15.04.2026 – Die 14. und letzte Runde des Kandidatenturniers bot noch einmal unterhaltsames Schach, auch wenn Javokhir Sindarov bereits als Sieger feststand. Leider ging die Unterhaltung auf Kosten von Matthias Blübaum, der mit Weiß gegen Anish Giri einen taktischen Trick übersah und schnell unter die Räder kam. Ein versöhnlicher Abschluss eines insgesamt enttäuschenden Turniers gelang hingegen Fabiano Caruana: Er spielte mit Schwarz gegen Andrey Esipenko eine Modellpartie im Drachen-Sizilianer. Sindarov und Wei Yi trennten sich schnell Remis, genau wie Praggnanandhaa und Hikaru Nakamura. | Foto: Nils Rohde
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Javokhir Sindarov ½–½ Wei Yi
Javokhir Sindarov stand bereits vor der Schlussrunde als Turniersieger fest, und so konnte er sich in der letzten Runde mit Weiß ein schnelles Remis gegen Wei Yi erlauben. Nach 32 Zügen und nicht einmal zehn Minuten war die Punkteteilung perfekt.
Mit diesem Remis kommt Sindarov auf 10 Punkte aus 14 Partien, ein überragendes Ergebnis. Er holte sechs Siege und spielte 8 Mal Remis, so erfolgreich war bei den Kandidatenturnieren seit 2013 kein anderer Spieler. Und in keiner einzigen seiner 14 Partien stand Sindarov wirklich kritisch oder auf Verlust.
Javokhir Sindarov (links, mit Weiß) ist der verdiente und klare Sieger des Kandidatenturniers 2026 | Foto: Nils Rohde
Beeindruckend war auch Sindarovs gute Eröffnungsvorbereitung und die Schnelligkeit seines Spiels. Meistens hatte er nach der Eröffnungsphase mehr Zeit auf der Uhr und eine gute Stellung. Seine starke Vorstellung in Zypern brachte ihm nicht nur die Chance auf den Weltmeistertitel, sondern auch ein Elo-Gewinn von 30,6 Punkten, damit liegt er in der Live-Weltrangliste mit 2775,6 Punkten auf Rang 5.
Allerdings ist er in Usbekistan immer noch die Nummer 2. Denn Nodirbek Abdusattorov liegt mit einer Zahl von 2780 knapp vor ihm auf Platz 4.
Es scheint, als wäre Sindarov mit einem guten Team nach Zypern gekommen. Nach der Runde sprach Arne Kähler mit Mukhiddin Madaminov, dem Sekundanten Sindarovs.
Wei Yi kommt mit dem Schlussrundenremis gegen Sindarov auf 7 auf 14 und wird Vierter, aber dennoch blieb der Chinese, der von vielen als Geheimtipp gehandelt wurde, hinter den Erwartungen zurück. Er gewann zwei Mal gegen Esipenko, gegen die sechs anderen Spieler konnte er keinen einzigen vollen Punkt holen.
Matthias Blübaum 0-1 Anish Giri
In Wijk aan Zee Anfang des Jahres hatte Matthias Blübaum mit Weiß gegen Anish Giri gewonnen, in der Schlussrunde des Kandidatenturniers gelang Giri die Revanche. In einer scharfen, taktisch komplizierten Stellung verlor Blübaum die Übersicht und übersah einen versteckten taktischen Trick des Schwarzen. Nachdem sich der Rauch verzogen hatte, stand Blübaum vor den Trümmern seiner Stellung: Er hatte eine Figur weniger und kein Gegenspiel. Giri gewann schnell.
Matthias Blübaum | Foto: Nils Rohde
Mit diesem Sieg beendet Giri das Kandidatenturnier mit 8,5 Punkten aus 14 Partien. Er spielte ein hervorragendes Turnier, aber das reichte nur zum undankbaren zweiten Platz, da Sindarov überragend gespielt hat. Immerhin gewann Giri in Zypern 14 Elo-Punkte hinzu und liegt jetzt in der Live-Weltrangliste mit einer Zahl von 2767 auf Platz 6, knapp vor Vincent Keymer.
Anish Giri spielte ein starkes Turnier, aber musste mit Platz zwei vorlieb nehmen. | Foto: Nils Rohde
Für Blübaum endet das Kandidatenturnier nach dieser bitteren Niederlage jedoch enttäuschend. In den bisherigen 13 Runden hat er mit 12 Remis und nur einer Niederlage gezeigt, dass er auch gegen die stärksten Spieler der Welt mithalten kann, aber die Schlussrunde hat seine gute Bilanz verdorben. Er kommt auf einen Gewinn von 1,4 Punkten, aber fällt wieder unter die Marke von 2700 und liegt jetzt mit einer Zahl von 2696,4 auf Platz 34 der Weltrangliste.
Andrey Esipenko 0-1 Fabiano Caruana
Fabiano Caruana war als klarer Favorit ins Kandidatenturnier gegangen, aber nach guten Start kam Sand ins Getriebe und er musste sich vom Traum, doch noch einmal um die Weltmeisterschaft zu spielen, bald verabschieden. Aber in der letzten Runde zeigte er mit Schwarz gegen Andrey Esipenko noch einmal, warum er als Favorit ins Rennen gegangen ist. In einem Drachen-Sizilianer, der als Najdorf-Sizilianer begann, gelang ihm eine Modellpartie.
So kommt Caruana am Ende auf 7,5 Punkte aus 14 Partien und wird Dritter hinter Sindarov und Giri.
Esipenko hingegen bleibt weiter ohne Sieg und landet mit 4,5 auf dem letzten Platz.
Nach Partie und Turnier sprach Caruana kurz mit Arne Kähler
Praggnanandhaa ½–½ Hikaru Nakamura
Ein schnelles Remis spielten auch Praggnanandhaa und Hikaru Nakamura. Allerdings lieferten sich die beiden einen unterhaltsamen taktischen Schlagabtausch, der aber nach 33 Zügen in ausgeglichener Stellung zu einem Remis durch Zugwiederholung führte.
Hikaru Nakamura | Foto: Nils Rohde
Mit diesem Remis kommt Nakamura auf 6,5 Punkte aus 14 Partien und wird Fünfter. Da er als Nummer 1 der Setzliste ins Turnier gestartet ist, sicher eine Enttäuschung.
Auch Hikaru Nakamura sprach mit Arne Kähler
Einen halben Punkt hinter Nakamura folgt Praggnanandhaa mit 6 aus 14 und landet zusammen mit Matthias Blübaum auf den Plätzen sechs und sieben. Auch er wird sich sicher mehr erhofft haben.
Johannes FischerJohannes Fischer, Jahrgang 1963, ist FIDE-Meister und hat in Frankfurt am Main Literaturwissenschaft studiert. Er lebt und arbeitet in Nürnberg als Übersetzer, Redakteur und Autor. Er schreibt regelmäßig für KARL und veröffentlicht auf seinem eigenen Blog Schöner Schein "Notizen über Film, Literatur und Schach".
14.04.2026 – Javokhir Sindarov hat es geschafft! Mit einem souveränen Remis gegen Anish Giri in Runde 13 sicherte sich der 20-jährige Usbeke den Sieg im Kandidatenturnier und darf später in diesem Jahr gegen Gukesh um die Weltmeisterschaft spielen. Nach der Runde fand der frisch gebackene Turniersieger noch Zeit für ein kurzes Interview mit Arne Kähler. Genau wie Sindarovs Trainer und "Geheimwaffe", Roman Vidonyak. | Foto: Nils Rohde
09.04.2026 – Javokhir Sindarov ist beim Kandidatenturnier weiter in bestechender Form und gewann in Runde 10 überzeugend gegen Praggnanandhaa. Sindarov, der vor der Runde mit 1,5 Punkten Vorsprung klar in Führung lag, versuchte gar nicht erst, diesen Vorsprung mit vorsichtigem und solidem Spiel über die Ziellinie zu retten, sondern ließ sich gegen Praggnanandhaa auf eine zweischneidige und komplizierte Stellung ein. Dieser Mut bescherte ihm einen überzeugenden Sieg. Die drei anderen Partien der Runde endeten mit Remis, und so hat Sindarov vier Runden vor Schluss wieder zwei Punkte Vorsprung. Und er hat in Runde 10 nicht den Eindruck gemacht, als ob er auf der Zielgeraden straucheln könnte. | Foto: Michal Walusza / Fide
Nach 1.d4 c5 2.d5 g6 3.c4 Lg7 ergibt für Schwarz eine interessante positionelle Möglichkeit, wenn Weiß hier mit dem natürlichen Zug 4.Sc3 fortsetzt. Schwarz kann nämlich mit4...Lxc3 Weiß einen hässlichen Defekt in seiner Bauernstruktur verschaffen. Dabei gibt Schwarz zwar seinen Fianchetto-Läufer auf, erhält aber auch eine Reihe von Vorteilen und einen klaren strategischen Plan. Oft wird nach dem Wiedernehmen auf c3 (5.bxc3) mit 5...f5 fortgesetzt, wodurch Schwarz das weiße Spiel im Zentrum mit e2-e4 unterbindet. Da der in die USA ausgewanderte starke georgische Großmeister Romandzindzichashvili gerne so spielte, wird diese Verteidigung Dzindzichashvili-Indisch, bzw. kurz: Dzindzi-Indisch genannt. Heute wenden auch starke Spieler wie Radoslaw Wojtaszek und Hikaru Nakamura sie gelegentlich an. Kenneth Nahnsen hat sich mit dieser interessanten Eröffnung intensiv auseinandergesetzt und stellt die wichtigsten Ideen und Varianten in sieben Video-Lektionen mit einer Gesamtlaufzeit von ca. 60 Minuten vor. Mit Dzindzi-Indisch können Sie ihren Gegner ohne große Vorbereitung von Anfang an in die Defensive drängen.
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