelverteidiger Viernheim gewann 5,5:3,5 gegen Werder Bremen und Heimbach-Weis-Neuwied gewann mit derselben Punktzahl gegen Erkenschwick.
Für Viernheim punktete Aravindh gegen Velimir Ivic, Aydin Suleymanli gewann gegen Luke McShane und David Anton Guijarro gewann gegen Ihor Samunenkov. Insgesamt haben die Viernheimer an diesem Auftaktwochenende elf Einzelpartien gewonnen und 13 mal Remis gespielt. Georg Meier und die Gewinner des Sonntags vom SC Viernheim mögen nicht die Topscorer des Wochenendes sein, mit jeweils 2,5 Punkten aus 3 Runden hat die Mannschaft aber eine hohe Dichte an sehr starken Scorern aufzuweisen.
Faustino Oro ist bekannt fürs Kibitzen während seiner Partien | Foto: Angelika Valkova
Gastgeber Heimbach-Weis-Neuwied zeigte sich zum Abschluss des Wochenendes von seiner besten Seite. Mit vier Siegen und nur einer Niederlage überzeugten sie gegen den SV Erkenschwick – Lorenzo Lodici, Vaclav Finek, Pranav Anand und Jorge Ferreira punkteten für die Gastgeber. Beim SV Erkenschwick machte Mykola Korchynskyi mit einem Sieg gegen Martin Krämer auf sich aufmerksam.
Vaclav Finek und Pranav Anand (SC Heimbach-Weis-Neuwied) | Foto: Angelika Valkova
Remagen: OSG Baden-Baden musste für Sieg arbeiten
Beinahe hätte der SV Deggendorf ein Remis gegen die OSG Baden-Baden erreicht, am Ende fehlte aber doch ein halber Brettpunkt. Der Gegner von Matthias Blübaum wollte laut Blübaums Aussage früh seinen Flug bekommen und entschied sich mit Weiß für eine (schnelle) Remisvariante. Rustam Kasimdzhanov gab gegen Martin Petrov eine Qualität ohne Kompensation ab und bei Alexander Donchenko gegen Aleksander Delchev reichten 198 Elopunkte Abstand für Donchenko nicht zum Sieg. Auf dem Zettel sah das Match einfacher zu gewinnen aus für die OSG Baden-Baden als was das Endergebnis am Ende aussagte.
Maxime Vachier-Lagrave mit 1/3 am Spitzenbrett für Baden-Baden | Foto: Sven Noppes
Nach diesem Match befindet sich Baden-Baden mit 6 aus 6 auf dem zweiten Platz hinter Viernheim und der SV Deggendorf steht mit null Mannschaftspunkten mit drei weiteren Teams am Tabellenende.
Vier Teams, die in Remagen und Kirchweyhe solide spielten, waren die SG Solingen, der SC Remagen-Sinzig, Aufsteiger SF Bad Mergentheim und der SK Kirchweyhe. Die vier Mannschaften spielten am Sonntag jeweils Remis und befinden sich mit drei und vier Punkten im Mittelfeld der Tabelle. Solingen und Remagen Sinzig stehen bei drei Mannschaftspunkten nach ihrem Remis und Bad Mergentheim und der SK Kirchweyhe stehen bei vier Mannschaftspunkten nach ihrem Remis.
Kirchweyhe: SF Berlin gewinnen gegen Düsseldorf
Eine weitere Partie (mit einem Turmendspiel) bei der Blübaum im Gespräch mit Katharina Reinecke und Josefine Safarli dachte, dass er das Ergebnis vorhersagen könnte, war die Partie zwischen Philipp Klaska und Magnus Ermitsch. Es sah lange Zeit nach einem Remis zwischen dem Düsseldorfer FM und dem Berliner IM aus. Doch im Turmendspiel kam es nochmal zu Drama: Klaska beging einen Fehler, den Ermitsch sofort ausnutzte und dadurch am Ende die Partie gewann. Entscheidend für den Matchausgang war das Ergebnis zum Glück für Klaska aber nicht. Berlin gewann 5:3 gegen Düsseldorf.
Philipp Klaska (Düsseldorfer SK) gegen Magnus Ermitsch (SF Berlin)
Schwarz tauschte die Bauern am Königsflügel ab und konnte danach mit seinem König nach b1 laufen und seinen Turm als Schutzschild verwenden, um seinen Bauern zum Umwandlungsfeld zu bringen. Anstelle von 49.Kg2 hätte Weiß lieber Ta4 oder Ta5 gespielt. Ta5 fesselt den f-Bauern und hält ihn so davon ab, vorzuziehen und Ta4 schneidet den König ab und hält den f-Bauern ebenso vom Vorziehen ab. Mit einem Mehrbauern hatte Ermitsch aber auch das einfachere Spiel, selbst wenn die Partie vor dem Fehler laut Blübaum in einem Remis hätte enden sollen.
Eindrücke vom Spielsaal in Kirchweyhe, Düsseldorf gegen Berlin | Foto: Jan Werner
Gastgeber SK Kirchweyhe gegen links gegen Bad Mergentheim | Foto: Jan Werner
Stefan Kindermann erklärt, wie man allgemeine Regeln im Leben wie im Schach gleichermaßen mit Erfolg anwenden kann.
Kreuztabelle nach Runde 3
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