Mit Anastasia Hnatyshyn gewann eine junge Spielerin die Europameisterschaft der Frauen, die wohl kaum jemand auf dem Zettel hatte. Die erst 15-jährige Ukrainerin, am 12. Juni wird sie Sechzehn, nahm mit ihrer Elozahl in der Startliste der Europameisterschaft in Batumi bei 165 Teilnehmerinnen nur Rang 76 ein, startete aber mit sechs Siegen in das Turnier und besiegte dabei mehrere Großmeisterinnen (WGM). Die Lettin Mai Narva hatte von den Gegnerinnen mit 2426 die höchste Elozahl, über 200 Punkte mehr als Hnatyshyn selbst (2207).

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In Runde sieben musste Anastasia Hnatyshyn gegen Meri Arabidze zwar eine Niederlage hinnehmen, erholte sich davon aber gut und gewann in den letzten vier Runden mit zwei Siegen und zwei Remis noch drei Punkte, was zum alleinigen Turniersieg reichte. Anastasia Hnatyshyn war die einzige Spielerin mit 9 Punkten zum Schluss, bei einer sagenhaften Eloperformance von 2580.

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In der nächsten Eloliste wird Anastasia Hnatyshyn mit einem Zugewinn von 215 Punkten gelistet sein. In der Live-Weltrangliste der Frauen machte Hnatyshyn mit ihrer Leistung bei der Europameisterschaft 216 Plätz gut und belegt jetzt Platz 17. In der Live-Mädchenliste verdrängte die 15-Jährige die zwei Jahre ältere Russin Anna Shukhman von Platz eins. Und in der ukrainischen Frauenrangliste belegt Anastasia Hnatyshyn hinter Anna Muzychuk nun Platz zwei.
Was für ein unglaublicher Erfolg, insbesondere wenn man dabei im Blick hat, unter welch schwierigen Bedingungen die junge Ukrainerin und ihre Familie in ihrem Heimatland leben müssen.
Anastasia Jurievna Hnatyshyn wurde am 12. Juni 2010 in Lviv (Lemberg) geboren. Die Stadt liegt einigermaßen weit weg von der Grenze zu Russland, aber auch hier kann jederzeit eine russische Rakete einschlagen und das Leben der Menschen in der Nähe vernichten, was auch schon oft genug passiert ist.
Auch wenn man von der vermeintlichen Leistungsexplosion überrascht sein mag, so kommt diese doch nicht von ungefähr. Das erste Turnier, in dem Anastasia Hnatyshyns Name auftaucht, fand 2017 in der Ukraine statt, das war sie sieben Jahre alt.
Zwei Jahre später gewann Anastasia Hnatyshyn schon die Silbermedaille bei den Europameisterschaften der Mädchen U10 hinter Anna Shukhman. 2022 wurde sie Weltmeisterin im Schnellschach und Blitzschach bei den Mädchen U12.

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Und 2025 gewann sie die Europameisterschaft im Schnellschach und im Blitzschach der Mädchen U16. Hinzu kommen zahlreiche Medaillen bei Wettbewerben in der Ukraine. Hnatyshyn war 2024 Dritte der ukrainischen Frauenmeisterschaften. 2025 wurde sie Landesmeisterin der Ukraine im Schnellschach und im Blitzschach bei den Mädchen unter 20 Jahren.
In einem Qualifikationsturnier für die Nominierung der Frauen für die Schacholympiade belegte Anastasia Hnatyshyn den zweiten Platz, qualifizierte sich damit für das Team und wird ihr Land bei der kommenden Schacholympiade in Usbekistan sicher gut vertreten. Bei dem Turnier in Uschhoro besiegte sie unter anderem die früheren Nationalspielerinnen Inna Gaponenko und Natalia Zhukova.
Beim Mitropa Cup in St. Veit an der Glan Mitte Mai 2026 gehörte Anastasia Hnatyshyn bereits zur ukrainischen Auswahl im Frauenwettbewerb und leistete mit 5 aus 7 einen guten Beitrag zum Gewinn der Goldmedaille der Ukraine. Alles in allem hat Anastasia Hnatyshyn im Laufe ihre bisherigen neunjährigen Turnierkarriere an nicht weniger als 185 Turnieren am Brett teilgenommen. Hinzu kommen zahlreiche Online-Blitzturniere.

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Anastasia Hnatyshyn stammt aus einer schachbegeisterten Familie, hat fünf Brüder und eine Schwester. Fast alle spielen Schach. Das Schachspielen lernte sie im Alter von fünf Jahren von ihrem Vater. Da sie vom Spiel gleich begeistert war, erhielt sie vom Trainer Anton Romashov Unterricht. Dann übernahmen Viktor Zhelyadinov und Martyn Kravtsiv das Training. Derzeit wird sie von Volodymyr Grabinsky und Adrian Mikhailchishin betreut.
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Auf Vermittlung ihrer Trainer nimmt Anastasia Hnatyshyn seit fünf Jahren auch an Kursen der Kasparov-Schachakademie teil, entweder online, oder bei Seminaren, die in Zagreb und Wien durchgeführt wurden.
Schach ist aber nicht alles im leben der jungen Ukrainerin. Neben dem Schach übt Anastasia Hnatyshyn sich im Fly-Yoga, ist überhaupt sportbegeistert und verfolgt besonders die Erfolge ukrainischer Sportler bei Olympischen Spielen, im Sommer und besonders im Winter. Anastasia Hnatyshyn hat offenbar auch ein Faible für Risikosportarten und würde gerne einmal an einem Fallschirmspringen teilnehmen. Außerdem interessiert sie sich für Musik und näht gerne.
Mit Anastasia Hnatyshyn hat das 40-Millionen-Volk der Ukrainer aus seinem offenbar unerschöpflichen Reservoire an Schachtalenten wieder eine kommende Weltklassespielerin hervorgebracht. Andere Länder tun sich da deutlich schwerer.
Zwei Partiebeispiel aus der Europameisterschaft: