Magnus Carlsen wird "Global Ambassador" für Glücksspielanbieter Unibet

von Johannes Fischer
30.01.2020 – Magnus Carlsen geht unter die Zocker. Auf einer Pressekonferenz in Stockholm verkündete er seine Zusammenarbeit mit Unibet, einem Anbieter für Sportwetten, Online Casinos, Online Bingo und Online Poker. 2020 und 2021 fungiert Carlsen als "Global Ambassador" für den Glücksspielanbieter, der in den kommenden zwei Jahren Carlsens Hauptsponsor sein wird. | Foto: Screenshot der Pressekonferenz

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Die Pressekonferenz

Carlsens Zusammenarbeit mit Unibet, die jetzt öffentlich gemacht wurde, hat eine Vorgeschichte. Denn Unibet ist eine Tochterfirma der in Malta registrierten Kindred Group, die dem Norwegischen Schachverband letztes Jahr das Angebot gemacht hatte, den Verband mit 5 Millionen Euro verteilt auf fünf Jahre zu unterstützen. Im Gegenzug sollte der Verband sich dafür stark machen, dass der norwegische Markt für internationale Wettanbieter geöffnet wird. Bislang sind Wettangebote in Norwegen ausschließlich in staatlicher Hand.

Carlsen hatte sich dafür eingesetzt, dass der Norwegische Verband dieses Angebot annimmt und sogar einen eigenen Verein namens Offerspill gegründet, um mehr Einfluss im Schachverband zu bekommen. Doch nach kontroversen Debatten lehnte der Norwegische Schachverband die Offerte von Kindred ab, worauf Carlsen seinen Austritt aus dem Schachverband verkündete.

Kindred musste daraufhin auf die Unterstützung des Norwegischen Schachverbands verzichten, aber unterstützt jetzt nicht nur Carlsens Verein Offerspill sondern durch Unibet auch Carlsen selbst.

Auf der Pressekonferenz erklärte Carlsen, dass er sich "schon lange Zeit über eine Zusammenarbeit mit Unibet" gefreut habe, und erklärte, er würde viele Gemeinsamkeiten zwischen sich und seinem zukünftigen Sponsor sehen: "Wir teilen viele gemeinsame Werte und Interessen, zum Beispiel einen analytischen Zugang zu Spielen."

Die Zusammenarbeit mit Unibet richtet sich explizit an ein globales Publikum. Und auf Nachfrage erklärte Carlsen während der Pressekonferenz, dass er sich in Norwegen "entsprechend den norwegischen Gesetzen" nicht für Unibet einsetzen werde.

Video der Pressekonferenz

In einem Tweet bekräftigte Carlsen anschließend noch einmal seine Begeisterung für diese Zusammenarbeit und präsentierte zugleich einen Werbefilm, den Unibet mit ihm gedreht hat.

 

 

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Johannes Fischer, Jahrgang 1963, ist FIDE-Meister und hat in Frankfurt am Main Literaturwissenschaft studiert. Er lebt und arbeitet in Nürnberg als Übersetzer, Redakteur und Autor. Er schreibt regelmäßig für KARL und veröffentlicht auf seinem eigenen Blog Schöner Schein "Notizen über Film, Literatur und Schach".
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flachspieler flachspieler 03.02.2020 01:14
Ich finde es nicht okay, dass Carlsen Werbung für Online-Wetten macht. Ich finde es auch nicht okay, dass Leute wie Oliver Kahn oder Stefan Effenberg Werbung für Online-Wetten machen oder gemacht haben. Ich habe mitbekommen, wie Menschen, die ihr Wettverlangen nicht im Griff hatten, damit ihre Familien finanziell ruiniert haben.

Wie Magnus Carlsen liebe ich analytische Zugänge von Spielen. Vor etlichen Jahren kam (deshalb?) mal ein Bundestagsabgeordneter, dessen Partei Lobbyarbeit für die deutsche Spielautomaten-Industrie (Gauselmann und Co) machte, zu mir und fragte, ob ich Interesse hätte, eine Studie über mathematische Aspekte von Glücksspielen zu verfassen. Das Geld hätte mein Lehrstuhl als Drittmittel gut gebrauchen können, aber ich hätte mich nicht wohl dabei gefühlt und habe deshalb abgelehnt.

Ingo Althöfer.
hodgkin hodgkin 03.02.2020 09:10
Ich finde alles okay, die Welt ist wie sie ist. Was witzig ist, dass einzelne Meinungen hier im Forum aufgepauscht werden, und manche so tun als ob viele dahinter stehen, und diese einzelnen Meinungen bis aufs Blut bekämpft werden müssen, um ja nicht den Eindruck zu hinterlassen, dass da viele dahinter stehen. So gibt es eine wahre Schlacht von Argumenten aus zwei unterscheidlichen Lagern. Das ist wie mit gut und böse, dass es in Wirklichkeit nicht gibt. Es "ist" nur, ob etwas gut oder schlecht ist, beurteilt der Betroffene, objektiv ist das in der Gesamtheit nie.
michanizm michanizm 02.02.2020 08:55
Doppelmoral und Heuchelei

Oliver Kahn macht Werbung für Tipico. Der DFB hat sich bwin als Werbepartner ausgesucht. Findet DAS denn irgendjemand anstößig? Wird so akzeptiert wie es ist. Aber wenn Carlsen für Online-Wetten Werbung macht, ist das auf einmal nicht in Ordnung. Entweder ist alles in gleicher Weise anstößig, oder alles in gleicher Weise akzeptabel. Aber bitte nicht hier so und da so.
LionJo LionJo 01.02.2020 10:48
Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft wirbt seit vielen Jahren intensiv für Bier. Alkoholmissbrauch hat weitaus verheerendere Wirkungen als das exzessive Zocken im Internet, mit dem man sich letztlich nur selbst schädigen kann. Der designierte Vorstandsvorsitzende von Bayern München, Oliver Kahn, wirbt im Übrigen seit vielen Jahren für einen Onlinewettanbieter, ohne dass das besonders kritisiert wird. Für die meisten Menschen ist gelegentlicher Alkoholkonsum oder das gelegentliche Zocken nur Ausdruck einer individuellen Freiheit. Dies mal für alle selbsternannten Moralapostel, die in ihrem eigenen Leben sicherlich noch nie eine Entscheidung aus finanziellen Motiven getroffen haben.

Im Übrigen ist kein Mensch auf der Welt eine leere Hülle. Jeder Mensch hat eben eine andere Persönlichkeit. Wenn man wissen will, was jemand sagt, muss man halt zuhören. Und nicht nur dann, wenn einer das sagt, was man selbst hören will.
MARIO1962 MARIO1962 31.01.2020 05:50
Ich wusste es.. Keine Moral, kein Charisma, rennt der Kohle hinterher. Ausser Schach eine leere Hülle. Reine Zeitverschwendung, weil zu sagen hat er nix. Aber das scheint egal zu sein , solange er die Zeilen füllt.Dieser Hype ist unerträglich.
Und nicht zu vergessen , die Suchtgefahr sollte man nicht wegdiskutieren , die ist nicht von Pappe.
Und der analytische Ansatz beim Onlinezocken erschliesst sich mir nicht, aber ich bin ja auch kein GM
Chris69 Chris69 31.01.2020 01:14
Einfach nur beschämend.
maxmurdoch maxmurdoch 31.01.2020 09:37
Da ist der olle Carlsen auch so schon materiell bestens gestellt obwohl es sich um Schach und nicht Fußball handelt, da kriegt er dann doch den Hals immer noch nicht voll und vertickt seine Seele an den Zockerteufel. Eine liederlichere Branche ist nicht so leicht zu finden.

Jetzt weilt er also unter den zivilisationszersetzenden Drogendealern. Ein Kind unserer Zeit: prinzipienlos, degeneriert, eigensüchtig, realitätsfern. Das inzwischen wohl schon dudenfähige Wort "geil" sagt ja schon alles über den heutigen Zeitgeist.

Vielleicht geh ich ihm während des Grenke mal damit auf den norske Kekseren :-))
flachspieler flachspieler 30.01.2020 09:08
Zitat Carlsen: "Wir teilen viele gemeinsame Werte und Interessen,
zum Beispiel einen analytischen Zugang zu Spielen."

In meinen Augen peinlich.
Ich interessiere mich zwar auch für analytische Zugänge zu
Spielen, würde aber nie für eine Firma werben, die Onlinewetten
anbietet.

Ingo Althöfer.
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