Das Kandidatenturnier begann in Zypern, wo acht Spieler darum kämpfen, Gukesh Dommaraju um den Weltmeistertitel herauszufordern.
Die erste Runde bot hart umkämpfte Partien, die die Risikobereitschaft der Teilnehmer im Kampf um den ersten Platz widerspiegeln. Drei Spieler waren schon 2024 dabei: Hikaru Nakamura, Fabiano Caruana und Praggnanandhaa Rameshbabu – Nakamura und Caruana gehen als die beiden Topgesetzten ins Turnier. Zu den Neulingen gehört auch der erste Deutsche bei einem Kandidatenturnier seit 1991, Matthias Blübaum.
Gemäß den Paarungsregeln trafen in der ersten Runde Spieler desselben Landes aufeinander, was das rein amerikanische Duell zwischen Caruana und Nakamura zum mit Spannung erwarteten Spiel des Tages machte. Bemerkenswert ist, dass dies die einzige Paarung zweier Landsleute im gesamten Turnier ist. Bei der vorherigen Auflage waren nur fünf Nationalitäten vertreten, darunter drei indische Spieler neben zwei Amerikanern, während das Teilnehmerfeld in diesem Jahr sieben verschiedene Verbände umfasst.
Ergebnisse Runde 1:

Das offene und das Damenturnier finden parallel statt. | Foto: FIDE / Michal Walusza
Das einzige Remis der Runde gab es in der Partie zwischen Matthias Blübaum und Wei Yi. Die beiden trafen tatsächlich zum ersten Mal aufeinander. Bislang spielten sie weder im klassischen Schach noch im Rapid oder Blitz gegeneinander.
Blübaum ging mit einem deutlichen Zeitvorteil aus der Eröffnung ins Mittelspiel – es war ihm offenbar gelungen seinen Gegner zu überraschen. Wei Yi investierte viel Zeit, um die richtige Antwort zu finden und es gelang ihm. Der chinesische Topspieler opferte schließlich einen Turm und erzwang damit das Dauerschach.

Matthias Blübaum | Foto: FIDE / Michal Walusza
Das Spitzenspiel zwischen Fabiano Caruana und Hikaru Nakamura entwickelte sich zu einem langen und komplexen Kampf. Caruana, der mit Weiß spielte, suchte von Beginn an die Initiative und nahm dafür bereitwillig strukturelle Zugeständnisse in Kauf, um dynamische Möglichkeiten zu eröffnen.

Im Gegensatz zu Blübaum und Wey Yi kennen sich
Caruana und Nakamura natürlich sehr, sehr gut.
Caruanas Strategie zahlte sich aus, als die Partie in ein Mittelspiel mit wichtigen Figuren und ungleichfarbigen Läufern überging – eine Konstellation, die ihm zunehmend in die Hände spielte. Er gewann schließlich einen Bauern und vereinfachte die Stellung später zu einem reinen Endspiel mit ungleichfarbigen Läufern, das objektiv gewonnen war.
Nakamura leistete weiterhin Widerstand und erhielt, nachdem Caruana im 77. Zug einen Fehler begangen hatte, eine konkrete Chance, die Partie noch zu retten. Es gelang ihm jedoch nicht, das für ein Remis nötige Königsmanöver zu finden, und die Stellung brach bald zusammen, was ihn zur Aufgabe zwang.
In seiner Analyse nach dem Spiel merkte Caruana an, dass es ihm „etwas peinlich“ sei, seinen Vorteil so kurz vor dem Sieg zu einem Remis verspielt zu haben. Aber es gab ja aus seiner Sicht ein Happy End:

Hikaru Nakamura hatte lange mit einer schwierigen Stellung zu kämpfen – und stand kurz vor einem Remis. | Foto: FIDE Michal Walusza
Einen deutlicheren Sieg errang Praggnanandhaa Rameshbabu, der Anish Giri mit den weißen Steinen besiegte. Mit der Grand-Prix-Attacke – einem auf höchstem Niveau selten angewandten System – erlangte Pragg eine stabile Initiative und erhöhte den Druck kontinuierlich.
Sein Spiel war durchweg kontrolliert, und er nutzte seinen Vorteil auf vorbildliche Weise. Giri gelang es nie, Ausgleich zu erzielen.

Praggnanandhaa Rameshbabu | Foto: FIDE / Michal Walusza

Die Bilanz zwischen Praggnanandhaa und Giri ist nun ausgeglichen.
Die Partie zwischen den Debütanten Javokhir Sindarov und Andrey Esipenko bot die spannendste Begegnung der Runde. Aus der Abtauschvariante des Abgelehnten Damengambits entwickelte sich ein spannendes und taktisch anspruchsvolles Mittelspiel.
Esipenko errang mit den schwarzen Steinen einen klaren positionellen Vorteil, doch in der Zeitnot beider Spieler verschob sich das Kräfteverhältnis dramatisch. Seine Entscheidung, einen gegnerischen Springer zu schlagen, erwies sich als Wendepunkt.
Der usbekische Großmeister bewies Ruhe trotz großen Drucks, nutzte seine Chancen und sicherte sich den vollen Punkt.

Javokhir Sindarov kletterte nach seinem Sieg über Andrey Esipenko auf Platz 10 der Weltrangliste. | Foto: FIDE / Michal Walusza

Der Punkt in der ersten klassischen Partie der beiden Kontrahenten ging an Sindarov.