Zum Abend des Spieltages beginnen wir mit der Besprechung der Ergebnisse der deutschen Teams. Am folgenden Vormittag wird ein allgemeiner Bericht zu der 7. Runde der Schacholympiade veröffentlicht.
Die Partien im Duell Deutschland gegen die Türkei wurden im Endspiel entschieden. Im Fall von Matthias Blübaum gegen Ediz Gürel und Vincent Keymer gegen Yagiz Kaan Erdogmus wurden die Partien im Turmendspiel entschieden indem sich die Spieler auf ein Remis einigten. In beiden Fällen gab es keinen Gewinnweg mehr.
Rasmus Svane gewann durch einen Fehler seines Gegners Vahap Sanal im Endspiel mit ungleichfarbigen Läufern und Frederik Svane kam durch eine Taktik in großen Vorteil gegen Isik Can.
Die Paarungen: Deutschland gegen die Türkei
Ediz Gürel gegen Matthias BlübaumMatthias Blübaum beendete seine Partie gegen Ediz Gürel als Erster im Team Deutschland. In einem Turmendspiel mit jeweils zwei Türmen auf beiden Seiten und drei Bauern für Ediz Gürel mit Weiß gegen zwei Bauern für Matthias Blübaum mit Schwarz fand Weiß einen Weg, Schwarz in ein Dauerschach zu drängen. Schwarz hätte sonst den Bauern, den er weniger hatte, zurückgewonnen oder sogar Matt gesetzt.
Die Partie endete in einem Remis, weil Weiß Schwarz nach 35...Kf7 mit 36.Tc7+ Kf6 37.Tc6+ in ein Dauerschach drängen kann. Der schwarze König darf die fünfte Reihe (und die e-Linie) nicht betreten, weil der zweite Turm auf e5 steht. Der schwarze König kann sich innerhalb dieses Rechtecks auch nirgendwo verstecken.
Die größte Drohung von Schwarz ist – sollte Weiß kein Remis erzwingen – Ta1+ oder Td1+. Es kann noch ein Turm zwischen Turm und König ziehen, aber dieser würde nur geschlagen werden und es gäbe ein Schachmatt auf dem Brett. Die Mattdrohung ließe sich mit einem Turmzug auf die erste Reihe abwenden. Doch dann kann Schwarz den Bauern auf h2 schlagen und möglicherweise auch noch den g-Bauern gewinnen.
Matthias Blübaum erreichte in dieser Partie mit der Russischen Verteidigung das erhoffte Remis mit Schwarz.

Matthias Blübaum mit Schwarz gegen Ediz Gürel | Foto: Michal Walusza / FIDE
Keymers Partie gegen Erdogmus dauerte länger an als Blübaums Partie. 104 Züge dauerte das Duell der deutschen Nummer 1 gegen das türkische Jugendtalent an. Auch in dieser Partie kam es zu einem Turmendspiel.
Dieses Endspiel endet laut Tablebase bei idealem Spiel in einem Remis. Wer die Philidor-Stellung kennt, sollte dieses Endspiel mit Schwarz Remis halten können. Ab Zug 69 hatten die beiden Spieler nur noch ihre Türme auf dem Brett und Weiß hatte einen Bauern übrig, der in Zug 69 erst auf der fünften Reihe und später dann auf der sechsten Reihe stand. Es gab noch ein paar Tricks, die Weiß austesten konnte, aber Remis ist nach dieser Partie trotzdem ein vernünftiges Ergebnis.
Eine Taktik brachte Frederik Svane größeren Vorteil in der Partie gegen Isik Can.
Frederik Svane entschied sich für 30.b3 Sc3 31.Lxc3 bxc3. In dieser Stellung war es wichtig, aufmerksam zu sein und darauf aufzupassen, den c-Bauern nicht das Umwandlungsfeld erreichen zu lassen.
Vahap Sanal begann im Endspiel mit ungleichfarbigen Läufern einen entscheidenden Fehler gegen Rasmus Svane.
Der schwarze König muss den c7-Bauern nicht beschützen und kann sich mit 46...Kd5 in Richtung bewegen. Nach 47.Lxc7 b4 48.Ld8 Kxc5 49.fxe4 fxe4 wurde es ersichtlich, dass sich Weiß nicht mehr um alle schwarzen Freibauern kümmern konnte.
Auch schon vor dem Fehler von Weiß konnte Rasmus Svane entspannt spielen, da es sich in dem Endspiel um ein Spiel auf zwei Ergebnisse handelte. So konnte er ohne Druck versuchen zu gewinnen, ohne ein zu großes Risiko einzugehen, dass die Partie kippen würde und in einer Niederlage von ihm enden würde.
Nachdem Rasmus Svane drei Runden aussetzen musste, war dies ein guter Start zurück am Brett. Den besten Score hat momentan Frederik Svane im deutschen Team in der offenen Sektion.
Die Spieler sind in dieser Darstellung nach Elo sortiert, nicht nach dem Brett
In der Bestenliste der Spieler an Brett 3 befindet sich Frederik Svane mit 5,5/7 nach Runde 7 auf dem dritten Platz hinter Nodirbek Yakubboev (Usbekistan 1) und Ihor Samunenkov (Ukraine).

Nach Zweitwertung steht Deutschland nach Runde 7 auf dem 4. Platz. Nach Mannschaftspunkten allein stehen nur die Gastgeber aus Usbekistan vor dem deutschen Team. Deutschland ist punktgleich mit der Niederlande, Indien, Aserbaidschan und Armenien mit 12 von 14 möglichen Mannschaftspunkten. Usbekistan ist weiterhin nicht nur als Team ungeschlagen, bisher konnte auch noch keine Mannschaft dem ersten usbekischen Team ein Remis abringen.
... von insgesamt 206 Mannschaften in der offenen Sektion
Nach dem 3:1-Sieg gegen die Türkei spielt Deutschland am Donnerstag gegen Usbekistan 1, die Erstplatzierten. Nodirbek Abdusattorov (5,5/7, Brett 1), Javokir Sindarov (4,5/6, Brett 2), und Nodirbek Yakubboev (5,5/6, Brett 3) punkteten bisher sehr stark, weshalb es wahrscheinlich ist, dass Usbekistan auch gegen Deutschland mit den ersten drei Brettern in Topbesetzung antritt.
Keiner der fünf usbekischen Spieler verlor bisher eine Einzelpartie. Das Team um Vincent Keymer gewann zuvor gegen Usbekistan 3 und Usbekistan 2. Ein Sieg gegen Usbekistan 1 wird schwieriger zu erreichen sein.
Usbekistan gewann gegen China 3:1 | Foto: Rafal Oleksiewicz / FIDE
Partieanalyse Frederik Svane gegen Isik Can | Video: ChessBase
ChessBase 26 + Fritz 21: Das Sommer-Power-Bundle
Trainieren wie ein Champion. Spielen wie eine Legende.
Echter Fortschritt entsteht an zwei Orten: am Schreibtisch, wo Sie sich vorbereiten und analysieren, und am Brett, wo Sie sich im Ernstfall beweisen. Nur für eine Woche bringen wir beide ChessBase-Flaggschiffe in einem Bundle zusammen, damit Sie die Lücke zwischen beiden schließen. Vorbereiten mit ChessBase 26. Spielen gegen Fritz 21. Schneller besser werden, als es jedes Programm für sich allein möglich macht.
Dinara Wagner gegen Humpy Koneru | Foto: Michal Walusza / FIDE
In Runde 7 gewann Indien 3,5:0,5 gegen Deutschland. Die erfreuliche Nachricht aus deutscher Sicht aus dieser Runde ist, dass Elisabeth Pähtz Remis gegen Vaishali Rameshbabu spielte. Vaishali wird in der kommenden Weltmeisterschaft der Frauen gegen die amtierende Weltmeisterin antreten und um den Titel kämpfen.
Durch diese 0,5:3,5-Niederlage bleibt Elisabeth Pähtz die einzige Spielerin des deutschen Frauenteams, die bisher ungeschlagen ist. Pähtz steht bei 4,5 Punkten aus 6 Partien. Ein Remis gegen die Siegerin des Kandidatenturniers der Frauen ist ein starkes Ergebnis! Vergleicht man die Elo der Spielerinnen an den vier Brettern, ist erkennbar, dass die Frauen im deutschen Team in Runde 7 keine einfache Aufgabe vor sich hatten. Dinara Wagner hat 110 Elopunkte weniger als Humpy Koneru, Hanna Marie Klek hat 197 Elopunkte weniger als Divya Deshmukh und Lara Schulze hat 75 Elopunkte weniger als Shri B. Savitha. Die geringste Elodifferenz gab es zwischen Elisabeth Pähtz und Vaishali Rameshbabu. Die Differenz zwischen den beiden Spielerinnen an Brett 2 beträgt 65 Elopunkte.
Es folgte 40...hxg4 41.fxg4 a4 42.h5+ Kg5 und der weiße Angriff am Königsflügel verflachte.
Sechs weitere Züge wurden noch gespielt, aber retten ließ sich nach dieser Stellung die weiße Position nicht mehr. Um den a-Bauern aufzuhalten opferte Dinara Wagner ihren Läufer. Die ehemalige Weltmeisterin der Frauen im Schnellschach, Humpy Koneru, die Nummer 9 der FIDE-Weltrangliste der Frauen, gewann so die Partie gegen Dinara Wagner.
Dinara Wagner und Elisabeth Pähtz | Foto: Michal Walusza / FIDE
Hanna Marie Klek | Foto: Michal Walusza / FIDE
Elisabeth Pähtz teilt sich Punkt mit Vaishali | Foto: Michal Walusza / FIDE
Mit der zweiten Teamniederlage rutscht Deutschland auf Platz 17 nach Zweitwertung. Die Mannschaft um Dinara Wagner steht mit 10 Mannschaftspunkten punktgleich mit den Teams von Tabellenplatz 12 bis Platz 37 (England, Frankreich, Aserbaidschan, Polen, Schweiz und 20 weitere Mannschaften). Keine Mannschaft konnte alle Matches gewinnen, aber China und Kasachstan bleiben mit 13 von 14 möglichen Mannschaftspunkten weiterhin ungeschlagen.
... von insgesamt 190 Mannschaften in der Sektion der Frauen
In Runde 8 wird es ein deutschsprachiges Duell geben! Die Österreicherinnen um Olga Badelka werden die Gegnerinnen des deutschen Frauenteams um Dinara Wagner sein. Österreich spielte zweimal Remis, gegen die Niederlande und gegen Georgien, und verlor gegen Ukraine. In der siebten Runde gewannen sie 2,5:1,5 gegen Schottland.
Ein ausführlicher Artikel zu den Ergebnissen der siebten Runde bei der Schacholympiade folgt am 24.9.
Henderson De la Fuente: "Ich träume nicht vom Schach" | Video: ChessBase