Nach einer ersten Runde mit drei eindeutigen Ergebnissen endeten alle vier Partien der zweiten Runde des Kandidatenturniers in Zypern unentschieden. Die Ergebnisse änderten nichts an der Tabellenführung: Fabiano Caruana, Praggnanandhaa Rameshbabu und Javokhir Sindarov teilen sich mit jeweils 1,5 Punkten die Spitze.
In der nächsten Runde kommt es zum direkten Aufeinandertreffen von zwei Spielern aus dem Spitzentrio: Praggnanandhaa trifft mit Weiß auf Sindarov, während Caruana ebenfalls mit Weiß gegen Wei Yi antritt. Wei und Matthias Bluebaum sind die einzigen Spieler, die noch keine entschiedene Partie bestritten haben. Beide stehen demnach mit zwei Remis bei einem Punkt. Hikaru Nakamura, Anish Giri und Andrey Esipenko haben nach ihren Niederlagen in der ersten Runde 0,5 Punkte aus 2 Runden.
Die vier Remis belegen das hohe Vorbereitungsniveau der Spieler. Einige wählten weniger bekannte Nebenvarianten, um ihre Gegner zu überraschen, während andere – insbesondere mit den schwarzen Steinen – defensivere Aufstellungen wählten, um frühen Druck zu neutralisieren. Die Partien blieben über die gesamte Spieldauer weitgehend ausgeglichen, und es gab keine verpassten klaren Gewinnchancen.
Ergebnisse Runde 2:

Das Live-Publikum sitzt ganz nah am Geschehen. | Foto: FIDE / Yoav Nis
Die bislang einzige klassische Partie zwischen den beiden Kontrahenten hatte Sindarov kürzlich in Wijk aan Zee gewonnen.
In der Partie zwischen Bluebaum und Sindarov wählte Bluebaum mit Schwarz die Russische Verteidigung. Anstatt aggressiv auf einen zweiten Sieg in Folge zu spielen, vermied Sindarov riskante Fortsetzungen – eine Herangehensweise, die die Aufmerksamkeit des Kommentators Peter Svidler auf sich zog. Dieser meinte, Sindarovs Fähigkeit, komplexe Stellungen zu meistern, hätte durchaus zu einer ambitionierteren Strategie gepasst.
Obwohl der usbekische Großmeister im Mittelspiel die Initiative ergreifen konnte, behielt Bluebaum die Kontrolle und erreichte in seiner ersten Partie mit den schwarzen Steinen ein relativ komfortables Remis.

Punkteteilung besiegelt. | Foto: Yoav Nis
Esipenko wartet weiter auf seinen ersten klassischen Sieg gegen Nakamura.
Zum zweiten Mal in Folge war Nakamura in die längste Partie der Runde verwickelt. Nach der schmerzhaften Niederlage gegen Caruana in der ersten Runde spielte der topgesetzte Nakamura erneut mit Schwarz, diesmal gegen Esipenko. Esipenkos gute Eröffnungsvorbereitung ermöglichte ihm, sich im Mittelspiel einen kleinen, aber stabilen Vorteil zu sichern.
Nakamura, der für sein technisches Können bekannt ist, wählte einen pragmatischen Ansatz, indem er die Stellung trotz eines Bauern weniger zu einem Turmendspiel vereinfachte.
Der mehrfache US-Meister demonstrierte anschließend eine präzise Defensivtechnik, um die Stellung zu halten und das Remis anzusteuern, wodurch er sein Turnier nicht mit einem kompletten Fehlstart beginnt.

Andrey Esipenko gegen Hikaru Nakamura. | Foto: FIDE / Michal Walusza
Zuvor gab es in drei klassischen Partien drei Remis zwischen den beiden Kandidaten.
Der einzige Spieler, der mit den schwarzen Steinen einen Vorteil erzielen konnte, war Praggnanandhaa, der in seiner Partie gegen Wei die Französische Verteidigung spielte. Der junge Inder erarbeitete sich einen deutlichen Zeitvorteil und konnte am Brett die Initiative ergreifen.
Doch wie schon in seiner Erstrundenpartie verließ sich der erfahrene Chinese auf konkrete Berechnungen, um die Komplikationen zu bewältigen. Wei neutralisierte den Druck nach und nach und lenkte die Partie schließlich in den Remishafen.
Auch am zweiten Tag in Folge hatte Wei in der Eröffnungsphase Schwierigkeiten, kam aber dank seiner strategischen Vorgehensweise unbeschadet davon.

Ein großer Rechner: Wei Yi | Foto: FIDE / Yoav Nis
In der 44. Partie gab es da 34. Remis zwischen diesen beiden erfahrenen Kandidatenturnierteilnehmern.
Die kürzeste Partie der Runde fand zwischen Giri und Caruana statt. Caruana, der mit Schwarz spielte, wählte einen ungewöhnlichen dritten Zug, möglicherweise um seinen Gegner frühzeitig aus der Vorbereitung zu bringen. Giri, einer der stärksten Theoretiker der Weltspitze, reagierte jedoch präzise und nutzte die etwas fragwürdige Entscheidung optimal.
Caruana musste präzise spielen, um den Ausgleich zu erzielen, was ihm auch gelang.
Eine Reihe von Vereinfachungen ab dem 17. Zug, führte zu einem völlig ausgeglichenen Endspiel, und die Spieler einigten sich bald auf ein Remis.

Langjährige Rivalen und Kollegen – Anish Giri und Fabiano Caruana direkt nach dem vereinbarten Remis in ihrer Zweitrundenpartie | Foto: FIDE / Michal Walusza