Judit Polgar - Queen of Chess: Heute Premiere bei Netflix

von André Schulz
06.02.2026 – Die Netflix-Miniserie "Queen's Gambit" war eine der meist gesehenen Serien auf Netflix und hat zahlreiche Preise abgeräumt. Jetzt legt der Online-Dienst mit einer Dokumentation über ein Schachthema nach. Judit Polgar war in der wirklichen Welt das, was die fiktive Beth Harmon in der Serie darstellte - eine Königin des Schachs. Heute ist bei Netflix Premiere der Dokumentation. | Fotos: Screenshots Netflix

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Mit dem Thema Schach feierte der Online Filmdienst Netflix vor einigen Jahren einen gigantischen Erfolg. Die Miniserie "Queen's Gambit", oder auf Deutsch: Damengambit, setzte den Walter Tevis gleichnamigen Roman von 1983 auf ganz hervorragende Weise filmisch um und sorgte beim durchaus jungen Publikum für einen wahren Schachboom. Die Heldin Beth Harmon war, ungeachtet ihrer zwischenzeitlichen Alkohol- und Drogenprobleme, eine Figur, mit der man sich gut identifizieren konnte. Die Serie zeigt in vielen realistischen Details den Aufstieg des fiktiven weiblichen Charakters vom Waisenkind, das Halt im Schach sucht, bis zum finalen Wettkampf mit dem männlichen Schach-Weltmeister nach. 

Die mächtigste Figur im Schachspiel ist zwar die Dame, oder Königin, aber in der Welt des Schachs spielen Frauen eher keine herausragende Rolle. Der Anteil der Spielerinnen in der Welt der Schachturniere ist deutlich geringer und im Vergleich der besten Männer und Frauen in Bezug auf die Spielstärke schneiden die Männer deutlich besser ab. Warum das so ist, weiß man nicht. Es gibt unterschiedliche Erklärungsmodelle und es gibt eine große Ausnahme in der Geschichte des Schachs: Judit Polgar. 

Als Walter Tevis, der sich selber einige Zeit im Turnierschach versuchte und die Szene gut kannte, Anfang der 1980er Jahre eine Frau als Heldin für einen Schachroman wählte, konnte er noch nicht ahnen, dass im fernen Ungarn gerade ein Mädchen im Begriff war, sich zu der herausragenden Spielerin zu entwickeln, die Tevis sich in seiner Phantasie ausgedacht hatte - wenn auch nicht auf dem Weg, den Walter Tevis skizzierte.

In der neuen Netflix-Dokumentation "Queen of Chess", der heute, am 6. Februar 2026 seine Premiere hatte, wird der Lebensweg von Judit Polgar nachgezeichnet, der ganz anders ist, als der von Beth Harmon.

Die Dokumentation beginnt etwas überraschend mit einer Art Vorspann, in dem zuerst Garry Kasparov als Weltmeister vorgestellt wird. Dann wechselt der Film zu Judit Polgar, um schließlich mit dem kommenden Geschlechterkampf zwischen dem Weltmeister und der besten Frau im Schach, Judit Polgar, Spannung zu erzeugen. 

Danach wird die Geschichte der Familie Polgar mit ihren drei Töchtern erzählt. Die Familie lebte in den 1970er Jahren im tristen kommunistischen Budapest und Laszlo Polgar wollte seinen Töchtern eine bessere Zukunft ermöglichen. Er wollte sie zu Genies machen.

Dafür studierte Laszlo Polgar die Lebensgeschichte von Genies auf verschiedenen Gebieten und kam zu der Erkenntnis, dass der frühe Beginn, sich mit einem Gebiet zu beschäftigen und unaufhörlich ständige Arbeit auf diesem Gebiert entscheidend waren. Die Mutter Klara ging diesen Weg mit und die Polgars entschieden sich für das Schachspiels als Gebiet, auf dem die drei Töchter herausragend werden sollte. Warum Schach? Schach war billig!

Klara Polgar

Also lernten Zsuzsa (geboren 1969), Zsofia (*1974) und Judt (*1976) schon in ganzen jungen Jahren Schach. Im Alter von fünf Jahren begannen sie, sich intensiv mit den Geheimnissen des Spiels zu beschäftigen, acht bis zehn Stunden am Tag. Schule hielte das Ehepaar Polgar für Zeitverschwendung und unterrichteten ihre Töchter zuhause.

Laszlo Polgar bastelte für seine Töchter eine vordigitale Schachdatenbank mit Karteikarten zu Eröffnungen, Taktik, Endspielen etc. 

Als erste der drei Töchter war Zsuzsa Polgar erfolgreich. Sie wurde schließlich die beste Frau im Schach und Weltmeisterin der Frauen. Zsofia wurde ebenfalls eine starke Schachspielerin, aber nicht ganz so gut wie ihre ältere Schwester. Judit Polgar folgte dem Weg ihrer älteren Schwestern und übertraf an Spielstärke auch Zsuzsa Polgar. Anders als ihre ältere Schwester nahm Judit Polgar nicht an Mädchen- und Frauenturnieren teil. Sie wollte sich nur mit der stärkeren männlichen Konkurrenz messen.

Judit Polgar wurde zweimal Jugendweltmeisterin (im offenen Wettbewerb) und erhiel mit 15 Jahren den absoluten Großmeistertitel, einen Monat früher als Bobby Fischer, der bis dahin den Rekord als jüngster Großmeister aller Zeiten hielt. 

Bald war Garry Kasparov Judit Polgars großes Vorbild und sie wünschte sich, einmal gegen den Weltmeister spielen zu dürfen. Schließlich war es soweit. Die 18-jährige Judit Polgar wurde 1994 nach Linares eingeladen und spielte dort auch gegen den Weltmeister. Allerdings gab es einen Skandal. Kasparov hatte in einem Zug eine Figur gezogen, sie losgelassen, dann aber einen anderen Zug ausgeführt, was nicht regelgerecht war. Judit Polgar protestierte nicht, da niemand sonst es offenbar gesehen hatte. Nachher stellte sich aber heraus, dass der Vorgang von einer unbewachten Kamera aufgezeichnet worden war.

In den nächsten Jahren gab es noch mehrere Duelle zwischen dem Weltmeister und Judit Polgar. Einige Male konnte die beste Frau der Welt die Partien remis halten, einige Partien verlor sie. 2002 war es dann endlich soweit. Beim Vergleich Russland gegen den Rest der Welt gelang Judit Polgar ein Sieg gegen Kasparov, wenn auch nur im Schnellschach. Aber immerhin: Zum ersten Mal konnte eine Frau im Schach gegen den Weltmeister gewinnen.

Bald gehörte Judit Polgar zu den besten Spielern der Welt, spielte um die absolute Weltmeisterschaft mit erreichte mit einer Elozahl über 2700 (Juli 2005: 2735) die Top Ten der Weltrangliste.

Der Film erzählt die Geschichte von Judit Polgar im schnellen Wechsel der Bilder mit vielen Illustrationen, Grafiken, alten Fotos, alten und neuen Filmaufnahmen von Judit Polgar, ihren Schwestern und Eltern und ihren Erinnerungen sowie mit vielen Kommentaren und Statements von bekannten Personen aus dem Schachleben, darunter auch Garry Kasparov selbst, der sich sehr anerkennend über Judit Polgar äußert. Der Vergleich mit Kasparov ist dabei der dramaturgische rote Faden des Films, verbunden mit der Botschaft, dass auch Frauen im Schach in der absoluten Weltspitze mithalten können.

In diesem Videokurs untersuchen Experten die Partien von Judit Polgar. Lassen Sie sich von ihnen zeigen, welche Eröffnungen Polgar wählte, wo ihre Stärken im Mittelspiel lagen oder wie sie ihre Gegner im Endspiel überspielte.

Trailer:


André Schulz, seit 1991 bei ChessBase, ist seit 1997 der Redakteur der deutschsprachigen ChessBase Schachnachrichten-Seite.
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