23.01.2026 – Mit 1,5 aus 2 punkteten Vincent Keymer (Bild) und Matthias Blübaum gut in Runde 6 in Wijk. Aber sie hätten noch besser punkten können. Keymer überspielte Niemann in einem Italiener allmählich, und Matthias Blübaum stand gegen Arjun Erigaisi auf Gewinn, fand aber dann in taktisch unübersichtlicher Stellung keinen Weg zum Sieg. Alleiniger Tabellenführer nach sechs Runden ist Nodirbek Abdusattorov, der von einem schweren Blackout Gukeshs profitierte. | Fotos: Lennart Ootes
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Hans Niemann, der Gegner von Vincent Keymer in Runde 6, genießt den Ruf, sehr an sich und seine Fähigkeiten zu glauben. Vielleicht war das mit ein Grund, warum er in der Partie gegen Keymer in einer ausgeglichenen Variante des Italieners einem Remis durch Zugwiederholung auswich und stattdessen auf Gewinn spielte. Allerdings ohne einen wirklich überzeugenden Plan. Hier der Text – die Verweise auf die Partien bitte ignorieren, die füge ich hinterher ein.
Und so verbesserte Keymer seine Stellung Schritt für Schritt, bis er schließlich einen Bauern gewann. Auf der Suche nach Gegenspiel opferte Niemann dann noch einen zweiten Bauern, aber die Niederlage konnte er damit nicht abwenden.
Es fehlte nicht viel, und Matthias Blübaum hätte ebenfalls gewonnen. Er spielte mit Weiß gegen Arjun Erigaisi, der sich in der Eröffnung für den Königsinder entschied und damit signalisierte, dass er auf Gewinn spielen wollte.
In einem taktischen Handgemenge kam Blübaum dann durch eine Reihe präziser Züge in Vorteil, aber bei der Verwertung dieses Vorteils fehlte ihm diese taktische Präzision, und er ließ Erigaisi ins Remis entschlüpfen.
Doch der vielleicht größte Glückspilz der Runde war nicht Erigaisi, sondern Nodirbek Abdusattorov. Nachdem er gegen Weltmeister Gukesh einige bange Momente überstanden hatte, stand eine ausgeglichene Stellung auf dem Brett. Doch dann geschah etwas Unglaubliches: Gukesh, der noch ausreichend Zeit auf der Uhr hatte, stellte einzügig einen ganzen Turm ein:
Hier spielte Gukesh 36...Tg5?? und gab nach 37.Dxf6+ sofort auf.
Mit diesem Sieg übernahm Abdusattorov die alleinige Tabellenführung, denn auch Javokhir Sindarov konnte eine Gewinnstellung gegen Aravindh Chithambaram nicht gewinnen.
Hier hätte Weiß einfach den Turm nehmen sollen, denn nach 41.Dg6 kann Schwarz die weiße Drohung, Dauerschach zu geben mit 41...Dc8+ 42.Kh4 Dc4+ 43.Kxh5 Dxd5+ 44.Kh4 Dg8 abwehren. Aber in der Partie spielte Schwarz mit nur noch Sekunden auf der Uhr 40...a2? und musste nach 41.Dg6 ins Remis einwilligen - Schwarz kann nicht verhindern, dass Weiß Dauerschach gibt.
Nach sechs von 13 Runden liegt Abdusattorov so mit 4,5 aus 6 allein an der Spitze. Mit einem halben Punkt Rückstand folgt Sindarov mit 4 aus 6, die Plätze drei bis fünf teilen sich Keymer, Niemann und Vladimir Fedoseev.
Johannes FischerJohannes Fischer, Jahrgang 1963, ist FIDE-Meister und hat in Frankfurt am Main Literaturwissenschaft studiert. Er lebt und arbeitet in Nürnberg als Übersetzer, Redakteur und Autor. Er schreibt regelmäßig für KARL und veröffentlicht auf seinem eigenen Blog Schöner Schein "Notizen über Film, Literatur und Schach".
21.01.2026 – Vincent Keymer startete als Nummer 1 der Setzliste in das Masters in Wijk, aber erwischte einen holprigen Start. Zum Auftakt gewann er gegen Giri, doch dann verlor er nacheinander gegen Fedoseev und Blübaum. In Runde 4 kam er Yagiz Kaan Erdogmus, den nominell zweitschwächsten Spieler im Feld, über ein Remis nicht hinaus. Doch in Runde 5 feierte er ein Comeback und gewann überzeugend gegen Aravindh Chithambaram. Matthias Blübaum spielte Remis gegen Jorden Van Foreest. An der Spitze der Tabelle liegen drei Spieler: Hans Niemann und Nodirbek Abdusattorov, die sich in Runde 5 Remis trennten, und Javokhir Sindarov, der gegen Erdogmus gewann. | Fotos: Nils Rohde
20.01.2026 – Nach vier Runden führen Hans Niemann und Nodirbek Abdusattorov beim Masters in Wijk mit je 3 Punkten aus 4 Partien. Niemann (Bild) gewann in Runde 4 mit einer strategisch und taktisch beeindruckenden Leistung gegen Aravindh Chithambaram, Abdusattorov kam gegen Thai Dai Van Nguyen zu einem leichteren Sieg. Matthias Blübaum verlor nach einer taktischen Nachlässigkeit eine Remisstellung gegen Javokhir Sindarov und Vincent Keymer kam mit Schwarz gegen Yagiz Kaan Erdogmus nicht über ein Remis hinaus. | Fotos: Nils Rohde
Königsindisch-Fans, die zum Mar del Plata Angriff (7...Sc6) greifen, wenn Weiß das klassische System spielt (1.d4 Sf6 2.c4 g6 3.Sc3 Lg7 4.e4 d6 5.Sf3 0-0 6.Le2 e5 7.0-0), streben komplexe Stellungen mit beidseitigen Angriffen an offenen Flügeln an, in denen langfristige strategische Planung und taktische Aufmerksamkeit in kritischen Momenten gefragt ist. Computer wissen oft nicht, was in den entstehenden komplexen strategischen Stellungen zu tun ist, und das kommt Spielern entgegen, die gerne selber denken, anstatt lange theoretische Varianten auswendig zu lernen. Aber der zur Zeit moderne Bajonett-Angriff (9.b4) stört die schwarzen Pläne. Denn nach der schwarzen Hauptfortsetzung 9...Sh5 öffnet sich die Stellung und es kommt zu langen, forcierten Varianten, die man mit Computerhilfe analysieren kann. Diese DVD bietet ein gutes Mittel gegen den weißen Bajonett-Angriff: 9...a5! Dieser Zug führt zu gesunden Stellungen, in denen es nur wenig konkrete Varianten gibt und in der Strategie wichtiger als Taktik ist. Objektiv sind die Chancen ausgeglichen, aber wenn Schwarz die Stellung kennt, kann die Lage schnell kritisch für Weiß werden.
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