Magnus Carlsen gewinnt "Croatia Grand Chess Tour"

von Klaus Besenthal
07.07.2019 – In der letzten Runde des GCT-Turniers in Zagreb hat Magnus Carlsen heute einen schnellen Sieg gegen Maxime Vachier-Lagraves Grünfeldinder erzielt. Mit der Wahl einer zweifelhaften Strategie hatte der Franzose an diesem Ausgang der Partie tatkräftig mitgewirkt. Weil Carlsen vor der Runde an der Tabellenspitze bereits einen halben Punkt Vorsprung gehabt hatte, war das Turnier damit frühzeitig zu Gunsten des Weltmeisters entschieden. Platz 2 ging an Wesley So, der gegen Levon Aronian mit Schwarz zu einem Remis kam. | Foto: Justin Kellar / Grand Chess Tour

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"2019 Croatia Grand Chess Tour" - Runde 11

Carlsen 1-0 Vachier-Lagrave

Maxime Vachier-Lagrave gilt als großer Kenner der Grünfeldverteidigung - heute jedoch stand er damit bereits nach 20 Zügen vor großen Problemen:  

 

Das war heute nicht berauschend: Maxime Vachier-Lagrave verlor sang- und klanglos mit seiner Lieblingseröffnung | Foto: Justin Kellar / Grand Chess Tour

Karjakin ½-½ Caruana

Karjakin stand lange Zeit besser, und es gelang ihm letztlich auch, sein "Benonizentrum" in einen Freibauern auf e7 zu verwandeln. Zum Gewinn reichte das nicht:

 

Nepomniachtchi 0-1 Giri

"Nepo" startete früh in der Partie eine groß angelegte taktische Operation, aber die ging komplett nach hinten los.

 

Zum Abschluss ein schöner Sieg: Anish Giri | Foto: Justin Kellar / Grand Chess Tour

Mamedyarov ½-½ Ding Liren

Mamedyarov hatte eigentlich eine klare Gewinnstellung erreicht, doch ebenso schnell entglitt ihm diese wieder:

 

Nakamura ½-½ Anand

Die Partie blieb stets innerhalb der Remisbreite, während die Spieler über gut 40 Züge hinweg das gesamte Material abtauschten:

 

Hikaru Nakamura landete sieglos auf dem ungewohnten letzten Platz | Foto: Justin Kellar / Grand Chess Tour

Aronian ½-½ So

Vielleicht hätte sich Wesley So noch länger an den Mehrbauern klammern können, über den er temporär verfügen konnte, aber mit Blick auf den Endstand war es egal: Mit einem Sieg wäre der Amerikaner Zweiter gewesen - mit dem letztendlichen Remis war er es auch.

 

Ergebnisse der 11. Runde

 

Endstand nach 11 Runden

 

Partien

 

Live-Kommentar der 11. Runde

Yasser Seirawan, Jovanka Houska und Alejandro Ramirez kommentieren live

Links




Klaus Besenthal ist ausgebildeter Informatiker und ein begeisterter Hamburger Schachspieler. Die Schachszene verfolgt er schon seit 1972 und nimmt fast ebenso lange regelmäßig selber an Schachturnieren teil.
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Pemoe6 Pemoe6 10.07.2019 01:54
Ich glaube, DoktorM will auf etwas anderes hinaus, etwas dass die meisten Amateurschachspieler als "Angstgegner" kennen: Jemand hat vielleicht sogar weniger ELO als man selbst, aber man hat noch nie im Leben gegen ihn gewonnen. Eine Stilfrage oder eine psychologische Barriere? Wahrscheinlich Letzteres . Die Frage ist, ob es das bei professionellen Spielern, noch dazu bei Top-GMs auch gibt? Irgendwie kommen mir da aus alten Zeiten auch Kasparow und Fischer in den Sinn ... haben da die Gegner entsprechend ihrem ELO-Erwartungswert Punkte geholt? Oder war es auch dort deutlich weniger? Das nachzuvollziehen, wäre mal interessant.
LionJo LionJo 09.07.2019 11:04
Ich würde auf DoktorM mit Rückfragen antworten: Kann man es für wahrscheinlich halten, dass ein Sportler, egal in welcher Sportart, viele Jahre lang die Nr. 1 der Welt ist, weil die Gegner zu schlecht sind? Und kann man es für wahrscheinlich halten, dass ein Sportler, egal in welcher Sportart, nicht ausreichend motiviert ist, wenn er vor Publikum sein Können gegen den Besten der Welt zeigen kann?

Ich denke, die Fragen beantworten sich von selbst. Man darf auch nicht vergessen, dass die Wahrscheinlichkeit eines Fehlers steigt, wenn der Gegner einen mit vielen starken Zügen in Folge unter Druck setzt. Außerdem werden viele Fehler nur durch den Computer offensichtlich. Am Brett ist das etwas anderes, für jeden Spieler, egal welcher Klasse.

Carlsens letzte Partie gegen Vachier (MVL) ist nicht das beste Beispiel, aber immerhin ein Beispiel. Der Berichterstatter schreibt, MVL hätte eine zweifelhafte Strategie gehabt. Ich stimme zu. Aber MVL ist kein Vollidiot, und dass seine Strategie nicht aufging, hat nur die Partie gezeigt. Immerhin hatte er mit seinem Lg7 und der Turmverdoppelung starken Druck gegen den d-Bauern. Und da muss man als Weißspieler erstmal die richtigen Ideen finden. Für einen Computer ist das leicht, für einen Menschen nicht. Carlsen hat dann hervorragend mit seinem Läuferpaar laviert und dafür gesorgt, dass er im richtigen Moment d4-d5 ziehen konnte. Sah einfach aus, aber da konnte man auch viel falsch machen. Ich behaupte mal, dass so mancher Weltklassespieler diese Stellung nicht gewonnen hätte. Im Übrigen glaube ich nicht, dass andere Spitzenspieler derzeit schlecht sind, sondern auch ein gutes Niveau haben. Caruana, So, Nepo und auch andere. Sehr gut gefallen hat mir z.B. die Partie von Carlsen gegen Aronian. Viele interessante Ideen und insgesamt ein hohes Level auf beiden Seiten, daher zurecht remis. Ich will nicht wieder zu kritisch sein, aber manchmal ist doch eine gewisse Tendenz zu beobachten, großartige Leistungen etwas abzuwerten.
DoktorM DoktorM 09.07.2019 03:56
Carlsen ist zur Zeit der beste Schachspieler. Das liegt auch daran, dass seine Gegner es ihm oft nicht gerade schwer machen. Wir reden hier von Spielern mit 2750 ELO aufwärts, die den Übergang ins Endspiel völlig falsch einschätzen, vergleichsweise einfache Stellungen taktisch vergeigen oder bereits in der Eröffnung merkwürdig spielen und in einer schwierigen Stellung landen. Beispiele findet man auch bei diesem Turnier einige. Die Frage ist, woran das liegt. Sind die Gegner Carlsens nicht motiviert genug?
Krennwurzn Krennwurzn 09.07.2019 12:06
Es ist doch immer ganz einfach ;-) Gewinnt Carlsen ist alles super - ansonsten ist er ein richtiger …
Der Fan denkt gerne schwarz-weiß ;-)
Ocrana Ocrana 09.07.2019 11:58
@ LionJo: Zum Thema Schach: Carlsen wurde in der Vergangenheit tatsächlich oftmals harsch kritisiert. Dass er die 12. Partie gegen Caruana nicht weitergespielt hat, fand ich zwar schade, aber im Endeffekt hat im das Ergebnis des Tiebreaks Recht gegeben.
Und eines stimmt zweifelsohne: Carlsen ist einer der kämpferischsten Spieler der Weltelite - wenn nicht sogar der kämpferischste. Es ist erstaunlich, wie er Stellungen zum Gewinn führt, die andere schon längst Remis gegeben hätten. Früher wurde ihm vorgeworfen, er würde Spieler wie Anand aussitzen und nur von deren Fehlern profitieren. Mittlerweile ist Carlsen aber auch schon fast 30 und spielt wie zu seinen besten Zeiten mit ca. 23, 24 Jahren. Carlsen ist einfach besser als alle anderen.
LionJo LionJo 08.07.2019 11:29
Ui, das war wirklich der erste Internetkommentar meines Lebens...ich dachte, auf einer Website für Schach ginge es um Schach. Da war ich wohl etwas naiv.

Also ich bekenne mich schuldig. Ich habe provoziert und in unzulässiger Weise verallgemeinert. Nicht alle Deutschen werden von Neid und Missgunst getrieben, und manche können sogar etwas selbstironisch sein.

Herr Boeser Wolf, ich hoffe, Sie haben Verständnis, dass mir für ein Bekenntnis zu Ihrem Rassismusvorwurf etwas die Fantasie fehlt, aber ich entschuldige mich trotzdem gerne bei Ihnen. Ich gehe fest davon aus, dass Sie nicht zu der Gruppe meiner Landsleute gehören, an die ich bei der Wahl des streitbaren Begriffs dachte.

Aber eigentlich ging es mir um etwas ganz anderes. Wann immer Carlsen schwächere Phasen hatte, die jeder Profisportler in jeder Sportart früher oder später durchläuft, gab es haufenweise respektlose Kommentare zu lesen. Eingeschossen wurde sich auch auf sein sonstiges Verhalten. Wie kann man bei einer Siegerehrung kein Zahnpastalächeln aufsetzen, wenn man gerade den ersten Platz verpasst hat? Wie kann man eine zum 374igsten Mal gestellte Frage auf einer Pressekonferenz lustlos beantworten? Meine Güte, er ist ein junger Mann, der natürlich nicht immer alles richtig macht. Aber ist das alles solch ein Drama? Und dann noch die Legende um die 12. WM-Partie gegen Caruana. Wer sich die Partie wirklich im Detail anschaut, wird sehen, dass er zwar starke Züge ausgelassen, aber in der Endstellung keinen klaren Gewinnplan mehr hatte. Das hat auch Caruana so gesehen. Aber der Computer zeigt einen Stellungsvorteil von 0,6 an. Wie kann Carlsen es da wagen, Remis anzubieten und die ganze Schachwelt zu enttäuschen? Dass er in den letzten Jahren der kämpferischste Spieler in der ganzen Weltspitze war, war plötzlich total vergessen. Kritik gab es also im Überfluss. Und jetzt spielt er seit einem halben Jahr absolut herausragend, und ich lese....gar nichts. Nur deswegen mein Beitrag.
Ocrana Ocrana 08.07.2019 06:16
Wer hat denn gesagt, dass ich Sozialist bin? Links = sozialistisch ist ebenso stereotyp wie von einer nordmännischen Überlegenheit Carlsens zu sprechen. Es ist interessant, dass manche Mitbürger sich gegen Stereotypen wie deutschtypisch verwahren, aber im selben Atemzug von anderen Stereotypen reichlich Gebrauch machen.
Karl Hackenmeier Karl Hackenmeier 08.07.2019 05:00
Was ist denn jetzt "deutschtypisch", insbesondere im Hinblick auf weitere Beschreibungen der nordmännischen, carlsenschen Überlegenheit ? Was erlaubt die Sprachpolizei ? Der linksgedrehte Ocrana und undeutsche (?) LionJo müssen unbedingt Auskunft geben. Gerade zum 30. Jahrestages des Mauerfalls sind Anregungen besonders von sozialistischen Mitbürgern gern willkommen... ^^
Ocrana Ocrana 08.07.2019 01:55
@BoeserWolf:
"Nur weil es gegen Deutsche geht sind solche Aussagen nicht plötzlich eine sprachliche Finesse." Das habe ich nicht gesagt und hat mit Deutschen oder Nicht-Deutschen nichts zu tun. Es wäre nett, wenn Sie beim Gehalt meiner Aussage bleiben und mir nicht irgendetwas andichten würden.

Nach der Definition von Rassismus betrachten Rassisten bestimmte Rassen höherwertiger als andere. Die Stereotype, die LionJo verwendet hat, lässt von dieser Abstufung der Rassen in höher- und minderwertig nichts erkennen.

Nicht das wir uns falsch verstehen - mein Herz schlägt links - aber Sie pauschalisieren genauso wie LionJo: Alle Stereotypen sind rassistisch. Solche Pauschalisierungen sollten wir lieber der AfD überlassen.
Boeser Wolf Boeser Wolf 08.07.2019 12:40
@Orcana: Ich empfinde hingegen die Aussage "deutschtypisch" als Beleidigung. Warum sollte wer alle Menschen eines Landes über einen Kamm schert kein Rassist sein? Nur weil es gegen Deutsche geht sind solche Aussagen nicht plötzlich eine sprachliche Finesse. Warum sollte ich solchen Unfug unwidersprochen lassen?
Ocrana Ocrana 08.07.2019 11:49
@BoeserWolf: Der Begriff "deutschtypisch" ist sicherlich eine Verallgemeinerung, aber deshalb noch lange keine rassistische Stereotype. Nach Ihrer Logik wäre dann auch eine Aussage wie "Südländer sind heißblütig" ebenfalls rassistisch. Man mag Pauschalisierungen grundsätzlich kritisieren, aber nicht jede Pauschalisierung hat etwas mit Rassismus zu tun, sondern dient oftmals nur der Pointierung. Ich empfinde Ihre Aussage als Beleidigung gegenüber LionJo.
ArmerLinzerHans ArmerLinzerHans 08.07.2019 11:41
Die Partie Nepomniachtchi Giri gibt Rätsel auf; steht Weiß nach Neunundwanzig Tg acht nicht im Schach ? Und kein Murren und kein Schiedsrichterpfiff ?? Ich kann heute im Kommentar keine Zahlen eingeben ! Bitte um Aufklärung ! Freundliche Grüße aus Wien Johann Linzer
Boeser Wolf Boeser Wolf 08.07.2019 11:14
@LionJo
Deutschtypisch? Was wollen Sie uns mit dieser rassistischen Stereotype sagen?
gerreg gerreg 08.07.2019 08:54
Sehe das genau so. Carlsen hat ein einzigartiges Schachverständnis. Er hat es geschafft, viele Ideen von AlphaZero-Partien zu verstehen und für sich selber umzusetzen. Hier ein spannender Artikel zu den Hintergründen seiner phänomenalen Entwicklung in den letzten Monaten:
https://www.spiegel.de/sport/sonst/schach-magnus-carlsen-profitiert-von-alphazero-und-daniil-dubow-a-1274072.html
siamaksadeghi siamaksadeghi 08.07.2019 08:41
Herzlichen Glückwunsch an Magnus Carlsen für die ausgezeichnete Leistung und den Turniersieg!
LionJo LionJo 07.07.2019 11:10
Die Leistungen von Carlsen in den letzten Monaten sind einfach phänomenal. Das kommt in den rein computerbasierten "Analysen" auf dieser Seite leider nicht richtig zum Ausdruck. Carlsens Schachverständnis hat einen unglaublichen Höhepunkt erreicht. Es ist wirklich ein Genuss, sich seine Partien anzusehen. Und die teilweise respektlosen deutschtypisch missgünstigen Kommentare, die hier in den vergangen Jahren immer wieder zu lesen waren, sind durch seine Performance bei den letzten Turnieren mehr als widerlegt worden.
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