Magnus Carlsen: Mit Selbstvertrauen an die Spitze

von Johannes Fischer
06.06.2018 – Auf der Webseite Inc.com verraten Spitzenleute, wie sie Spitzenleistungen bringen. Mit dabei ist Schachweltmeister Magnus Carlsen. Sein Erfolgsgeheimnis: Selbstvertrauen. Carlsen verrät, warum es gut ist, an sich zu glauben, gibt zu, dass er Niederlagen nicht mag und erzählt, wie er mit ihnen umgeht. | Foto: Screenshot, Inc.com Video

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Erfolgsgeheimnis Selbstvertrauen

In einem knapp dreieinhalb Minuten langen Video blickt Carlsen auf seine Karriere zurück, und verrät, dass er erst mit 17 Jahren wirkliches Vertrauen in sich und sein Schach hatte. Vorher, so Carlsen, hatte er oft zu viel Respekt vor seinen Gegnern – und hat so manche gute Chance verpasst, weil er seinen eigenen Bewertungen nicht traute und oft viel zu lange nachgedacht hat. Als Beispiel nennt er die Partie, die er 2004, als 13-jähriger gegen Garry Kasparov gespielt hat.

 

Mittlerweile scheint Carlsen eher zu selbstbewusst zu sein und manchmal spielt er, als ob er glaubt, er könnte sich (fast) alles erlauben. In Runde 6 des Altibox Norway Chess Turniers hat Carlsen nach einem sehr guten Start in das Turnier gegen Wesley So verloren, das erste Mal in seiner Karriere. "Ich kann mich nicht daran erinnern, dass So je auch nur in die Nähe eines Sieges gegen mich gekommen ist. Wenn ich ein Remis will, dann bekomme ich das oft leicht", hatte Carlsen einen Tag vor der Partie noch erklärt.

So spielte Carlsen dann auch. Er verzichtete in der Eröffnung auf die Fortsetzung, die Schwarz nach Meinung der Theorie Ausgleich verspricht, sondern versuchte, das Spiel zu verschärfen, geriet in Nachteil und wurde überzeugend überspielt.

Natürlich kann man Carlsen angesichts dieser Partie im Nachhinein Hochmut vorwerfen. Aber wie er selbst im Video sagt: „Es ist besser, sich ein paar Mal die Finger zu verbrennen, als die eigenen Entscheidungen immer wieder in Frage zu stellen und zu kritisieren.“

In Runde sieben hätte Carlsen gegen Ding Liren spielen sollen, aber hatte nach dem Rückzug des Chinesen, der sich bei einem Fahrradunfall die Hüfte gebrochen hatte, spielfrei. Doch man darf gespannt sein, wie Carlsen auf die Niederlage gegen So reagiert und die letzten beiden Runden des Turniers angeht. Im Video gibt Carlsen zu, ein schlechter Verlierer zu sein:

"Ich war nie gut im Verlieren. Ich hasse es, zu verlieren und ich kann nicht besonders gut damit umgehen. Ich denke dann immer, ‚Ja’, ich sollte besser darin werden, nicht zu verlieren, statt zu lernen, besser mit Niederlagen umzugehen."

In Runde acht des Norway Chess Turniers spielt Carlsen gegen Shakhriyar Mamedyarov. Mit Weiß.

Zum Video: Magnus Carlsen Explains His Rule for Getting to the Top...

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Johannes Fischer, Jahrgang 1963, ist FIDE-Meister und hat in Frankfurt am Main Literaturwissenschaft studiert. Er lebt und arbeitet in Nürnberg als Übersetzer, Redakteur und Autor. Er schreibt regelmäßig für KARL und veröffentlicht auf seinem eigenen Blog Schöner Schein "Notizen über Film, Literatur und Schach".
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