Ergebnisse
Nach seinem Sieg gegen Caruana sprach Keymer im Interview mit Maurice Ashley auch über die Niederlage gegen Sindarov und zeigte sich selbstkritisch:
Ich bin niemand, der gerne vom ersten Zug an auf Remis spielt. Aber während der Partie gegen Sindarov schlichen sich diese Gedanken dann doch in mein Gehirn: "Eigentlich ist ein Remis doch ein gutes Ergebnis." Und so habe ich Lxe5 gespielt ... Und irgendwie habe ich es dann geschafft, die Partie noch zu verlieren. Das war schwer zu verdauen, denn letztlich hat mich gerade der Versuch, gegen meine Natur zu spielen, diese Partie gekostet.
Gegen Caruana machte er es besser und blieb sich von Beginn an treu. Mit Weiß spielte er nach 1.d4 d5 2.c3!?, einen auf den ersten Blick überraschenden Zug, den Keymer allerdings schon in Spitzenpartien gespielt hat. Auch danach überraschte Keymer in der Eröffnung mit einer Reihe ungewöhnlicher Züge, für die man jeden Anfänger schwer getadelt hätte:
Er brachte seine Dame mit 4.Db3 früh ins Spiel, zog dann mit 5.Sh4 seinen Springer an den Rand, um anschließend mit 6.h3 und 7.g4 am Königsflügel mit seinen Bauern vorzupreschen und den weißen Königsflügel irreparabel zu schwächen. Dann wartete er mit der Entwicklung weiter ab, um mit 8.Sg2, 9.Sf4 und 10.Sd3 eine bereits entwickelte Figur noch dreimal zu ziehen.
Aber am Ende dieser filigranen Manöver hatte Keymer eine komplexe Stellung mit guten Chancen bekommen. Im Mittelspiel gewann er allmählich die Oberhand und brachte Caruanas König in Bedrängnis. Caruana verbrauchte viel Zeit, um die Probleme zu lösen, und stand kurz vor der Zeitkontrolle fast schon auf Verlust.
Doch dann strauchelte Keymer und ließ Caruana wieder in die Partie kommen. Nach der Zeitkontrolle revanchierte sich Caruana jedoch seinerseits mit einem Fehler und Keymer kam zu einem wichtigen Sieg.
Da Sindarov gegen Van Foreest gewann, bleibt das Duell zwischen Keymer und Sindarov um die Qualifikation für das Finale der Grand Chess Tour spannend. Allerdings hat Keymer rein rechnerisch die besseren Chancen: Vor der Schlussrunde liegen beide mit je 4,5 aus 8 punktgleich auf den Plätzen 3 und 4. In der Gesamtwertung der Grand Chess Tour hat Keymer jedoch einen halben Punkt mehr als Sindarov, und da bei Gleichstand die Grand-Chess-Tour-Punkte geteilt und nicht nach Wertung vergeben werden, muss Sindarov in der letzten Runde einen halben Punkt mehr machen als Keymer.
Das wird schwer, denn Sindarov spielt in der letzten Runde gegen Tabellenführer Wesley So, der als sehr solide gilt und bislang beim Sinquefield Cup noch keine Partie verloren hat. Keymer hingegen spielt gegen Tabellenschlusslicht Van Foreest, dem in diesem Turnier bislang wenig geglückt ist.
Aber wie zahllose Turniere und Wettkämpfe und der bisherige Turnierverlauf gezeigt haben, spielen Psychologie und Nervenstärke in solchen Situationen eine mindestens ebenso große Rolle wie das schachliche Können.

Wesley So | Foto: Lennart Ootes
Stand nach der 8. Runde
Paarungen der 9. Runde


Vincent Keymer | Foto: Lennart Ootes

Javokhir Sindarov | Foto: Lennart Ootes
Partien
Dieser Kurs ist ein Repertoire nach 1.e4 e5 2.Sf3 mit dem Evans-Gambit als Hauptwaffe.
Wenige Eröffnungen vermitteln die Kunst des Angriffs so unmittelbar wie das Evans-Gambit. Nach 1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lc4 Lc5 4.b4 opfert Weiß einen Bauern, um die Stellung zu öffnen, ein mächtiges Zentrum aufzubauen und den schwarzen König sofort unter Druck zu setzen. Das Beste daran: Die taktischen Möglichkeiten entstehen ganz natürlich aus der Stellung – statt auswendig gelernter Varianten. Damit ist das Evans-Gambit die ideale Eröffnung für Vereinsspieler und ambitionierte Nachwuchsspieler, die schärfere Stellungen und mehr Erfolg mit Weiß anstreben. Doch ein starkes Gambit allein macht noch kein vollständiges Repertoire. In diesen beiden Bänden präsentiert IM Andrew Martin ein komplettes Weißrepertoire nach 1.e4 e5 2.Sf3 und liefert gegen jede schwarze Antwort eine klare, sofort einsetzbare Lösung.
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