New York 1924, Runde 6: denkwürdiges Remis zwischen Lasker und Lasker

von Klaus Besenthal
09.05.2020 – Über diese Partie wird man womöglich noch in hundert Jahren reden! Der frühere Weltmeister Emanuel Lasker und sein nach Amerika ausgewanderter Vetter Edward Lasker haben sich beim New Yorker Turnier einen packenden, 103 Züge langen Kampf geliefert, der nach wechselvollem Verlauf schließlich unentschieden endete: Wie von Zauberhand konnte Emanuel Lasker mit einem Springer, seinem letzten verbliebenen Stein, gegen die vermeintliche Übermacht von Turm und Bauer das Remis festhalten. Eine brillante Idee hatte in der 6. Runde zudem Weltmeister Capablanca, als er mit einem erstaunlichen Königsmarsch sein Turmendspiel gegen Tartakower gewinnen konnte.

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New York International Masters 1924

Emanuel Lasker ist eigentlich ein stärkerer Schachspieler als sein entfernter Vetter Eduard, der nach Amerika ausgewandert ist, die Staatsbürgerschaft der Vereinigten Staaten angenommen hat und sich seither "Edward" nennt. Dafür ist Edward vielseitiger: Als junger Mann hat er in Deutschland Mathematik, Ingenieurwissenschaft und Elektrotechnik studiert; zurzeit, das hat er uns verraten, beschäftigt er sich mit der revolutionär anmutenden Entwicklung eines elektrischen Apparats zum Abpumpen von Muttermilch. Sollte er damit Erfolg haben, dann könnte er mit seiner Erfindung dank des riesigen Marktes in Amerika rasch zum reichen Mann werden - daran kann kein Zweifel bestehen. Beim Turnier in New York zeigte Edward aber in der Partie gegen Emanuel zunächst einmal, was auch auf dem Gebiet des Schachspiels in ihm steckt: Nach großem, unerschrockenem Kampf stand er ganz dicht vor dem Partiegewinn, als dem früheren Weltmeister schließlich doch noch eine studienhafte Rettung gelang.

 

Edward Lasker

Bestens erholt von der zuvor gegen Richard Réti erlittenen Niederlage präsentierte sich Weltmeister Capablanca in seiner Partie gegen Doktor Tartakower. Nach einem Fehler Tartakowers ging Capablanca ins Turmendspiel über und fand dort schließlich ein geniales Königsmanöver, das ihm den Sieg sichern sollte, ohne dass er auf seinen Bestand an Bauern noch hätte Rücksicht nehmen müssen.

 

José Raúl Capablanca

Das war aber noch nicht alles, was an großartigen Partien geboten wurde. Ganz stark war auch der Sieg von Aljechin gegen Janowski: Schon nach gut zehn Zügen war Janowski regelrecht paralysiert und konnte dem auf ihn zurollenden Angriff Aljechins nur noch tatenlos zusehen.

 

Alexander Aljechin

Richard Réti konnte nach seinem Sieg gegen Capablanca in der 5. Runde gleich noch einmal gewinnen:

 

Richard Réti

Ergebnisse der 6. Runde

Réti 1:0 Yates

Maroczy 1:0 Marshall

Em. Lasker ½:½ Ed. Lasker

Capablanca 1:0 Tartakower

Aljechin 1:0 Janowski

Tabelle nach der 6. Runde

 

Partien

 

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Klaus Besenthal ist ausgebildeter Informatiker und ein begeisterter Hamburger Schachspieler. Die Schachszene verfolgt er schon seit 1972 und nimmt fast ebenso lange regelmäßig selber an Schachturnieren teil.

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