21.01.2026 – Vincent Keymer startete als Nummer 1 der Setzliste in das Masters in Wijk, aber erwischte einen holprigen Start. Zum Auftakt gewann er gegen Giri, doch dann verlor er nacheinander gegen Fedoseev und Blübaum. In Runde 4 kam er Yagiz Kaan Erdogmus, den nominell zweitschwächsten Spieler im Feld, über ein Remis nicht hinaus. Doch in Runde 5 feierte er ein Comeback und gewann überzeugend gegen Aravindh Chithambaram. Matthias Blübaum spielte Remis gegen Jorden Van Foreest. An der Spitze der Tabelle liegen drei Spieler: Hans Niemann und Nodirbek Abdusattorov, die sich in Runde 5 Remis trennten, und Javokhir Sindarov, der gegen Erdogmus gewann. | Fotos: Nils Rohde
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Wie gehe ich mit Niederlagen um? Das ist eine Frage, die sich alle Schachspieler stellen müssen, Spitzenspieler aber ganz besonders. Spielt man in der nächsten Partie um so energischer auf Gewinn, um die Scharte wieder auszuwetzen, oder setzt man auf Sicherheit und ist mit einem Remis zufrieden, um seinen Rhythmus wiederzufinden?
Aravindh suchte gegen Keymer das Risiko. In Runde 4 hatte er eine bittere Niederlage gegen Hans Niemann erlitten, der anschließend erklärte, er hätte gerade eine der besten Partien seines Lebens gespielt. Aber dennoch strebte Aravindh mit Schwarz gegen Keymer mit Hilfe eines frühen Bauernopfers unverdrossen eine zweischneidige Stellung mit Chancen für beide Seiten an.
Mutig und kompromisslos: Aravindh Chithambaram
Allerdings behandelte er die schwierige Stellung ungenau und geriet mit einem Minusbauern bald in die Defensive. Keymer verwandelte seinen Vorteil präzise und energisch.
Vincent Keymer im Interview mit Fiona Steil-Antoni nach der Partie
Matthias Blübaum hatte in Runde 4 nach einem taktischen Versehen gegen Javokhir Sindarov verloren und hatte in Runde 5 mit Schwarz gegen Jorden Van Foreest nichts gegen ein Remis. Zwar landete er in einer Variante der Russischen Verteidigung nach der Eröffnung in einem schlechteren Endspiel, aber dieses Endspiel verteidigte er zäh und präzise und kam am Ende zu einem Remis.
Remis trennten sich auch die beiden Spitzenreiter Hans Niemann und Nodirbek Abdusattorov. Niemann hatte fast die ganze Partie über Vorteil, aber konnte ihn nicht in etwas Greifbares verwandeln.
Für das dritte Remis der Runde sorgten Praggnanandhaa und Anish Giri. Hier verpasste Giri in einer komplizierten Stellung eine gute Möglichkeit und musste sich dann mit einem halben Punkt zufrieden geben.
Einen besseren Blick für seine Möglichkeiten bewies Vladimir Fedoseev, der gegen Arjun Erigaisi mit Hilfe eines hübschen taktischen Tricks gewann.
Vladimir Fedoseev
Taktischen Scharfblick bewies auch Weltmeister Gukesh, der in einem Endspiel mit einem Qualitätsopfer einen überraschenden Mattangriff aufs Brett zauberte.
Weltmeister Gukesh bewies einmal mehr sein erstaunliches Gefühl für Dynamik.
Das Glück des Tüchtigen hatte einmal mehr Javokhir Sindarov. Er spielte mit Weiß gegen Yagiz Kaan Erdogmus und nach einer wechselhaften Partie verdarb Erdogmus ein Turmendspiel, das Remis war, zum Verlust.
Javokhir Sindarov kam zu seinem zweiten Sieg in Folge.
Durch diesen Sieg schloss Sindarov zu den beiden Spitzenreitern auf und liegt vor dem morgigen Ruhetag mit 3,5 aus 5 zusammen mit Niemann und Abdusattorov an der Spitze. Keymer und Blübaum kommen mit 2,5 aus 5 beide auf 50 Prozent.
Johannes FischerJohannes Fischer, Jahrgang 1963, ist FIDE-Meister und hat in Frankfurt am Main Literaturwissenschaft studiert. Er lebt und arbeitet in Nürnberg als Übersetzer, Redakteur und Autor. Er schreibt regelmäßig für KARL und veröffentlicht auf seinem eigenen Blog Schöner Schein "Notizen über Film, Literatur und Schach".
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