Zagreb, Runde 8: Carlsen dominiert

von Johannes Fischer
04.07.2019 – Magnus Carlsen siegt weiter. In Runde 7 gewann er mit einem spekulativen Opfer gegen Nepomniachtchi, in Runde 8 besiegte er Ding Liren durch gute Vorbereitung und perfekt wirkende Endspieltechnik. Mit diesem Sieg verteidigte Carlsen seine Tabellenführung und liegt mit 6 aus 8 weiter einen halben Punkt vor Wesley So, der Hikaru Nakamura überspielte. Für den dritten Sieg der Runde sorgte Anish Giri, der aus der Eröffnung heraus gegen Shakhriyar Mamedyarov gewann. Die drei restlichen Partien der Runde endeten Remis, wobei Fabiano Caruana gegen Vishy Anand allerdings am Rande einer Niederlage stand. | Foto: Lennart Ootes / Grand Chess Tour

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Grand Chess Tour Zagreb, Runde 8

In Runde 7 gewann Carlsen mit Schwarz gegen Ian Nepomniachtchi, gegen den er im Laufe seiner Karriere noch keine einzige Partie im klassischen Schach gewinnen konnte, in Runde 8 spielte Carlsen mit Schwarz gegen Ding Liren und auch gegen den Chinesen konnte Carlsen im klassischen Schach bislang nie gewinnen. Doch Carlsen beendete auch diese Serie.

Ding Liren 0-1 M. Carlsen

Ein überzeugender Sieg des Weltmeisters, der einmal mehr von seiner Vorbereitung auf den WM-Kampf 2018 gegen Fabiano Caruana profitieren konnte und mit Schwarz eine scharfe Variante der Katalanischen Verteidigung spielte. Für die ersten 19 Züge verbrauchte Carlsen kaum Bedenkzeit - im Gegensatz zu Ding Liren, der eine Stunde investieren musste, um sich in der Eröffnung zurecht zu finden. Doch das gelang ihm und nach 20 Zügen stand eine ausgeglichene Stellung auf dem Brett. Doch die behandelte Carlsen besser und kam zu einem Endspiel, in dem er dank seines Läuferpaars besser stand und gewann.

 

Mit diesem Gewinn verteidigte Carlsen seine Tabellenführung und kam in Zagreb zu seinem vierten Sieg - drei davon erzielte er mit Schwarz. Außerdem ist Carlsen jetzt in 76 Partien in Folge ungeschlagen und kommt in der Live-Rating-Liste auf eine Zahl von 2881,3 und ist damit nur 7,9 Punkte von seiner eigenen Bestmarke von 2889,3 Punkten auf der Live-Elo-Liste entfernt, die er im April 2014 erreichen konnte.

W. So 1-0 H. Nakamura

Doch das Turnier ist noch offen, denn Wesley So liegt mit 5,5 aus 8 nur einen halben Punkt hinter Carlsen zurück. Gegen Hikaru Nakamura verwandelte So positionellen Vorteil in ein besseres Schwerfigurenendspiel, das dann in ein gewonnenes Bauernendspiel mündete.

 

Im amerikanischen Duell gelang Wesley So ein überzeugender Sieg gegen Hikaru Nakamura | Foto: Lennart Ootes

A. Giri 1-0 S. Mamedyarov

Eine Partie, die schwer zu verstehen ist. Im 12. Zug brachte Mamedyarov eine Neuerung, mit vier Züge später stand er praktisch auf Verlust. Giri fand nicht den schnellsten Weg zum Gewinn, aber verwertete seinen Vorteil sicher.

 

V. Anand ½-½ F. Caruana

Fabiano Caruana erlitt gegen Vishy Anand bereits in der Eröffnung Schiffbruch. "Ich war die ganze Partie über deprimiert. Ich habe diese Variante gespielt, um mit Schwarz kämpfen zu können, aber landete schon in der Eröffnung in einer Stellung, in der ich schlecht stehe und keinerlei Gewinnchancen habe", meinte Caruana nach der Partie. Aber nach der missglückten Eröffnung leistete Caruana die ganze Partie über hartnäckigen Widerstand und konnte sich am Ende ins Remis retten.

 

L. Aronian ½-½ I. Nepomniachtchi

Levon Aronian und Ian Nepomniachtchi spielten ein schnelles und unspektakuläres Remis und zauberten nach 27 Zügen ein Remis durch Zugwiederholung aufs Brett.

 

M. Vachier-Lagrave ½-½ S. Karjakin

Ein unkompliziertes Remis gab es auch zwischen Maxime Vachier-Lagrave und Sergey Karjakin. In der Berliner Verteidigung fand Vachier-Lagrave keine Möglichkeit, Karjakin unter Druck zu setzen und so endete die Partie ohne große Aufregung Remis.

 

Ergebnisse der 8. Runde

 

Stand nach der 8. Runde

 

Partien

 

Live-Kommentar der 8. Runde

Yasser Seirawan, Jovanka Houska und Alejandro Ramirez kommentieren live

Links




Johannes Fischer, Jahrgang 1963, ist FIDE-Meister und hat in Frankfurt am Main Literaturwissenschaft studiert. Er lebt und arbeitet in Nürnberg als Übersetzer, Redakteur und Autor. Er schreibt regelmäßig für KARL und veröffentlicht auf seinem eigenen Blog Schöner Schein "Notizen über Film, Literatur und Schach".
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ebit ebit 05.07.2019 03:09
"Ein überzeugender Sieg des Weltmeisters, der einmal mehr von seiner Vorbereitung auf den WM-Kampf 2018 gegen Fabiano Caruana profitieren konnte und mit Schwarz eine scharfe Variante der Katalanischen Verteidigung spielte."

Es fällt mir schon seit geraumer Zeit auf, dass Carlsen ständig von seinem WM-Kampf 2018 gegen Caruana profitieren soll. Möglich, aber so wurden Siege Kasparovs, Kramniks, Anands usw. nie und in dieser Vehemenz begründet.

Carlsen gewinnt, weil er einfach viel stärker als die anderen ist und in der Eröffnung deutlich variabler spielt. Weiterhin: Carlsens Turnierperformance bei knapp 3000, auf Weltrekordjagd und seine virtuelle Bestmarke von 2889 könnte ebenfalls von ihm verbessert werden.
Wir sehen Mozart in absoluter Bestform, jede Partie eine neue Symphonie, es ist einfach nur erstaunlich, die fast göttlichen 2900 Elo sind in greifbarer Nähe.
fjordfish fjordfish 05.07.2019 12:56
Das Problem bei Carlsen ist,das er schon soweit der Konkurrenz enteilt ist,das es selbst für Siege nur einen marginalen Elogewinn gibt,spielerisch ist er schon weit über 3000,nur fabi und co sind zu schlecht
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