11.04.2026 – Vier Remis in Runde 11 des Open des Kandidatenturniers helfen vor allem Javokhir Sindarov, der damit weiterhin mit zwei Punkten Abstand zu Anish Giri auf Platz 2 das Feld anführt. Mit nur noch drei verbleibenden Runden wird es immer knapper für Giri, dem Usbeken noch Konkurrenz zu machen. Drama gab es in Blübaums Partie gegen Praggnanandhaa auf dem Brett, aber letztendlich endete auch diese glücklich im Remis. | Foto: Michal Walusza / FIDE
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Knappes Remis für Matthias Blübaum
Runde 11 stand beim Kandidatenturnier im Zeichen des Glücks für Matthias Blübaum. Eine Computervariante hätte ihn im Mittelspiel in Bedrängnis gebracht und eine weitere Variante im Endspiel hätte ihm die Partie verloren. Niclas Huschenbeth äußerte sich in der Spielanalyse für SchachdeutschlandTV verwundert, dass die letzte Gewinnidee für Praggnanandhaa nicht auf das Brett kam. So einfach schien aber auch diese Variante nicht zu sein. Huschenbeth schob es auf die Zeitsituation, die in Zug 34 mit je knapp 5 Minuten Bedenkzeit nicht mehr allzu rosig war.
Bisher gingen die Spieler des Kandidatenturniers mit Matthias Blübaum noch kein Theoriebattle in der Standardvariante des Russischen ein. Steve Berger wies in seinem Livekommentar mit Katharina Reinecke für den Kanal Chess24 Deutsch daraufhin, dass die Standardvariante allgemein wenig gespielt würde und man daher die Theorie gar nicht so gut wissen bräuchte und sich im Zweifel am Brett daran erinnert. Interessant wäre es zu sehen, wie Blübaum darauf reagieren würde, wenn seine Gegner das Theoriebattle eingingen.
Blübaum hält mit Schwarz das Remis gegen Praggnanandhaa | Foto: Michal Walusza / FIDE
Damit geht ein weiteres Remis auf das Punktekonto von Matthias Blübaum, der in den bisherigen elf Runden nur eine Partie verloren hat. Für die anderen Spieler wird es schwieriger, ihm den Titel des Remiskönigs noch in Absprache zu stellen.
Ergebnisse Runde 11
Anish Giri vs. Andrey Esipenko
Für Anish Giri wird auch noch etwas anderes schwieriger. Sein Ziel ist wahrscheinlich nicht der inoffizielle Remiskönig-Titel, sondern die Verfolgungsjagd von Javokhir Sindarov. Mit einem seinem Remis gegen Andrey Esipenko erhält er nur den Status Quo, der ohnehin nicht allzu rosig für ihn aussah. Um Sindarov noch einzuholen, müsste er in den letzten drei Runden zwei Punkte mehr erspielen als Sindarov. Ein Sieg im direkten Duell müsste auf alle Fälle her.
Anish Giri ist während Partien gern auf den Beinen | Foto: Michal Walusza / FIDE
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Am schnellsten endete an diesem Samstag die Partie zwischen Hikaru Nakamura und Wei Yi. Diese Partie verlief dramafrei, begann mit der Katalanischen Eröffnung und endete in einer dreifachen Stellungswiederholung in Zug 22. Mit der Punkteteilung sind die beiden punktgleich in der Tabelle auf den Plätzen 5 und 6.
Hikaru Nakamura spielt wider Erwarten "nur" im Mittelfeld mit | Foto: Niki Riga / FIDE
Fabiano Caruana vs. Javokhir Sindarov
Für verwirrte Blicke im Turniersaal sorgte die Stellung von Caruana und Sindarov nach der Eröffnung.
Aus praktischer Sicht fühlt sich die Stellung aufgrund der zerpflückten schwarzen Bauernstruktur einfacher zu spielen an für Weiß. Sindarov zeigte jedoch, wie er die Stellung remis hielt. Er ist derjenige, der am meisten von Remis profitiert. Er muss auf kein Risiko gehen, um den Turniersieg in bald in Reichweite zu haben. Wenn er eine solide Stellung findet, die er Remis halten kann, dann kann er diese Stellung eingehen. Die Wahrscheinlichkeit wird verschwindet gering, dass er noch eingeholt wird.
Medienstar Sindarov nimmt die Bauernstruktur für Remis in Kauf | Foto: Michal Walusza/ FIDE
FIDE-Video: Die Spieler über Schach auf dem höchsten Level
Die Spieler sprechen über falsche Vorstellungen von Weltklasse-Schach | Video: FIDE
Zur Halbzeit-Analyse von Großmeister Stefan Kindermann bei der Süddeutschen Zeitung gab es großes Lob für Matthias Blübaum. In seinem Video zeigt Kindermann nochmal die Partie Sindarov - Caruana aus der ersten Turnierhälfte, die Sindarov gewonnen hatte. Im Vergleich dazu kann Caruana mit dem Ergebnis der Rückrunde gegen Sindarov eher zufrieden sein.
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Format: Sowohl im offenen Turnier als auch im Damenturnier treten die acht qualifizierten Spieler in einem Doppelrundenturnier mit insgesamt 14 Runden gegeneinander an.
Bedenkzeit (Open): Die Partien werden mit einer Bedenkzeit von 120 Minuten für die ersten 40 Züge gespielt, gefolgt von 30 Minuten für den Rest der Partie, wobei die Bedenkzeit ab dem 41. Zug um 30 Sekunden pro Zug erhöht wird.
Preisgeld: Das Mindestpreisgeld für die Veranstaltung beträgt die Rekordsumme von 1.000.000 €.
Tiebreaks: Im Falle eines Gleichstands um den ersten Platz nach 14 Runden wird ein Stechen ausgetragen, um den Sieger zu ermitteln, der sich für den Weltmeisterschaftskampf qualifiziert, der im November 2026 stattfinden soll.
Das Reglement für das FIDE-Kandidatenturnier 2026 finden Sie unten:
Hinweis: Die Runden beginnen jeweils um 15:30 Uhr lokaler Zeit, d.h. 14:30 Uhr deutscher Zeit. Die Partien werden mit einer Verzögerung von etwa 15 Minuten übertragen.
Martina GerdtsMartina Gerdts studierte portugiesische und spanische Sprachwissenschaft und arbeitet heute als Sprachdozentin und schreibt über Schach und Sprachen. Einmal für ein Turnier in Paris mit Schach angefangen, ist sie heute als Spielerin aber auch durch ihr Engagement neben dem Brett und ihre schreibenden Aktivitäten im Schach aktiv.
09.04.2026 – Javokhir Sindarov ist beim Kandidatenturnier weiter in bestechender Form und gewann in Runde 10 überzeugend gegen Praggnanandhaa. Sindarov, der vor der Runde mit 1,5 Punkten Vorsprung klar in Führung lag, versuchte gar nicht erst, diesen Vorsprung mit vorsichtigem und solidem Spiel über die Ziellinie zu retten, sondern ließ sich gegen Praggnanandhaa auf eine zweischneidige und komplizierte Stellung ein. Dieser Mut bescherte ihm einen überzeugenden Sieg. Die drei anderen Partien der Runde endeten mit Remis, und so hat Sindarov vier Runden vor Schluss wieder zwei Punkte Vorsprung. Und er hat in Runde 10 nicht den Eindruck gemacht, als ob er auf der Zielgeraden straucheln könnte. | Foto: Michal Walusza / Fide
06.04.2026 – Anish Giri überzeugte mit seinen Verteidigungskünsten im Endspiel mit Turm gegen Läufer gegen Javokhir Sindarov und hielt das Remis – erst die zweite Partie, die Sindarov nicht gewann. Vor dem Ruhetag am Montag spielte Blübaum Remis gegen Hikaru Nakamura und Wei Yi überzeugte mit seinem ersten Sieg des Turniers gegen Andrey Esipenko. Fabiano Caruana konnte mit seinem Remis gegen Praggnanandhaa den Abstand zu Sindarov nicht verkürzen. | Foto: FIDE / Michal Walusza
Königsindisch-Fans, die zum Mar del Plata Angriff (7...Sc6) greifen, wenn Weiß das klassische System spielt (1.d4 Sf6 2.c4 g6 3.Sc3 Lg7 4.e4 d6 5.Sf3 0-0 6.Le2 e5 7.0-0), streben komplexe Stellungen mit beidseitigen Angriffen an offenen Flügeln an, in denen langfristige strategische Planung und taktische Aufmerksamkeit in kritischen Momenten gefragt ist. Computer wissen oft nicht, was in den entstehenden komplexen strategischen Stellungen zu tun ist, und das kommt Spielern entgegen, die gerne selber denken, anstatt lange theoretische Varianten auswendig zu lernen. Aber der zur Zeit moderne Bajonett-Angriff (9.b4) stört die schwarzen Pläne. Denn nach der schwarzen Hauptfortsetzung 9...Sh5 öffnet sich die Stellung und es kommt zu langen, forcierten Varianten, die man mit Computerhilfe analysieren kann. Diese DVD bietet ein gutes Mittel gegen den weißen Bajonett-Angriff: 9...a5! Dieser Zug führt zu gesunden Stellungen, in denen es nur wenig konkrete Varianten gibt und in der Strategie wichtiger als Taktik ist. Objektiv sind die Chancen ausgeglichen, aber wenn Schwarz die Stellung kennt, kann die Lage schnell kritisch für Weiß werden.
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