Toxikologischer Bericht weist Drogenmix im Körper von Daniel Naroditsky nach

von Stefan Liebig
21.01.2026 – Daniel Naroditskys Tod im Oktober 2025 hat die Schachwelt in Aufruhr versetzt. Der US-amerikanische Schachgroßmeister verstarb im Alter von 29 Jahren unter unklaren Umständen. Mehr als drei Monate nach seinem Tod hat der North Carolina Office of the Chief Medical Examiner einen toxikologischen Bericht veröffentlicht. Darin wird erstmals detailliert dokumentiert, welche Substanzen in seinem Körper gefunden wurden. | Foto: Lennart Ootes

Ihr persönlicher Schachtrainer. Ihr härtester Gegner. Ihr stärkster Verbündeter.
FRITZ 20: Ihr persönlicher Schachtrainer. Ihr härtester Gegner. Ihr stärkster Verbündeter. FRITZ 20 ist mehr als nur eine Schach-Engine – es ist eine Trainingsrevolution für ambitionierte Spieler und Profis. Egal, ob Sie Ihre ersten Schritte in die Welt des ernsthaften Schachtrainings machen oder bereits auf Turnierniveau spielen: Mit FRITZ 20 trainieren Sie effizienter, intelligenter und individueller als je zuvor.

„Unbeabsichtigte Vergiftung“

Ein Bericht im People Magazine, auf den sich auch spiegel-online bezieht, zitiert die Gerichtsmediziner, die den Tod Daniel Naroditskys als „accidental poisoning“ klassifizieren. Demnach soll sich der beliebte Schachstreamer und -trainer also eine unbeabsichtigte Vergiftung zugefügt haben. Vielfach war nach seinem frühen Tod über einen Selbstmord spekuliert worden. Obwohl Naroditsky allseits wegen seiner lebensfrohen Art beliebt war, hatte man diese Möglichkeit ernsthaft in Betracht gezogen. Zu sehr hatten ihn in den Monaten vor seinem Tod die Anschuldigungen von Vladimir Kramnik belastet. Der Ex-Weltmeister beschuldigte Naroditsky des Cheatings. Wie in vielen anderen Fällen dieser Art, lieferte Kramnik aber keine stichhaltigen Beweise. Die Psyche des angegriffenen, großartigen Blitzspielers erlitt aber deutliche, für sein Umfeld spürbare Schäden. 

Auch, wenn mit dem Untersuchungsergebnis nun die Todesursache feststeht, verrät dies nichts über den Todeshergang: Laut dem North Carolina Office of the Chief Medical Examiner lässt der vorliegende Bericht zwar auf die Anwesenheit mehrerer Substanzen schließen, liefert aber keine Indizien, wie es zu dieser Vergiftung gekommen sein kann. Es liegt demnach durchaus im Bereich des Möglichen, dass Naroditsky die Substanzen bewusst zu sich genommen hat, ohne sich aber töten zu wollen.

Abschlussbericht

Am 20. Januar 2026 legten die Behörden in North Carolina einen Abschlussbericht zur toxikologischen Analyse vor. Demzufolge hatte Naroditsky zum Zeitpunkt seines Todes mehrere psychoaktive Substanzen im Blut. 

Wie NBC News berichtet, hatte Naroditsky laut einem toxikologischen Bericht zum Zeitpunkt seines Todes Methamphetamin, Amphetamin, 7-Hydroxymitragynin und Mitragynin im Körper, die alle wahrscheinlich aus einem als Kratom bekannten Nahrungsergänzungsmittel stammten.

Der veröffentlichte Bericht bestätigt laut The Guardian, dass folgende Substanzen im System des Verstorbenen nachgewiesen wurden:

  • Methamphetamin, ein starkes synthetisches Stimulans
  • Amphetamine, eine Klasse leistungssteigernder Stimulanzien
  • Mitragynine und 7-Hydroxymitragynine, psychoaktive Alkaloide aus Kratom

Alle diese Substanzen können bei erhöhter Konzentration im Organismus zu Herz-, Kreislauf- oder neurologischen Komplikationen beitragen. Während die genaue Dosis und der Zeitpunkt der Einnahme nicht veröffentlicht wurden, gilt die Kombination aus Stimulanzien und kratomähnlichen Verbindungen als medizinisch riskant. Die Wirkstoffe können – einzeln oder kombiniert – schwerwiegende physiologische Effekte hervorrufen und gelten in der forensischen Bewertung als potenziell lebensgefährlich. 

Umstände des Todes

Enge Freunde – der ukrainische Großmeister Oleksandr Bortnyk und der Gründer des Charlotte Chess Center, Peter Giannatos – fanden Naroditsky am 19. Oktober 2025 bewusstlos auf seinem Sofa. Sie hatten sich, nachdem sie ihn nicht erreicht hatten, Sorgen um ihn gemacht. Unter Schock alarmierten sie sofort die Rettungskräfte, die nur noch den Tod Naroditskys feststellen konnten.

Bereits unmittelbar nach dem schrecklichen Fund hatte die Polizei Ermittlungen eingeleitet, die sowohl eine Überdosis als auch eine mögliche Selbsttötung als vorläufige Szenarien betrachteten. Schnell wurde der immense emotionale Druck unter dem er durch Kramniks Vorwürfe stand, als wahrscheinlichster Grund für einen eventuellen Selbstmord in Betracht gezogen. Naroditsky hatte Kramniks Vorwürfe stets vehement zurückgewiesen und dabei überwältigende Unterstützung der Schachgemeinschaft erfahren. Doch die Anschuldigungen und die riesige mediale Aufmerksamkeit zehrte sichtbar an ihm. Erkennbar ist dies nicht zuletzt an seinen kurz vor seinem Tod veröffentlichten Streams.

Reaktionen aus der Community und Folgen

Die Nachricht vom Tod Naroditskys bestürzte nicht nur die internationalen Schachszene, vielmehr berichtete die gesamte Medienlandschaft über den Tod und den wahrscheinlichen Zusammenhang mit der unfundierten Cheatingkampagne Kramniks. Naroditsky war nicht nur als Turnierspieler bekannt, sondern auch als Kommentator, Autor und Content-Creator. Er erreichte Hunderttausende Zuschauer auf YouTube und anderen Plattformen und galt als einer der prägendsten Online-Kommentatoren im Schachsport. Viele Freunde, unter ihnen ebenso erfolgreiche Streamer wie Hikaru Nakamura und Levy Rozman alias Gotham Chess, veröffentlichten Nachrufe, in denen sie ihre Tränen kaum verbergen konnten:

Ob es aufgrund dieser toxikologischen Ergebnisse oder anderer polizeilicher Ermittlungen noch weitere Erkenntnisse geben wird, ist unklar. Ebenso wie die gegen Kramnik eingeleiteten Untersuchungen oder dessen Klage vor einem Schweizer Zivilgericht gegen die FIDE sich weiterentwickeln. Für Daniel Naroditskys Familie, Freunde und Fans bleibt trotz der toxikologischen Befunde auf jeden Fall eine große Lücke mit vielen Fragezeichen zurück.

Links


Stefan Liebig, geboren 1974, ist Journalist und Mitinhaber einer Marketingagentur. Er lebt heute in Barterode bei Göttingen. Im Alter von fünf Jahren machten ihn seltsame Figuren im Regal der Nachbarn neugierig. Seitdem hat ihn das Schachspiel fest in seinen Bann gezogen. Höhenflüge in die NRW-Jugendliga mit seinem Heimatverein SV Bad Laasphe und einige Einsätze in der Zweitligamannschaft von Tempo Göttingen waren Highlights für den ehemaligen Jugendsüdwestfalenmeister.
Diskussion und Feedback Senden Sie Ihr Feedback an die Redakteure