15.09.2017 – "Vielleicht" antwortet Levon Aronian mit ernster Miene, als er nach der Partie gefragt wird, ob dies der einfachste Sieg im bisherigen Turnier war. Sein Gegner Vasily Ivanchuk gehört zwar zu den ganz Großen der Zunft, erwischte heute aber einen rabenschwarzen Tag: verkorkste Eröffnung, schlechtes Zeitmanagement und am Ende fiel seine Ruine einfach auseinander. Die anderen drei Begegnungen endeten alle Remis | Foto: Lennart Ootes
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Drei Mal Remis und Aronians Sieg
Verschiedene Strategien verfolgten die acht verbliebenen Teilnehmer in der heutigen ersten Partie der 5. Runde. Während Richard Rapport sich trotz Anzugsvorteil mit einem schnellem Remis zufrieden gab, strebten Peter Svidler und Levon Aronian bereits aus der Eröffnung heraus ein kompliziertes Mittelspiel an. Vladimir Fedoseev wurde von Wesley Sos russischer Verteidigung hingegen früh der Zahn gezogen.
Rapport 1/2 Ding
Liren Ding hatte nach seinem glatten Sieg über Wang Hao gestern frei und konnte sich regenerieren. Ein wichtiges Detail in einem solchen langen und kräftezehrenden Wettbewerb. Richard Rapport spielte gestern hingegen ein Tiebreak. Heute entschied er sich dann dafür, den Arbeitstag früh zu beenden. Ein Remis nach 11 Zügen - so die Bilanz.
Fedoseev 1/2 So
"Russisch wird das neue Berlin" - so oder so ähnlich kommentierte Ivan Sokolov bereits mehrmals die Wahl mancher Schwarzspieler. Und es gab in Tiflis reichlich Gelegenheit dazu: Baadur Jobava spielte hier bereits Russisch, ebenso Anish Giri, Li Chao, Alexander Grischuk, Fabiano Caruana...die Liste der Verfechter dieser grundsoliden Variante ist lang. Wesley So vertraute in der wichtigen Tiebreak-Partie gegen Jobava darauf und auch heute setzte er die Remiswaffe ein. Dem Taktiker Vladimir Fedoseev verdarb er damit früh die Lust. Als sich nach 18 Zügen ein Generalabtausch auf der e-Linie andeutete, hatte der junge Russe bereits genug gesehen und willigte in die Punkteteilung ein.
Aronian 1-0 Ivanchuk
Für Levon Aronian lief heute alles wie am Schnürchen. Vasily Ivanchuk verpatzte die Eröffnung, wonach er keine Chance mehr bekam. Ein glatter Durchschuss.
Interview Levon Aronian
Für Aronian ein großartiges Ergebnis. Nachdem die letzten Tage viel darüber spekuliert wurde, ob der Wahlberliner die besten Chancen auf die Wildcard für das in Berlin stattfindende Kandidatenturnier haben sollte, schickt sich der Armenier an, die Sache mit der Qualifikation selbst in die Hand zu nehmen. Zudem festigt er seinen Rang 2 in der Weltrangliste und ist aktuell der einzige Spieler der Top-10, der in Tiflis einen Elozuwachs verzeichnen kann.
Sieger des Tages: Levon Aronian | Foto: Maria Emelianova
Svidler 1/2 Vachier-Lagrave
Mächtig unter Druck befand sich heute Maxime Vachier-Lagrave. Nach missglückter Eröffnung geriet er in ein stukturell problematisches Mittelspiel, in dem es für ihn keinen Blumentopf zu gewinnen gab.
Doch MVL bewies einmal, dass er schwer zu bezwingen ist. Unter zeitweiligem Bauernopfer befreite er Stück um Stück seine Position.
Nachdem beide Leichtfigurenpärchen vom Brett verschwanden, stellte Svidler seine Gewinnversuche nach der Zeitkontrolle ein.
Marco BaldaufMarco Baldauf, Jahrgang 1990, spielt seit seinem sechsten Lebensjahr Schach. Zwei Mal wurde er Deutscher Jugendmeister, seit 2015 spielt er für die Schachfreunde Berlin in der Bundesliga. Für Chessbase schreibt er gelegentlich auf der Homepage, kommentiert live oder versucht sich als Autor von Fritztrainern.
Grossartiger Sieg von Levon! Auch wenn er nicht Weltcupsieger wird so MUSS er einfach die Wildcard bekommen, für mich ist er unter den Top 10 schon jetzt der Spieler des Jahres.
Aber auch Chucky ist und bleibt eine der stärksten Spieler überhaupt, wenn nicht sogar der heimliche Champion. Er kann einfach alle Weltkassespieler deutlich schlagen, aber nur, wenn er einen guten Tag hat. Zu oft steht er sich scheinbar selbst im Weg. Wenn er in seiner Karriere konstanter gespielt hätte, wäre er sicher für lange Zeit Weltmeister gewesen. Ich hoffe, wir werden noch viel mehr von ihm sehen und er bekommt mehr Einladungen für Spitzenturniere, das hätte er sich redlich verdient. Go Chuky go!
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