18.01.2026 – Das Tata Steel Chess Tournament 2026 begann am 17.1.26 aufgrund einer Demonstration vor dem Spielort mit einer Verzögerung von 1,5 Stunden im niederländischen Wijk aan Zee. Kaum waren die Partien im Masters- und Challengers- Turnier gestartet, da stand auch schon ein Ergebnis fest: Hans Niemann siegte in nur 16 Zügen gegen Vladimir Fedoseev. Früh endete auch die Partie zwischen Vincent Keymer und Anish Giri. Durch eine Taktik wurde die Partie zugunsten von Keymer entschieden. Ein Highlight: World Cup Sieger Javokhir Sindarov erkämpfte sich ein Remis mit Weltmeister Gukesh. | Foto: Lennart Ootes/ Jurrian Hoefsmit, Tata Steel Chess 2026
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Verzögerung des Turnierbeginns: Demonstrationen vor der Tür von Tata Steel Chess 2026
Als die erste Runde des Turniers hätte starten sollen, kam stattdessen die Nachricht der Turnierleitung, dass sich der Rundenbeginn aufgrund von Demonstrationen in der Nähe des Spielortes verzögern wird.
𝗨𝗽𝗱𝗮𝘁𝗲 𝗧𝗮𝘁𝗮 𝗦𝘁𝗲𝗲𝗹 𝗖𝗵𝗲𝘀𝘀 𝗧𝗼𝘂𝗿𝗻𝗮𝗺𝗲𝗻𝘁 𝟮𝟬𝟮𝟲
The start of Round 1 has been delayed due to demonstrations near the playing venue. In consultation with local authorities, play has been postponed to ensure everyone’s safety.
Further updates will follow
— Tata Steel Chess Tournament (@tatasteelchess) January 17, 2026
Laut Kennemeer Dagblad handelte es sich um eine Demonstration von Extinction Rebellion und eine Gegendemonstration von Sluiswacht IJmuiden. Extinction Rebellion demonstrierte gegen den Hauptsponsor des Turniers (u.a. laut Augenzeugenberichten durch das Abladen von Kohle vor dem Haupteingang), während Sluiswacht IJmuiden sich auf der eigenen Website das Ziel gibt, Extinction Rebellion bei Aktionen um Schleusen für Kreuzfahrtsschiffe im Weg zu stehen ("Sluiswacht" im Sinne von "Schleusenwache"). Hier wurde das Aktionsgebiet am Samstag wohl auf das Schachturnier ausgeweitet.
Ab 15:30 Uhr konnten die Partien mit einer Verzögerung von 1,5h aufgenommen werden.
Wijk aan Zee 2026: Masters
Die schnellste Partie: Hans Niemann besiegt Vladimir Fedoseev in 16 Zügen
Bis zum ersten Ergebnis der Runde dauerte es nicht lang. Kaum wurden die Runden in Wijk aan Zee freigegeben, da stand das erste Ergebnis bereits fest. Nach nur 16 Zügen musste Vladimir Fedoseev gegen Hans Niemann aufgeben. Fedoseev hatte versucht taktisch einen Bauern zu gewinnen und hatte wohl die Ressourcen von Weiß übersehen.
Hatte einen glücklichen Start ins Turnier: Hans Niemann kann trotz verzögertem Rundenbeginn früh zum Abendessen gehen. | Foto: Lennart Ootes/ Jurrian Hoefsmit, Tata Steel Chess 2026
Hans Niemann vs. Vladimir Fedoseev: Kommentar von GM Karsten Müller
Das Damengambit (1.d4 d5 2.c4) ist die am häufigsten gespielte Variante einer Damenbauer-Eröffnung. Wann man den Bauern wieder zurückgibt und wie man den Zeitaufwand des Weißspielers am besten ausnutzen kann, erfährt man auf dieser DVD.
Vincent Keymer besiegt Kandidatenturnier-Spieler Anish Giri
Auch am Brett von Vincent Keymer gegen Anish Giri kam die Entscheidung überraschend schnell. Auch hier wurde die Partie durch eine Taktik entschieden. Auch in einer Partie zwischen der Nummer 4 der Weltrangliste und einem der Spieler des Kandidatenturniers können taktische Fehler eine Partie verfrüht beenden.
Die Partie begann in einem angenommenen Damengambit und verlief ausgeglichen bis zu Zug 21.
Mit dieser Stellung könnte Schwarz noch weiterspielen, dramatischer war Giris Antwort auf 22.Sa5 von Keymer. Es folgte 22...Lxd4. Es scheint so, dass der Bauer auf d4 nicht mehr durch den Springer gedeckt wird seitdem dieser an den Rand gezogen wurde. Hierbei übersah Giri jedoch den Grund dafür, weshalb Keymer den Bauern abgeben wollte.
Keymer hatte einen entspannten Start in das Turnier | Foto: Lennart Ootes/ Jurrian Hoefsmit, Tata Steel Chess 2026
Dieser Videokurs enthält GM Anish Giris tiefe Einblicke und IM Sagar Shahs sachdienliche Fragen an den Super-GM. In Band 1 werden alle Eröffnungen nach 1.e4 behandelt.
Praggnanandhaa verliert Rochademöglichkeit und Partie
Im ChessBase India Live-Kommentar waren sich Sagar Shah, Amruta Mokal und Soumya Swaminathan einig, die Partie zwischen Arjun Erigaisi und Praggnanandhaa wie folgt zu beschreiben: Diese Partie sei ein Paradebeispiel dafür, wie wichtig die Rochade ist. Letztendlich verlor Praggnanandhaa die Partie, weil sein König durch die fehlende Möglichkeit zur Rochade zu schwach stand und sein Gegner dies ausnutzen konnte.
Matthias Blübaum remisiert mit Schwarz gegen Aravindh
Die Partie zwischen Matthias Blübaum und Aravindh Chithambaram verlief ohne großes Drama. Es wurde klassisches Katalanisch auf das Brett gezaubert. Blübaum spielte so, dass er einen Läufer auf das Feld c6 bekam.
Nach 10.Lg5 folgte h6 und 11.Lf4 Ld5 und Weiß entschied sich für 12.Dd3. Damit lässt Weiß zu, dass Schwarz die Läufer abtauscht und Weiß einen Doppelbauern auf der f-Linie bekommt und sich die Königsstellung öffnet.
Im Verlauf der Partie zeigte sich, dass Weiß diesen Doppelbauern in Kauf nahm, um nach Kh1 eine offene g-Linie für die eigenen Türme zu bekommen. Die offene g-Linie reichte für Weiß jedoch nicht aus, Schwarz konnte g7 ausreichend verteidigen und die Partie verließ nie den Bereich einer ausgeglichenen Stellung.
Katalanisch gehört zu den Eröffnungen, in denen der Nachziehende wohl leicht ausgleichen kann, aber dennoch im nachfolgenden positionellen Kampf häufig den Kürzeren zieht. Der Grund dafür ist die Tatsache, dass Weißspieler die Gesetze und Spielpläne dieser Eröffnung meistens besser verinnerlicht haben. GM Marin hat mit großer Akribie und Übersicht die einzelnen Varianten unter die Lupe genommen. Wiederum – wie schon bei seiner ersten ChessBase Trainings-CD „Englisch 1.c4 e5“ – sind Hinweise auf mögliche Zugumstellungen und verwandte Varianten – teilweise gar anderer Eröffnungen – in großer Zahl anzutreffen. So werden dem Lernenden Einblicke in eine echte Großmeister-Eröffnung gewährt.
Javokhir Sindarov verteidigt sich in ein Remis gegen Gukesh
Der Sieger des World Cups gegen den amtierenden Weltmeister: Das Tata Steel Chess Masters startet mit einem seiner Highlights. Beinahe 6 Stunden dauerte die Partie an. Bis Zug 37 galt die Partie als ausgeglichen, wenn vielleicht einfacher zu spielen für Schwarz. In Zug 38 entschied sich Sindarov dazu, Sb4 zu spielen, was Schwarz ermöglichte, den Druck mit 38...Db7 zu erhöhen und Weiß zu einem größeren Fehler zu bewegen.
Der schwarze Bauer auf h4 entpuppt sich als ein Trumpf für Schwarz.
Die Idee des Turmzugs zeigte sich als Gukesh es tatsächlich geschafft hatte, seine Türme auf der Grundreihe zu verdoppeln und Th1# drohte.
Während die Engine die daraus resultierende Stellung als gewonnen für Schwarz bewertet, muss diese jedoch erst einmal gewonnen werden. In dieser Situation hatten beide Spieler wieder unter fünf Minuten verbleibende Bedenkzeit auf der Uhr. Mittlerweile hatten sie zumindest den Teil der Partie erreicht, bei dem sie 30 Sekunden pro Zug zusätzlich zu ihrer Bedenkzeit zugeschlagen bekamen. Schwarz musste einen Weg finden, Weiß davon abzuhalten, in jedem Zug ein Schach geben zu können. Alternativ gab es die Möglichkeit in manchen Stellungen die Matt-in-1-Drohung aufzulösen und dafür eine auf andere Weise gewonnene Stellung zu erhalten.
Mit weniger als einer Minute auf der Uhr verspielte Gukesh den Vorteil.
Mit 70...Ke6 hätte Schwarz den Vorteil behalten, aber auch hier wäre der Weg zum Sieg weiterhin kompliziert geblieben. Als Fazit ließe sich aus dieser Partie ziehen, dass Sindarovs Verteidigungskünste nicht unterschätzt werden sollten.
Seine Partie endete in einem Remis, doch fühlte sich das Ergebnis wohl mehr wie eine Niederlage an. Nach Gukeshs Damenopfer lag der Sieg in der Luft und sollte am Ende doch nicht sein | Foto: Foto: Lennart Ootes/ Jurrian Hoefsmit, Tata Steel Chess 2026
Alle Partien Masters
Vincent Keymer im Interview mit Fiona Steil-Antoni
Vincent Keymer startet erholt in das neue Turnierjahr und kann sich über taktischen Sieg gegen Anish Giri freuen | Video: Tata Steel Chess Tournament
Martina GerdtsMartina Gerdts studierte portugiesische und spanische Sprachwissenschaft und arbeitet heute als Sprachdozentin und schreibt über Schach und Sprachen. Einmal für ein Turnier in Paris mit Schach angefangen, ist sie heute als Spielerin aber auch durch ihr Engagement neben dem Brett und ihre schreibenden Aktivitäten im Schach aktiv.
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