Frisch rezensiert: Fritz 21

von Lukas Köpl
15.07.2026 – „Noch stärker. Noch schöner. Noch direkter.“, heißt es im Werbe-Clip. Damit wirbt ChessBase für die neueste Version seiner bekannten Produktreihe Fritz! Was findet man in der neuen Version? Für wen eignet sich Fritz 21? Lukas Köpl hat sich die neueste Version angesehen und prüft, was hinter dem Werbeslogan stärker, schöner, direkter steckt.

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Eine optisches Makeover für einen altbekannten Trainingsgehilfen

Meinen ersten Kontakt mit einem ChessBase-Produkt durfte ich anno dazumal mit einer alten Version von Fritz machen, die mein erster Verein im Materialschrank liegen hatte. Auch wenn ich damals den Wert des Programms aufgrund meiner Spielstärke nicht zu nutzen wusste, waren die Nachfolgermodelle neben dem Datenbankprogramm ChessBase sowie der Mega Database stets Teil meiner technischen Grundausstattung.

Dabei war die Rollenverteilung von Anfang an klar. Während ich für die Verwaltung meiner Datenbanken und die Referenzsuche eine klare Lösung hatte, entfielen die verschiedenen Trainingsmöglichkeiten auf Fritz. Meine Anforderungen waren dabei klar geregelt. Das Programm sollte nicht nur analysieren, sondern vor allem trainieren, erklären und langfristig beim schachlichen Fortschritt begleiten. Gerade diese Kombination aus leistungsfähiger Analyse und spielerischem Training war es, die Fritz immer wieder von den anderen Produkten absetzte.

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In den vergangenen Jahren hat sich die Schachwelt jedoch grundlegend verändert. Die Einführung neuronaler Engines wie Leela Chess Zero, die Dominanz von Stockfish NNUE (NNUE ist eine spezielle Architektur eines neuronalen Netzwerks) sowie der weltweite Schachboom infolge der Pandemie und populärer Streamingformate haben die Erwartungen an moderne Schachsoftware deutlich angehoben. Analyseprogramme müssen heute weit mehr leisten als die reine Variantenberechnung. Gefragt sind mehr denn je Gesamtlösungen für intelligente Trainingsmethoden, individuelle Anpassungsmöglichkeiten, motivierende Lernkonzepte und eine möglichst natürliche Nutzeroberfläche.

Während es heutzutage leicht ist, die neuesten Engines zu installieren, braucht eine Produktreihe wie Fritz andere Anreize, um auf dem Markt bestehen zu können. Hinsichtlich der neuesten Version, Fritz 21, kann ich zwei grundlegende Veränderungen festmachen:
Optik und Funktionalität

Schwerpunktmäßig soll es hierbei jedoch um die Funktionalität gehen, wobei das Auge mittrainiert und der moderne Look nicht außer Acht gelassen werden sollte.

Moderner Look und klare Ausrichtung

Ob sich eine neue Version einer Schachsoftware lohnt, entscheidet sich heute kaum noch aufgrund der Spielstärke der integrierten Engine. Seit Stockfish und andere moderne Open-Source-Engines die Grenze menschlicher Spielstärke weit hinter sich gelassen haben, unterscheiden sich kommerzielle Programme vor allem durch ihren Funktionsumfang, ihre Benutzerfreundlichkeit und ihre Trainingskonzepte. Genau hier gefällt mir persönlich der Weg, den man mit Fritz 21 einschlägt. Zunehmend kann man sehen, wie der Schwerpunkt der Produktreihe auf ein interaktiveres, individuelleres und motivierendes Training gelegt wird.

Dabei spielen insbesondere die Personalisierung des Trainings und die Künstliche Intelligenz als Trainingspartner, wie bereits in meiner Rezension zu ChessBase´26 zu finden, eine zunehmende Rolle in den Produkten.

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Die Style-Engine und animierte Spielertypen

Eine interessante Möglichkeit von Fritz 21 ist die sogenannte Style Engine mit animierten Spielertypen. Anstatt immer nur die nach der Engine ermittelte beste Entscheidung anzustreben, können sich gewisse Parameter einstellen lassen, die den Spielstil prägen. So kann man sich in der Theorie einstellen lassen, ob man einem Endspielkenner, Taktikfuchs oder Eröffnungsexperten gegenübersitzen möchte.

Obwohl ich die Parameter und deren Wahrheitsgehalt nicht bewerten kann, zeigt die Engine durchaus Tendenzen in gewissen Partiephasen bzw. kritischen Momenten. Für das häusliche Training durchaus interessant und auch für das gesamte Spielerlebnis durchaus spaßig. Die Grundidee hier liegt darin, das Training gegen Fritz im Idealfall dem Spielstil eines künftigen Gegners anpassen zu können, um die Entscheidungen in der Vorbereitung möglichst realitätsgetreu abbilden zu können.

Auf den ersten Blick sind auch die verschiedenen VIP-Spieler wie Lasker, Fischer oder Tal sehr ansprechend, da sie sich entsprechend der Bewertung Reaktionen zeigen. Manchmal weiß man jedoch nicht, inwieweit der Schock in Laskers Augen ein Anzeichen von Genie oder Wahnsinn ist.

Hier zeigen sich immer wieder anfängliche Probleme, die mit solch generierten Bildern einhergehen. Sie wirken manchmal etwas aus dem Kontext gerissen und sind nicht frei von wirren Zuckungen. Insgesamt aber eine sehr nette Ergänzung, die schon Spaß macht, wenn man sich an die Macken gewöhnt hat.

Was jedoch mehr ins Gewicht fällt ist, dass bei der Kommentarfunktion, die während des Spielens in Echtzeit Feedback liefert, mitunter seltsame Fehler entstehen. So wollte mir Herr Lasker die folgende Stellung als ein Abspiel aus der Damenindischen Verteidigung verkaufen.



Laut Lasker die Bogoljubow-Variante der Damenindischen Verteidigung

Modernisierte Benutzeroberfläche – Weniger Ballast, mehr Übersicht

Ein Kritikpunkt früherer Fritz-Versionen war die mit den Jahren gewachsene Benutzeroberfläche. Über Jahrzehnte hinweg kamen immer neue Funktionen hinzu, sodass Menüs teilweise überladen wirkten und Einsteiger Schwierigkeiten hatten, die wichtigsten Werkzeuge schnell zu finden.

Fritz 21 erweitert die visuelle Palette, sodass noch mehr Individualisierungen möglich sind. Wie kürzlich bei der Interview-Reihe bei ChessBase zu erkennen war, bevorzugen verschiedene Spieler unterschiedliche Brettfarben und Layouts in Chessbase. Nun kann man hier noch weitere Einstellungen vornehmen und sich das häusliche Training farblich so gestalten, wie man es möchte.

Auch die Aufmachung wirkt deutlich „cooler“ und zielt hier auf jüngeres Publikum ab.

Neue Bestwertung

Mit dem Zugewinn von 40 ELO-Punkten heben die Programmierer die Spielstärke der Engine nochmal deutlich an und erreicht satte 3620 ELO! In Partien mit uns Sterblichen gleicht das einem Overkill, für die häusliche Analyse und den Vergleich mit anderen Engines kann es mitunter schon ausschlaggeben sein. In jedem Fall ein Mehrwert.

Bullet- und Blitztraining – Entscheidungen unter Zeitdruck

Eine weitere interessante Erweiterung betrifft das Training unter bestimmten Zeitkontrollen. Mit der Verlagerung des Schachspiels hin zu kürzeren Zeitkontrollen, nicht nur angestoßen durch die Äußerungen des ehemaligen Weltmeisters Magnus Carlsen, bedarf es auch in diesem Bereich gezielt eines Trainingsregiments.

Das Bullet-Training finde ich persönlich sehr interessant, da die Engine unter bestimmten Einstellungen menschlicher zu spielen scheint und nicht ganz unfehlbar ist, was taktische Fehler betrifft.

Ich bin FRITZ und definiere die Schachwelt seit über 30 Jahren neu.
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Verbesserte Analysefunktionen – Effizienter statt spektakulärer

Auch im Bereich der Partieanalyse setzt Fritz 21 auf gezielte Weiterentwicklungen. Neben der Monte-Carlo-Analyse, die ich bereits in meiner Rezension zu ChessBase´26 untersucht hatte, kann man entscheiden, ob man eine Vollanalyse haben möchte oder einen Schwerpunkt auf taktische Fehler setzen will. Man kann zudem einen Analysevergleich starten und die Resultate verschiedener Engines miteinander vergleichen. Zudem besteht die Möglichkeit, Schlüsselstellungen aus der Analyse für die künftige Verbesserung der Stellungsbehandlung ausspielen zu lassen.

Hier zeigt sich einmal mehr, dass das Programm weniger eine Datenbankverwaltung, sondern vielmehr ein Trainingswerkzeug sein soll, der die Partienachbereitung unterstützen soll.

Taktik- und Visualisierungstraining

Was mir persönlich auch sehr gut gefällt ist, dass das Trainingsmodul für die Variantenberechnung, das Taktik- und Visualisierungstraining zunehmend besser wird. Man kann zwischen folgenden Trainingsfunktionen wählen:

  • Unterstützes Rechentraining
  • Bewertetes Rechentraining
  • Taktisches Rechentraining

Wer noch Hilfe bei der Variantenberechnung sucht, findet unter dem gestützten Rechentraining verschiedene Tipps, um an eine Stellung heranzutreten. Nimmt man das stützende Gerüst zunehmend zurück, will aber auf ein Feedback nicht verzichten, so kann man das bewertete Rechentraining nutzen, welches einem Punkte und Rückmeldungen hinsichtlich starker Züge und Patzer bietet.

Bewertetes Rechentraining – Feedback zur Rechenleistung

Eine weitere Funktion ist, blind die Stellung zu spielen. Dabei werden die Figuren und Bauern ausgeblendet, wodurch man die eigene Visualisierung prüfen kann. Eine Funktion, mit der mich in letzter Zeit austoben durfte und die ich für sinnvoll erachte.

Kritikpunkte und Verbesserungsvorschläge

Trotz der insgesamt überzeugenden Vorstellung bleibt Fritz 21 nicht frei von Kritik.

  • Einige Neuerungen entfalten ihren vollen Nutzen erst in Verbindung mit den Online-Diensten von ChessBase. Nutzer, die ausschließlich offline arbeiten möchten, schöpfen das Potenzial der Software daher nicht vollständig aus.
  • Zudem stellt sich – wie bei jeder kommerziellen Schachsoftware – die Frage nach dem Preis-Leistungs-Verhältnis. Da leistungsstarke Engines kostenlos verfügbar sind, muss der Mehrwert über Komfort, Trainingsqualität und Benutzererlebnis gerechtfertigt werden. Genau hier überzeugt Fritz 21 zwar weitgehend, dennoch wird nicht jeder Nutzer einen ausreichenden Grund für ein Upgrade sehen, insbesondere wenn bereits Fritz 20 oder eine aktuelle ChessBase-Version vorhanden ist.
  • Schließlich bleibt die Style Engine trotz aller Fortschritte eine Simulation. Unterschiedliche Spielcharaktere sind erkennbar, ersetzen aber keinen menschlichen Trainingspartner mit echten psychologischen Entscheidungen und kreativen Ideen.

Nach der ausführlichen Betrachtung der einzelnen Neuerungen und dem Praxistest bleibt eine zentrale Frage. Ist Fritz 21 lediglich ein weiteres Update einer traditionsreichen Schachsoftware oder tatsächlich ein bedeutender Schritt in der Weiterentwicklung digitaler Schachtrainer?

Meine persönliche Antwort fällt differenziert aus. Fritz 21 ist keine Revolution, die das Schachtraining grundlegend verändert. Dafür ist der Markt bereits zu stark durch kostenlose Spitzen-Engines, Onlineplattformen und KI-basierte Trainingsangebote geprägt. Gleichzeitig wäre es jedoch falsch, die neue Version als bloßes Funktionsupdate abzutun. ChessBase hat die Fritz-Reihe an entscheidender Stelle weiterentwickelt: weg vom reinen Analyseprogramm und hin zu einer umfassenderen Trainingsumgebung, die stärker auf die Bedürfnisse des menschlichen Spielers eingeht.

Strategisch denken lernen, kniffliges Gehirnjogging, spannende Wettkampfsituationen, jede Menge Spielspaß und eine gehörige Portion Schachwissen – all das und mehr steckt in diesem ungewöhnlichen Schach-Adventure, das schon vielfach international ausgezei
Mobile Version für iPad / Android nur online über aktuellen Browser. Beiliegende CD nur für Windows OS.
Strategisch denken lernen, kniffliges Gehirnjogging, spannende Wettkampfsituationen, jede Menge Spielspaß und eine gehörige Portion Schachwissen – all das und mehr steckt in diesem ungewöhnlichen Schach-Adventure, das schon vielfach international ausgezeichnet wurde. Mit der jetzt vorliegenden Version 3.0 des prämierten Schachlern programms Fritz & Fertig Folge 1 kann man sich sofort und jederzeit an jedem Rechner, Laptop, Tablet oder iPad mit Internetzugang in’s Schach-Abenteuer stürzen und gemeinsam mit Prinz Fritz und seiner Cousine Bianca Schritt für Schritt alle Schachregeln und viele taktische Motive lernen.

Gerade diese Verschiebung der Perspektive ist meines Erachtens das größte Argument für Fritz 21.

Einige Verbesserungsvorschläge meinerseits wären jedoch eine bessere Integration bzw. Kommunikation zwischen verschiedenen Programmen, wie beispielsweise ChessBase´26, um hier nicht zweigleisig fahren zu müssen, sondern interaktiv zwischen beiden Programmen kommunizieren zu können, sodass Fritz tatsächlich der Trainings- und Analysepartner und ChessBase die verwaltende Software bleibt.

Zudem gibt es eine Funktion, die ich tatsächlich auch in ChessBase´26 bereits länger vermisse: die Möglichkeit, Stellungen hinsichtlich gewisser Kriterien (z.B. Schwierigkeitsstufen bei Aufgaben, etc.) einordnen zu können. Viele Nutzer verwenden die Medaillen, wobei das eher einer Zweckentfremdung gleicht, als einer wirklichen Lösung.

Als Trainer sehe ich Fritz 21 auch als Möglichkeit, Partien hinsichtlich Trainingsthemen zu filtern und aus ihnen Aufgaben aufbereiten zu können. Hier würde sich eine solche Funktion anbieten, beispielsweise einer Stellung bzw. einer Partie in einer Datenbank-Datei einen Wert von 1-5 zuweisen zu können (vielleicht sogar in Form von Schachfiguren). Dies würde erlauben, eigene Partien noch weiter zu sezieren und klare Trainingsinhalte herauszukristallisieren.  

Fazit

Pluspunkte

✓ Persönlicheres Training durch verschiedene Spielstile
✓ Sehr gute Verbindung von Spielen, Analyse und Lernen
✓ Moderne, übersichtlichere Oberfläche
✓ Umfangreiche Trainingsmöglichkeiten
✓ Geeignet für unterschiedliche Spielstärken
✓ Hohe Alltagstauglichkeit

Minuspunkte

✗ Kein revolutionärer Technologiesprung
✗ Einige Funktionen entfalten ihr Potenzial erst mit Online-Diensten
✗ KI-Assistenz neigt zu elementaren Fehlern

Nach mehreren Wochen intensivster Nutzung kann ich für mich festhalten, dass Fritz 21 eine konsequente Weiterentwicklung einer der bekanntesten Schachsoftware-Marken der Welt ist und den Trend, in den die Software mit den letzten Versionen ging, weiterführt. Die größte Leistung von ChessBase besteht nicht darin, eine noch stärkere Engine zu entwickeln, sondern darin, die Rolle der Software neu zu definieren, was mitunter gelingt. Die Funktionen bereichern das häusliche Training und zentralisieren verschiedene Methoden in einer Software.

Fritz 21 positioniert sich klar als persönlicher Schachtrainer, welcher in seine Rolle zunehmend hineinwächst. Auch wenn einige Schwächen verbleiben, gefällt mir persönlich die Richtung sehr, in die man hier geht. Insgesamt freue ich mich auf jeden Fall, mit der neuen Version von Fritz ab sofort mein Training bereichern zu können.

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Lukas Köpl, geboren 1989, ist ein leidenschaftlicher Vereins- und Turnierspieler, der mit aktiver Trainer- und Schiedsrichterlizenz seit mittlerweile über 15 Jahren erfolgreich als Schachtrainer tätig ist. Zu seinem erweiterten Themenfeld zählen journalistische Tätigkeiten für Schachzeitschriften und Verlage sowie die aktive Vereins- und Jugendarbeit. Als Schachspieler vertrat er über die Jahre in diversen Ligen bei mehreren Vereinen das Spitzenbrett.
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