Wijk 2026: Jung und stark - eine Vorschau

von Carlos Colodro
15.01.2026 – So jung wie dieses Jahr waren die 14 Teilnehmer des Masters in Wijk noch nie. Das Durchschnittsalter liegt bei 23, mit 31 Jahren ist Anish Giri Turniersenior. Sechs der 14 Teilnehmer gehören aktuell zu den Top 12 der Weltrangliste und vier der Teilnehmer spielen im Kandidatenturnier 2026: Anish Giri, Titelverteidiger Praggnanandhaa (Bild), Javokhir Sindarov und Matthias Blübaum. Und auch Weltmeister Gukesh geht in Wijk an den Start. | Foto: Tata Steel Chess / Lennart Ootes

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Gukesh trifft auf vier seiner potenziellen Herausforderer

Das Tata Steel Chess Tournament 2026 ist die 88. Auflage des traditionsreichen jährlichen Turniers im niederländischen Wijk aan Zee. Die Veranstaltung findet vom 17. Januar bis 1. Februar statt, jeweils 14 Spieler und Spielerinnen treten in einem Rundenturnier gegeneinander an.

DIE SCHACH-HORIZONT-ERWEITERUNG
In ChessBase gibt es immer wieder Ansätze, die typischen Pläne einer Eröffnungsvariante zu zeigen. Zwar ist Schach im Zeitalter der Engines viel konkreter als früher gedacht. Doch gerade Amateure lieben Eröffnungen mit klaren Plänen, siehe Londoner System. In ChessBase ’26 beschäftigen sich gleich drei Funktionen mit der Darstellung von Plänen. Im neuen Eröffnungsreport wird für jede wichtige Variante untersucht, welche Figurenzüge oder Bauernvorstöße darin wichtig sind. In der Referenzsuche sieht man jetzt auf dem Brett, wo die Figuren üblicherweise hingehen. Und startet man die neue Monte-Carlo-Analyse, zeigt auch hier das Brett die häufigsten Figurenpfade.

Die Bedenkzeit beträgt 100 Minuten für die ersten 40 Züge, danach 50 Minuten für den Rest der Partie, mit einer zusätzlichen Zeit von 30 Sekunden pro Zug ab dem ersten Zug. Die Organisatoren haben sich für diese Struktur entschieden, da sie im Großen und Ganzen den Bedingungen des Kandidatenturniers entspricht. Zwar hat das Kandidatenturnier eine längere Anfangsphase – 120 Minuten vor dem 40. Zug – und eine andere Zeiteinteilung danach, aber in beiden Turnieren gibt es keine Zeitgutschrift vor Erreichen der ersten Zeitkontrolle.

Geschichte

Das Tata Steel-Turnier blickt auf eine lange Geschichte zurück, die bis ins Jahr 1938 reicht.

Das Turnier, ursprünglich als Hoogovens-Turnier bekannt, behielt diesen Namen bis zur Fusion des Sponsors Koninklijke Hoogovens mit British Steel im Jahr 1999 zur Corus Group. Anschließend wurde es in Corus Chess Tournament umbenannt. Nach der Übernahme von Corus durch die Tata Group im Jahr 2007 und der Umbenennung in Tata Steel Europe erhielt das Turnier 2011 schließlich seinen heutigen Namen.

Seit dem Umzug von Beverwijk nach Wijk aan Zee im Jahr 1968 wird das Turnier üblicherweise als „Wijk aan Zee“ bezeichnet, eine Bezeichnung, die zum Synonym für klassisches Schach auf höchstem Niveau geworden ist.

Anhand der Botvinnik-Partien zeigen unsere Experten, wie man bestimmte Eröffnungen erfolgreich bestreitet, welche Musterstrategien es in bestimmten Strukturen gibt, wie man auch taktische Lösungen findet und wie man Endspiele nach festen Regeln gewinnt

Das Masters 2026: das jüngste Teilnehmerfeld aller Zeiten

Das Masters-Turnier 2026 zeichnet sich durch das jüngste Teilnehmerfeld in der Geschichte des Events aus. Der älteste Teilnehmer ist der 31-jährige Anish Giri, das Durchschnittsalter der 14 Spieler beträgt 23 Jahre. Titelverteidiger Praggnanandhaa kehrt nach Wijk aan Zee zurück, ebenso wie der Tscheche Thai Dai Van Nguyen, der sich durch seinen Sieg im Challengers 2025 qualifiziert hat.

Obwohl die drei Weltranglistenersten – Magnus Carlsen, Hikaru Nakamura und Fabiano Caruana – nicht teilnehmen, ist das Turnier hochkarätig besetzt. Sechs der 14 Teilnehmer gehören aktuell zu den Top 12 der Weltrangliste. Sie trennen nur geringe Elo-Abstände: Vincent Keymer, Arjun Erigaisi, Anish Giri, Praggnanandhaa, Weltmeister Gukesh und Nodirbek Abdusattorov.

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Gukesh Dommaraju

Weltmeister Gukesh | Foto: Tata Steel Chess / Lennart Ootes

Von den verbleibenden acht Spielern gehen fünf mit einer Elo-Zahl über 2700 ins Turnier: Javokhir Sindarov, Hans Niemann, Vladimir Fedoseev, Jorden van Foreest und Aravindh Chithambaram. Die letzten drei Plätze belegen Matthias Blübaum (2679 Elo-Zahl), das türkische Ausnahmetalent Yagiz Kaan Erdogmus (2658) und der Tscheche Thai Dai Van Nguyen (2656). Drei der Spieler im Teilnehmerfeld konnten das Turnier bereits einmal gewinnen – Giri, Praggnanandhaa und Van Foreest. 

Name Land Rating
Vincent Keymer Deutschland 2776
Arjun Erigaisi Indien 2775
Anish Giri Niederlande 2760
Praggnanandhaa Rameshbabu Indien 2758
Gukesh Dommaraju Indien 2754
Nodirbek Abdusattorov Usbekistan 2751
Javokhir Sindarov Usbekistan 2726
Hans Niemann USA 2725
Vladimir Fedoseev Slowenien 2705
Jorden van Foreest Niederlande 2703
Aravindh Chithambaram Indien 2700
Matthias Bluebaum Deutschland 2679
Yagiz Kaan Erdogmus Türkei 2658
Thai Dai Van Nguyen Tschechien 2656

Die Kandidaten

Vier der acht Spieler, die am nächsten Kandidatenturnier teilnehmen werden, sind auch in Wijk aan Zee dabei: Giri, Praggnanandhaa, Sindarov und Blübaum. Aus Organisatorensicht ist ihre Teilnahme besonders erfreulich, da das Teilnehmerfeld von Tata Steel bereits im Oktober 2025 bekanntgegeben worden war, als die acht Teilnehmer des Kandidatenturniers noch nicht feststanden. Sindarov hatte da noch nicht den World Cup gewonnen und Praggnanandhaa hatte sich noch nicht über den FIDE-Circuit qualifiziert.

Dieser Videokurs enthält GM Anish Giris tiefe Einblicke und IM Sagar Shahs sachdienliche Fragen an den Super-GM. In Band 1 werden alle Eröffnungen nach 1.e4 behandelt.

In Wijk treffen die vier Kandidaten auf Weltmeister Gukesh. Da die intensive Vorbereitungsphase für ein WM-Match meist erst beginnt, wenn der Herausforderer feststeht, wird Gukesh nach Wegen suchen, um seine möglichen Herausforderer zu schlagen – während sie ihre Vorbereitung vor dem Kandidatenturnier nicht verraten wollen.

Praggnanandhaa Rameshbabu, Anish Giri

Giri besiegte Praggnanandhaa letztes Jahr in Runde 9. | Foto: Tata Steel Chess / Jurriaan Hoefsmit

Challengers

Das Challengers bietet ebenfalls ein ausgewogenes und attraktives Teilnehmerfeld mit Spielern, deren Wertungszahl zwischen 2398 und 2638 liegt. Mit dabei ist auch der zwölfjährige Faustino Oro, der bereits im letzten Jahr Erfahrung sammeln konnte. Mit 15 Jahren sind Lu Miaoyi und Andy Woodward ebenfalls noch sehr jung.

Lu ist eine von vier Frauen im Teilnehmerfeld - neben der dreimaligen Blitz-Weltmeisterin Bibisara Assaubayeva, der viermaligen US-Meisterin Carissa Yip und der ehemaligen niederländischen Frauenmeisterin und frischgebackenen Blitz-Europameisterin Eline Roebers.

Lu Miaoyi

Lu Miaoyi 2025 | Foto: Tata Steel Chess / Lennart Ootes

Sie werden von einer Reihe erfahrener Konkurrenten herausgefordert, darunter Erwin l'Ami, Velimir Ivic und kein Geringerer als Publikumsliebling Vasyl Ivanchuk. 1996 gewann Ivanchuk das Masters vor Spielern wie Vishy Anand, Veselin Topalov und Michael Adams.

In diesem Videokurs untersuchen Experten die Partien von Judit Polgar. Lassen Sie sich von ihnen zeigen, welche Eröffnungen Polgar wählte, wo ihre Stärken im Mittelspiel lagen oder wie sie ihre Gegner im Endspiel überspielte.

Spieler Land Rating
Velimir Ivic Serbien 2638
Erwin l'Ami Niederlande 2634
Aydin Suleymanli Aserbaidschan 2628
Marc'Andria Maurizzi Frankreich 2611
Andy Woodward USA 2608
Vasyl Ivanchuk Ukraine 2605
Daniil Yuffa Spanien 2604
Max Warmerdam Niederlande 2576
Faustino Oro Argentinien 2516
Bibisara Assaubayeva Kasachstan 2497
Carissa Yip USA 2466
Lu Miaoyi China 2431
Vedant Panesar Indien 2406
Eline Roebers Niederlande 2398

Spielplan

(Runde 1 bis 12 um 14 Uhr, Runde 13 um 12 Uhr) 

Datum Tag Runde
17. Januar Samstag 1
18. Januar Sonntag 2
19. Januar Montag 3
20. Januar Dienstag 4
21. Januar Mittwoch 5
22. Januar Donnerstag Ruhetag
23. Januar Freitag 6
24. Januar Samstag 7
25. Januar Sonntag 8
26. Januar Montag Ruhetag
27. Januar Dienstag 9
28. Januar Mittwoch 10
29. Januar Donnerstag Ruhetag
30. Januar Freitag 11
31. Januar Samstag 12
1. Februar Sonntag 13

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Carlos Colodro stammt aus Bolivien und ist Spanisch-Philologe. Seit 2012 arbeitet er als freier Übersetzer und Autor. Schach, Literatur und Musik sind seine großen Leidenschaften.
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