New York 1924, Runde 9: Capablanca überzeugt, Lasker hat Glück

von Johannes Fischer
13.05.2020 – Mit vier Remis und einer Niederlage startete Weltmeister José Raúl Capablanca schlecht in das New Yorker Turnier 1924. Aber mittlerweile scheint er wieder in Form zu sein und in Runde 9 besiegte er Efim Bogoljubov mit Schwarz mit einer positionellen Glanzleistung. Doch Tabellenführer bleibt weiter Emanuel Lasker, der einmal mehr eine verlorene Stellung retten konnte. Richard Reti zeigte die Vorzüge des "hypermodernen" Schachs. | Foto: José Raúl Capablanca (Archiv)

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Reti spielt Indisch, Capablanca positionell, Lasker hat Glück

Richard Reti gilt als einer der führenden Vertreter der sogenannten "Hypermodernen". Der Ausdruck "hypermodern" ist dabei eine ironische Anspielung und Abgrenzung zu den Theorien über die "richtige" Art Schach zu spielen, die Dr. Tarrasch 1912 in seinem Buch Die moderne Schachpartie vertreten hat.

Nach der Veröffentlichung dieses Buches entbrannten zwischen Aron Nimzowitsch als Vertreter der Hypermodernen und Dr. Tarrasch heftige Diskussionen. Einer ihrer Streitpunkte war dabei die "Zentrumsstrategie". Vereinfacht gesagt plädierte Dr. Tarrasch dafür, dass Zentrum mit Bauern zu besetzen, während Nimzowitsch darauf hinwies, dass auch Figuren das Zentrum beherrschen können. Wie gut eine solche Strategie in der Praxis funktionieren kann, zeigte Reti in Runde 9 in seiner Partie gegen Dawid Janowsky.

 

Unbeeindruckt von allen Theorien über moderne und hypermoderne Schachauffassungen pflegt Weltmeister José Raúl Capablanca einen eher klassisch positionellen Stil. Auf den ersten Blick wirkt sein Spiel unspektakulär, aber ihm gelingt es immer wieder, auch die besten Spieler der Welt mit scheinbar einfachen Mitteln zu überspielen. Seine Partie gegen Efim Bogoljubow liefert ein anschauliches Beispiel.

 

Emanuel Lasker wird gerne nachgesagt – oder vorgeworfen –, dass er immer wieder unverschämt viel Glück hat. Tatsächlich gelingt es Lasker auffällig oft, schlechte Stellungen erfolgreich zu verteidigen oder am Ende sogar noch zu gewinnen. Aber so gut und so zäh Lasker als Verteidiger auch sein mag, so grenzt es doch an ein Wunder, dass er in Runde 9 gegen Frank Marshall mit einem Remis davon kam.

 

Mit dieser glücklichen Rettung bleibt Lasker weiter der einzige Spieler noch ungeschlagene Spieler im Feld.

Eine scharfen Kampf lieferten sich Savielly Tartakower und Alexander Aljechin. Tartakower opferte in einem Schwerfigurenendspiel Material, um Aljechin unter Druck zu setzen, aber kam am Ende über ein Remis nicht hinaus.

 

Eine ganze Reihe hübscher taktischer Wendungen gab es auch im Duell zwischen dem Engländer Frederick Yates und dem Ungarn Geza Maroczy. Allerdings waren diese Verwicklungen für Schwarz günstig und so kam Maroczy zu seinem zweiten Sieg im Turnier, während Yates weiter am Tabellende bleibt.

 

An der Spitze der Tabelle liegt weiter Emanuel Lasker mit 6 Punkten aus 8 Partien. Dahinter folgen Aljechin und Capablanca, die beide auf 5,5 Punkte kommen. Allerdings war Capablanca bislang noch nicht spielfrei und hat so eine Partie mehr gespielt als Lasker und Aljechin.

Ergebnisse der 9. Runde

D. Janowsky 0-1 R. Reti
E. Bogoljubow 0-1 J. R. Capablanca
F. Marshall ½-½ Em. Lasker
F. Yates 0-1 G. Maroczy
S. Tartakower ½-½ A. Alekhine

Spielfrei: Edward Lasker

Stand nach neun Runden

Rg. Name 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 Pkt.
1 Emanuel Lasker   1 ½   ½ 1 ½ 1 1 ½   6.0
2 Alexander Alekhine 0   ½ 1 ½ 1 ½   1   1 5.5
3 Jose Raul Capablanca ½ ½   0 1 ½   1 ½ ½ 1 5.5
4 Richard Reti   0 1     ½ ½ 0 1 1 1 5.0
5 Saviely Tartakower ½ ½ 0     ½ ½ 1   ½ 1 4.5
6 Geza Maroczy 0 0 ½ ½ ½   1 0   ½ 1 4.0
7 Frank James Marshall ½ ½   ½ ½ 0   0 1   ½ 3.5
8 Efim Bogoljubow 0   0 1 0 1 1   0 ½   3.5
9 Dawid Markelowicz Janowski 0 0 ½ 0     0 1   1 ½ 3.0
10 Edward Lasker ½   ½ 0 ½ ½   ½ 0   0 2.5
11 Frederick Dewhurst Yates   0 0 0 0 0 ½   ½ 1   2.0

Partien

 

Links

 




Johannes Fischer, Jahrgang 1963, ist FIDE-Meister und hat in Frankfurt am Main Literaturwissenschaft studiert. Er lebt und arbeitet in Nürnberg als Übersetzer, Redakteur und Autor. Er schreibt regelmäßig für KARL und veröffentlicht auf seinem eigenen Blog Schöner Schein "Notizen über Film, Literatur und Schach".
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kpsd kpsd 13.05.2020 10:13
Die Rundenberichte von Johannes Fischer sind sehr einfühlsam und immer interessant. Glückwunsch!
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