Samarkand Runde 7 Open: Usbekistan setzt Siegesserie fort, Deutschland schlägt Türkei

von Carlos Colodro
24.09.2026 – Usbekistan liegt nach der siebten Runde der Schacholympiade bereits zwei Punkte vor den Verfolgern. Gegen China gelang der siebte Sieg in Folge – 3:1 hieß es am Ende. Die entscheidenden ganzen Punkte erzielten Nodirbek Abdusattorov und Nodirbek Yakubboev. Damit sind die Gastgeber weiterhin das einzige Team, das an allen Brettern ungeschlagen ist. Armenien, Indien, Deutschland, die Niederlande und Aserbaidschan bilden die Verfolgergruppe. In Runde 8 fordert das starke DSB-Team die Usbeken heraus. | Foto: Rafal Oleksiewicz / FIDE

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Zwei unbezwingbare Nodirbeks 

Die Heimolympiade in Usbekistan verläuft weiterhin perfekt. Nach sieben Runden sind die Gastgeber das einzige Team mit einer perfekten Bilanz: 14 von 14 Mannschaftspunkten. Der 3:1-Sieg am Mittwoch gegen China verschaffte ihnen einen Vorsprung von zwei Punkten auf die Verfolger.

Die entscheidenden Punkte erspielten dabei die beiden Nodirbeks, die beide mit Weiß spielten. Nodirbek Abdusattorov besiegte den ehemaligen Weltmeister Ding Liren am ersten Brett, Nodirbek Yakubboev gewann am dritten Brett gegen Yu Yangyi.

An den beiden anderen Brettern wählten Javokhir Sindarov und Mukhiddin Madaminov mit Schwarz scharfe Eröffnungen gegen Wei Yi und Xu Xiangyu und behielten in beiden Partien die Kontrolle. Nachdem China und Armenien ihre ersten Einzelniederlagen im Turnier hinnehmen mussten, ist Usbekistan nun das einzige Team, das an allen Brettern noch ungeschlagen ist.

Abdusattorov erzielte bisher an Brett 1 5,5 von 7 Punkten und erreichte damit eine Elo-Performance von 2856. In der Live-Weltrangliste legt er damit 10 Wertungspunkte zu und klettert auf Platz 5. Yakubboev kann das aber sogar noch toppen: Er erzielte bislang 5,5 von 6 Punkten, was eine großartige Performance in Höhe von 2933 bedeutet. Durch seinen Zuwachs von 28,4 Wertungspunkten verbesserte er sich auf Platz 25 der Weltrangliste mit über 2700 Punkten.

Doch auf ihren Lorbeeren ausruhen dürfen sich die Usbeken nicht: Usbekistan trifft am Donnerstag in der achten Runde auf das starke DSB-Team.

Abdusattorov gegen Ding

Dings Entscheidung, so früh ...f7-f5 zu spielen, führte zwar zu einer Schwäche auf e6, zeugte aber von seinem Kampfgeist im Turnierverlauf. Hier, bereits unter Zeitdruck, patzte er mit dem recht ambitionierten Zug 22…Ta7?, 22…Rad8 und damit die einfache Verteidigung des d-Bauern, wäre wohl die bessere Wahl gewesen.

Nach 23.Lxd4 folgte 23…Td7 24.Lxc5 Txd3 25.Te3. Bei noch zwölf Minuten Bedenkzeit gegenüber Abdusattorovs 33 Minuten patzte Ding erneut mit 25…Te8?.

Der Ex-Weltmeister hätte mit 25…Txe3 die Türme tauschen und mit 26.Lxe3 f4 fortfahren sollen, um eine vereinfachte Stellung mit Läufern ungleicher Farben zu erreichen, die jedoch immer noch eine präzise Verteidigungstechnik erfordert hätte, um mit der weißen Mehrheit am Damenflügel fertigzuwerden.

Stattdessen versuchte Ding, durch die Verdopplung seiner Türme Gegenspiel zu erzeugen. Abdusattorov meisterte die daraus resultierende Situation bestens und nutzte seine Initiative optimal, um weiter Raumgewinn zu erzielen. Schließlich erlangte er zwei verbundene Freibauern auf der b- und c-Linie.

Weiß behielt mit seinen Hauptfiguren die Kontrolle am Königsflügel, während die Freibauern am anderen Flügel bequem vorrückten. Ding gab im 45. Zug auf.

Javokhir Sindarov, Nodirbek Abdusattorov

Javokhir Sindarov und der Armenier Haik Martirosyan verfolgen den Kampf zwischen Nodirbek Abdusattorov und Ding Liren aufmerksam. | Foto: Rafal Oleksiewicz / FIDE

Nodirbek Yakubboev

Lokalmatador Nodirbek Yakubboev. | Foto: Rafal Oleksiewicz / FIDE

Fünf Teams in Schlagdistanz

China und Armenien gingen mit nur einem Mannschaftspunkt Rückstand auf die Tabellenführer in die siebte Runde. Nach der Niederlage verlor China natürlich an Boden, während Armenien durch ein 2:2-Unentschieden gegen die USA im ersten Verfolgerfeld blieb. Zu dieser Gruppe gehören auch Indien, Deutschland, die Niederlande und Aserbaidschan, die alle 12 von 14 Matchpunkten aufweisen.

Der Wettkampf zwischen Armenien und den Vereinigten Staaten endete mit zwei entschiedenen Partien. Awonder Liang besiegte Gabriel Sargissian. Der junge Amerikaner, der zum ersten Mal an einer Olympiade teilnimmt, sicherte sich mit seinem zweiten Sieg eine ausgeglichenen Bilanz nach zwei Niederlagen in der zweiten und dritten Runde. Gleichzeitig fügte er Armenien die erste Einzelniederlage zu. Robert Hovhanissyan gewann anschließend ein schwieriges, ausgeglichenes Endspiel gegen Wesley So und sorgte so für den ausgeglichenen Endstand.

Levon Aronian, der in Armenien geboren wurde, setzte gegen sein Geburtsland aus.

Liang gegen Sargissian

In einer Stellung, die die Schachprogramme als nahezu ausgeglichen bewerten, patzte Sargissian mit dem unpräzisen Zug 20…f4?!. Liang brauchte weniger als vier Minuten, um den bemerkenswerten Zug 21.Lf6! zu finden. Nach 21…Se7 22.Lxd4 Dc6 23.Dxc6 Sxc6 stand Weiß mit einem Mehrbauern und einem klaren positionellen Vorteil da.

Liang nutzte seinen Vorteil und sicherte dem Team USA damit einen entscheidenden Sieg.

Awonder Liang

Awonder Liang. | Foto: Rafal Oleksiewicz / FIDE

Indien besiegte England mit 2,5:1,5. Luke McShane gewann gegen Nihal Sarin, die beiden indischen Siege gingen an Praggnanandhaa Rameshbabu und Gukesh Dommaraju. Der Weltmeister spielt also weiterhin ein starkes Turnier. Er steht nun bei 6/7 und einer Turnierleistung in Höhe von 2773.

Deutschland hielt mit einem 3:1-Sieg gegen die Türkei mit, wobei die Brüder Frederik und Rasmus Svane die entscheidenden Punkte an den beiden unteren Brettern erzielten. Mehr dazu im Rundenbericht aus deutscher Sicht.

Frederik Svane, Isik Can

Der in Samarkand stark spielende Frederik Svane besiegte auch Isik Can. | Foto: Michal Walusza / FIDE

Praggnanandhaa Rameshbabu

Praggnanandhaa Rameshbabu. | Foto: Rafal Oleksiewicz / FIDE

Srinath Narayanan, Gukesh Dommaraju

Kapitän der indischen Mannschaft Srinath Narayanan lacht mit Weltmeister Gukesh Dommaraju. | Foto: Rafal Oleksiewicz / FIDE

Aserbaidschan überzeugte gegen Griechenland und gewann 3,5:0,5. Ihr bisher bester Einzelspieler ist Aydin Suleymanli, der am Mittwoch einen der drei Siege für sein Team errang und mit 5,5 von 7 Punkten eine Performance von 2727 erreicht hat.

Die Niederlande gewannen außerdem deutlich mit 3,5:0,5 gegen Bulgarien. Die Punkte an den ersten drei Brettern gingen an das Giri-Team. Zuvor hatten sie in der sechsten Runde Israel kampflos mit 4:0 besiegt. Dieses Ergebnis sorgt weiterhin für Diskussionen, da der 4:0-Sieg durch Nichtantreten erhebliche Auswirkungen auf mögliche Tiebreak-Entscheidungen im oberen Tabellendrittel haben kann.

Dimitrov gegen Schoppen

Im Endspiel der Partie zwischen dem Bulgaren Radoslav Dimitrov und dem Niederländer Casper Schoppen zeigt sich ein merkwürdiges materielles Ungleichgewicht. Weiß hat vier Bauern für einen Turm, wobei drei der Mehrbauern verbundene Freibauern sind.

Obwohl die Engines Schwarz zeitweise einen leichten Vorteil bescheinigen, ist äußerste Präzision erforderlich, um Fortschritte zu erzielen – tatsächlich hätten beide Seiten in diesem unorthodoxen Setup an zahlreichen kritischen Punkten scheitern können.

Am Ende führte das präzise Spiel beider Seiten zu einem Remis, wobei Schoppen eine Remisvariante fand, die eine Umwandlung zum Springer im 69. Zug beinhaltete.

69.e8=S+ führt hier zu einem Remis! (Natürlich scheitert 69.e8=D an 69...Th1#) Weiß wird den Turm auf g7 erobern, und das daraus resultierende Turmendspiel mit einem Bauern mehr endet dank des aktiven schwarzen Königs im Zentrum remis.

Anish Giri, Arakdij Naiditsch

Anish Giri besiegte Arkadij Naiditsch am ersten Brett | Foto: Rafal Oleksiewicz / FIDE

Peter Heine Nielsen gehörte zu denen, die in den sozialen Medien argumentierten, dass der Umgang der FIDE mit der Situation aus sportlicher Sicht nicht optimal gewesen sei. Da bekannt war, dass Jom Kippur mit zwei Spieltagen zusammenfällt, hätten verschiedene Lösungen umgesetzt werden können (Post 1, Post 2):

  1. Es wird vor dem Turnier vereinbart, dass die Runden verschoben werden können.
  2. Israel darf nicht teilnehmen, wenn sie beabsichtigen, das Spiel aufzugeben.
  3. Wenn ein Team sich weigert, eine Runde zu spielen, sollte es vor Abschluss der Auslosung aufgeben, eine 0:4-Niederlage kassieren, aber nicht gepaart werden.

Tabelle nach Runde 7

Rg. SNr Land Team + = - TB1 TB2 TB3 TB4
1 3 UZB
Uzbekistan 7 0 0 14 190 22,5 62
2 6 NED
Netherlands 6 0 1 12 163,5 19,5 59
3 2 IND
India 6 0 1 12 159 18,5 63
4 5 GER
Germany 6 0 1 12 155 19 63
5 7 AZE
Azerbaijan 5 2 0 12 153 20 58
6 10 ARM
Armenia 5 2 0 12 147 19 60
7 4 CHN
China 5 1 1 11 172 19,5 69
8 9 FRA
France 4 3 0 11 152,5 19,5 60
9 18 IRI
Iran 5 1 1 11 148 20,5 55
10 15 SRB
Serbia 5 1 1 11 140 18,5 56
11 16 POL
Poland 5 1 1 11 137,5 19,5 56
12 20 CZE
Czech Republic 5 1 1 11 137,5 19 57
13 1 USA
United States of America 5 1 1 11 137 18 58
14 30 UZB
Uzbekistan 2 5 1 1 11 137 18 57
15 8 HUN
Hungary 5 1 1 11 110 14,5 60
16 23 ROU
Romania 3 4 0 10 160 19,5 62
17 13 ESP
Spain 5 0 2 10 145,5 19 59
18 19 GRE
Greece 5 0 2 10 139 18,5 60
19 14 TUR
Turkiye 5 0 2 10 138 18,5 61
20 11 ENG
England 4 2 1 10 137 18 60
21 39 BLR
Belarus 4 2 1 10 136 19,5 55
22 24 ARG
Argentina 5 0 2 10 136 18,5 55
23 47 VIE
Vietnam 5 0 2 10 134,5 21,5 50
24 12 UKR
Ukraine 5 0 2 10 131,5 18,5 55
25 65 TKM
Turkmenistan 4 2 1 10 129 20 52
26 29 GEO
Georgia 4 2 1 10 128 19 52
27 27 AUT
Austria 4 2 1 10 128 18 56
28 50 SGP
Singapore 5 0 2 10 122 19 51
29 41 CAN
Canada 5 0 2 10 121,5 18,5 53
30 49 POR
Portugal 4 2 1 10 119 19,5 46

...205 Teams

Partien Runde 7

Alle Partien auf Live.ChessBase.com

Top-Paarungen Runde 8

Erg. Erg.

Team Pkt. MP : MP Pkt. Team
Germany 19 12 : 14 22½ Uzbekistan *)
India 18½ 12 : 12 20 Azerbaijan
Netherlands 19½ 12 : 12 19 Armenia
United States of America 18 11 : 11 18½ Serbia
China 19½ 11 : 11 19½ Poland
Czech Republic 19 11 : 11 14½ Hungary
France 19½ 11 : 11 20½ Iran
England 18 10 : 11 18 Uzbekistan 2
Ukraine 18½ 10 : 10 19½ Belarus
Montenegro 18 10 : 10 19 Spain
Turkiye 18½ 10 : 10 18½ Canada
Moldova 18½ 10 : 10 18½ Greece
Vietnam 21½ 10 : 10 17 Israel
Portugal 19½ 10 : 10 19½ Romania
Argentina 18½ 10 : 10 19 Singapore
Chile 18½ 10 : 10 18 Austria
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Carlos Colodro stammt aus Bolivien und ist Spanisch-Philologe. Seit 2012 arbeitet er als freier Übersetzer und Autor. Schach, Literatur und Musik sind seine großen Leidenschaften.
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