Nach drei Runden des Kandidatenturniers in Zypern haben sich bereits zwei Spieler mit einem vollen Punkt Vorsprung an die Spitze der Tabelle gesetzt. Fabiano Caruana und Javokhir Sindarov, die beide die erste und dritte Runde gewonnen haben, teilen sich nun mit 2,5 Punkten den ersten Platz. Zufälligerweise treffen die beiden Führenden in der vierten Runde aufeinander. Sindarov spielt mit den weißen Steinen.
In der vierten Runde treffen kurioserweise nur punktgleiche Spieler aufeinander: Nämlich außer dem Spitzenspiel auch die beiden Spieler, die mit 1,5/3 Punkten punktgleich auf dem dritten Platz liegen: Praggnanandhaa Rameshbabu (ein Sieg, ein Remis, eine Niederlage) und Matthias Bluebaum (drei Remis in seinen bisherigen Partien). Die übrigen vier Spieler teilen sich mit jeweils 1/3 Punkten die untere Tabellenhälfte. Am Mittwoch treffen sie sich bei den Paarungen Andrey Esipenko gegen Anish Giri und Wei Yi gegen Hikaru Nakamura.
Die dritte Runde brachte zwei Remis und zwei Siege:
Round 3 results

Trafen erst zum dritten Mal in einer klassischen Partie
aufeinander: Matthias Blübaum und Andrey Esipenko.
Die Partie zwischen Bluebaum und Esipenko endete remis. Bluebaum, der mit Weiß spielte, wählte einen recht komplizierten Plan mit dem Manöver Tf1–e1–e2–d2, ein Ansatz, der sich als ungenau erwies und Esipenko bereits im frühen Mittelspiel den vollständigen Ausgleich ermöglichte.
Nachdem die Stellung ausgeglichen war und keine der beiden Seiten Ungleichgewichte erzeugen konnte, vereinfachte sich das Spiel bald und endete mit einem eher ereignislosen Remis.

Anish Giri und Matthias Bluebaum beim Spaziergang während der dritten Runde – beide spielten am Dienstag remis | Foto: FIDE / Michal Walusza

Wei Yi nutzte die Chance auf seinen ersten Sieg
gegen Caruana nicht – er muss sich aber nicht
vorwerfen lassen, es nicht versucht zu haben.
Die beiden entscheidenden Partien unterschieden sich deutlich im Charakter. Fabiano Caruana, der mit Weiß gegen Wei Yi spielte, sah sich früh mit einer Neuerung konfrontiert, die das Opfer zweier Bauern beinhaltete. Caruana verbrachte viel Zeit in der Eröffnungsphase damit, die scheinbar gut vorbereitete und forcierte Zugfolge seines Gegners sorgfältig zu analysieren.
Wei hingegen spielte seine ersten 15 Züge in rasantem Tempo und zeigte damit Zuversicht in seine Vorbereitung. Der chinesische Großmeister geriet dann jedoch in Schwierigkeiten und brauchte fast eine halbe Stunde, bevor er den ungenauen Zug 16…Tc5?! spielte, woraufhin ihm im folgenden Zug der entscheidende Fehler unterlief.
Wei erklärte später, dass sein neuer Zug 8…Sb6 zwar Teil seiner Vorbereitung gewesen sei, er diese Variante aber nicht speziell für diese Partie vorbereitet hatte, was zu Verwirrung am Brett geführt habe. Nach den folgenden Fehlern des Chinesen benötigte Caruana nur wenige präzise Züge, um sich einen entscheidenden Vorteil zu sichern, und Wei gab im 19. Zug auf.

Fabiano Caruana hatte sich soeben für die kritische Variante entschieden, mit dem Läufer auf c6 geschlagen und mit der Dame den ersten Bauern abgeholt. Wei Yi blockt gerade das Schachgebot mit seinem Läufer ab. | Foto: FIDE / Michal Walusza

Ein Duell, das kämpferische Partien verspricht.
Das dynamischste und komplexeste Spiel der Runde war das Aufeinandertreffen der beiden jüngsten Teilnehmer, Praggnanandhaa Rameshbabu und Javokhir Sindarov, beide 20 Jahre alt.
Sindarov, der mit Schwarz spielte, wählte früh eine ambitionierte Fortsetzung und opferte bald einen Springer für zwei Bauern mit 13…Sxb4.
Obwohl es keine erzwungene Entscheidung war, führte das Opfer zu einer scharfen und zweischneidigen Stellung, die seinem dynamischen Spielstil entgegenkam. Praggnanandhaa war gezwungen, seinen König im Zentrum zu halten und geriet bald unter anhaltenden Druck und seine Zeit wurde knapp.
Sindarov nutzte seine Initiative mit bemerkenswerter Gelassenheit. Er vermied unnötige Komplikationen und verbesserte stattdessen stetig seine Figurenstellung, während er gleichzeitig den Druck erhöhte.
Der doppelte Druck auf Brett und Uhr führte zu Ungenauigkeiten in der weißen Verteidigung. Das ermöglichte einen taktischen Schlagabtausch, der Sindarov einen wohlverdienten Sieg bescherte.

Geteilter Erster: Javokhir Sindarov | Foto: FIDE / Michal Walusza

Hikaru Nakamura und Anish Giri fügten ihren
27 Remispartien eine weitere hinzu.
Die Partie zwischen Nakamura und Giri war ein korrekt gespieltes Duell zweier erfahrener Weltklasse-Großmeister, die beide jeweils in der ersten Runde eine schmerzhafte Niederlage einstecken mussten. Die Partie blieb über die gesamte Spieldauer ausgeglichen, keiner der Spieler ging unnötige Risiken ein.