Wie werde ich Experte?

von Johannes Fischer
08.10.2026 – Wie kann ich im Schach besser werden, meine Elo-Zahl steigern oder Internationaler Meister oder Großmeister werden? Oder – allgemein gefragt – wie werde ich überhaupt zu einer Expertin oder einem Experten auf einem Gebiet? Der YouTube-Kanal Veritasium hat Antworten. | Foto: Screenshot aus dem Veritasium-Video. Veritasium zitiert hier das von Chess24 veröffentlichte Video Magnus Carlsen’s Mind-Blowing Memory

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Veritasium ist ein 2011 ins Leben gerufener YouTube-Kanal des australischen Physikers und Wissenschaftsjournalisten Derek Muller. In professionell gemachten Videos erklärt Muller naturwissenschaftliche Phänomene, stellt Experimente vor und untersucht, warum Menschen die Welt häufig anders wahrnehmen, als sie tatsächlich funktioniert. Dabei verbindet er wissenschaftliche Studien mit Interviews, anschaulichen Beispielen und überraschenden Experimenten.height="1"

In einer vor vier Jahren ausgestrahlten, aber immer noch aktuellen Folge über Expertenwissen spielt Schach eine zentrale Rolle. Um Expertenwissen besser verstehen zu können, will Muller wissen, warum Magnus Carlsen das kann, was er kann – und wie er dieses Können erworben hat. Mustererkennung, "Chunking" ist hier das zentrale Motiv. Gute Spieler haben im Laufe ihres Lebens zahllose Partien gespielt, analysiert oder Aufgaben gelöst. In ihrem Schachgedächtnis sind so zahllose Muster gespeichert, mit deren Hilfe sie intuitiv den besten Zug finden können.

Das ist aber nicht alles: Muller listet vier Voraussetzungen für Expertenwissen auf und erläutert diese Punkte anschaulich, wobei man nebenbei noch etwas über die Tücken des Aktienkaufs erfährt oder warum man nicht verzweifeln sollte, wenn man bei Bewerbungen abgelehnt wurde.

Die vier Voraussetzungen für Expertenwissen

1. Eine Umgebung, in der erkennbare Regeln gelten

Um etwas zu lernen, muss es erkennbare Gesetzmäßigkeiten geben. Beim Schach ist das der Fall: Bestimmte strategische und taktische Muster tauchen immer wieder auf. Gute Züge erhöhen die Chancen auf einen Sieg, schlechte Züge können zu Niederlagen führen. Wenn man das will, kann man aus Fehlern und Niederlagen lernen.

Beim Roulette oder anderen Glücksspielen ist das anders, die Ergebnisse sind zufällig, lernen lässt sich aus ihnen nichts.

2. Wiederholungen

Übung macht den Meister - Tennisspieler schlagen Tausende Bälle, Physiker lösen zahlreiche Aufgaben, Schachspieler analysieren unzählige Partien und Stellungen.

3. Schnelles und eindeutiges Feedback

Um etwas zu lernen, braucht man Feedback. Im Schach erhält man das durch die Ergebnisse von Partien, durch die Analyse eigener Fehler oder durch das Lösen taktischer Aufgaben. In anderen Bereichen ist das schwieriger. Muller erwähnt, wie schlecht Experten bei politischen Prognosen abschneiden oder warum Anlageberater ihr hohes Honorar oft nicht wert sind.

4. Deliberate Practice

Aber Erfahrung allein genügt nicht: Wenn man trainiert, muss man immer wieder an die Grenzen der eigenen Fähigkeiten gehen, um sich zu verbessern. In der Sportwissenschaft und Psychologie nennt man das „Deliberate Practice“, bewusstes, systematisches Üben, das einen fordert und die eigenen Fähigkeiten ausreizt.

Beim Schach wird man besser, wenn man mit besseren Spielern analysiert oder gegen bessere Spieler spielt. Das erklärt auch, warum Trainer so hilfreich sind: Sie erkennen Probleme, für die der Spieler blind ist, und sie können Aufgaben auswählen, die Schwächen gezielt angehen.

Ein sehenswertes und unterhaltsames Video, das überzeugend und auf wissenschaftlicher Grundlage verrät, wie der Weg zum Experten aussieht. Gehen muss man ihn allerdings selber.

Mustererkennung ist ein wichtiges Werkzeug im modernen Schach, da es Ihnen hilft, die charakteristischen Merkmale einer Stellung besser zu verstehen. Vor allem, wenn Ihr Gegner Sie in der Eröffnung überrascht hat, ist es hilfreich, allgemeinen Prinzipien
Mustererkennung ist ein wichtiges Werkzeug im modernen Schach, da es Ihnen hilft, die charakteristischen Merkmale einer Stellung besser zu verstehen. Vor allem, wenn Ihr Gegner Sie in der Eröffnung überrascht hat, ist es hilfreich, allgemeinen Prinzipien zu vertrauen. In dieser Videoserie werden zehn zentrale Elemente der Eröffnung erläutert, um Ihnen zu helfen, Ihr Spiel in dieser Phase der Partie zu verbessern. In der Schachliteratur wurden diese Themen wiederholt behandelt, aber hier sind Sie aktiv dabei! Nach einem theoretischen Abschnitt mit zehn Beispielen folgt ein Test mit 50 lehrreichen Beispielen und einer Reihe von Fragen und Aufgaben. Diese Aufgaben enthalten taktische und positionelle Motive. Zusätzlich gibt es noch 50+ Beispiele in einer separaten Datenbank und ein neues Feature in der Fritz App, mit dem Stellungen ausspielen kann. Ein sorgfältiges Studium dieser Serie wird Ihr Schachverständnis weiter vertiefen und Ihnen helfen, die Eröffnungsphase zu überstehen ohne große Mengen an langen theoretischen Varianten lernen zu müssen.


Johannes Fischer, Jahrgang 1963, ist FIDE-Meister und hat in Frankfurt am Main Literaturwissenschaft studiert. Er lebt und arbeitet in Nürnberg als Übersetzer, Redakteur und Autor. Er schreibt regelmäßig für KARL und veröffentlicht auf seinem eigenen Blog Schöner Schein "Notizen über Film, Literatur und Schach".
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