New York 1924, Runde 10: Lasker überrennt Reti

von Johannes Fischer
14.05.2020 – Zwei klare Siege, drei Remis und viele verpasste Chancen - das war die Bilanz der 10. Runde des Turniers in New York. Emanuel Lasker überrannte Reti und Bogoljubow machte kurzen Prozess mit Yates, aber Capablanca vergab den Vorteil, den er sich gegen Marshall erstaunlich leicht gesichert hatte, zum Remis. Auch Tartakower nutzte seine Chancen gegen Janowsky nicht und Aljechin hatte Glück, dass er gegen Edward Lasker nicht verlor. | Foto: Emanuel Lasker (Archiv)

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New York 1924, Runde 10: Zwei klare Siege, viele verpasste Chancen

In Runde 9 stand Ex-Weltmeister Emanuel Lasker gegen Frank Marshall am Rande einer Niederlage, doch dieses knappe Remis scheint ihm in Runde 10 weiter Auftrieb gegeben zu haben. Mit einer ganzen Reihe energischer Züge widerlegte er das gekünstelt wirkende Spiel Retis.

 

Efim Bogoljubow gilt unter seinen Meisterkollegen als unerschütterlich optimistisch. In New York hat er mit 3 Siegen, 4 Niederlagen und nur einem Remis bislang eine gemischte Bilanz, aber in seiner Partie gegen Frederick Yates, dem Schlusslicht in der Tabelle, spielte er zuversichtlich und stark und kam zu einem problemlosen und einseitigen Sieg, den er sich am Ende mit einer hübschen Kombination sicherte.

 

Wenn man sich die Partien von Weltmeister José Raúl Capablanca anschaut, dann hat man manchmal den Eindruck, als ob ihm das Schachspielen zu leicht fällt. Gegen Frank Marshall stand der Kubaner mit Schwarz bereits nach neun Zügen klar besser, aber im weiteren Verlauf setzte er wie in seiner Partie gegen Aljechin in Runde vier nicht energisch genug fort und ließ Marshall ins Remis entschlüpfen.

 

Edward Lasker ist gelernter Ingenieur und der einzige Amateur im Feld. Aber bislang schlägt er sich in New York wacker, allerdings vergibt er im entscheidenden Moment immer wieder gute Chancen. Auch in seiner Partie gegen Aljechin spielte Edward Lasker stark, aber verpasste dann mehrere gute Möglichkeiten.

 

Auch Tartakower nutzte seine Möglichkeiten nicht. Er spielte mit Schwarz gegen Dawid Janowsky, der sich bereits früh zu einem Bauernopfer entschied, für das er allerdings nicht genügend Kompensation hatte. Doch im weiteren Verlauf der Partie verschaffte sich Janowsky diese Kompensation und so endete die Partie schließlich mit einem Remis durch Dauerschach.

 

Durch seinen Sieg gegen Reti konnte Emanuel Lasker den Vorsprung auf seine Rivalen weiter ausbauen. Nach zehn von 22 Runden liegt er mit 7 Punkten aus 9 Partien weiter alleine in Führung. Mit einem Punkt Rückstand folgen Aljechin und Capablanca mit je 6 Punkten. Allerdings hat Capablanca in Runde 11 spielfrei und so könnten Lasker und Aljechin ihren Vorsprung weiter erhöhen.

Ergebnisse der 10. Runde

F. Marshall ½-½ J.R. Capablanca
Em. Lasker 1-0 R. Reti
Ed. Lasker ½-½ A. Aljechin
F. Yates 0-1 E. Bogoljubow
D. Janowsky ½-½ S. Tartakower

Spielfrei: Geza Maroczy

Stand nach zehn Runden

Rg. Name 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 Pkt.
1 Emanuel Lasker   1 ½ ½ 1 1 ½ 1 1 ½   7.0
2 Alexander Alekhine 0   ½ ½ 1   ½ 1 1 ½ 1 6.0
3 Jose Raul Capablanca ½ ½   1 0 1 ½ ½ ½ ½ 1 6.0
4 Saviely Tartakower ½ ½ 0     1 ½ ½ ½ ½ 1 5.0
5 Richard Reti 0 0 1     0 ½ ½ 1 1 1 5.0
6 Efim Bogoljubow 0   0 0 1   1 1 0 ½ 1 4.5
7 Frank James Marshall ½ ½ ½ ½ ½ 0   0 1   ½ 4.0
8 Geza Maroczy 0 0 ½ ½ ½ 0 1     ½ 1 4.0
9 Dawid Markelowicz Janowski 0 0 ½ ½ 0 1 0     1 ½ 3.5
10 Edward Lasker ½ ½ ½ ½ 0 ½   ½ 0   0 3.0
11 Frederick Dewhurst Yates   0 0 0 0 0 ½ 0 ½ 1   2.0

Partien

 

Links




Johannes Fischer, Jahrgang 1963, ist FIDE-Meister und hat in Frankfurt am Main Literaturwissenschaft studiert. Er lebt und arbeitet in Nürnberg als Übersetzer, Redakteur und Autor. Er schreibt regelmäßig für KARL und veröffentlicht auf seinem eigenen Blog Schöner Schein "Notizen über Film, Literatur und Schach".
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