Gastgeber Usbekistan gewinnt Gold bei Olympiade

von Carlos Colodro
28.09.2026 – Usbekistan sicherte sich mit einem 2½:1½-Sieg gegen Ukraine in der letzten Runde die Goldmedaille in Samarkand. Nach einem Remis gegen Ungarn übernahm Indien den zweiten Platz und Deutschland erreichte durch einen 3:1-Sieg gegen die Niederlande den dritten Platz. Seit dem Jahr 2000 ist dies die erste Teammedaille für das deutsche Team. Nodirbek Abdusattorov gewann Gold für seine Ergebnisse am ersten Brett und Frederik Svane bekam zum zweiten Mal in Folge (nach 2024) Gold für seine Einzelleistung. | Foto: Nils Rohde / ChessBase

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Usbekistan, Indien und Deutschland auf dem Podium

Usbekistan beendete die Olympiade im eigenen Land mit einer Goldmedaille für die Mannschaft. In der letzten Runde in Samarkand besiegten sie Ukraine 2½:1½ mit einem Sieg von Mukhiddin Madaminov gegen den 18-jährigen Europameister Roman Dehtiarov. Die Gastgeber erreichten 20 von 22 möglichen Mannschaftspunkten, zwei Punkte Vorsprung auf Indien und Deutschland. Dies ist nach Chennai 2022 der zweite Olympiadensieg für Usbekistan.

Die weiteren Partien des Matches zwischen Usbekistan und Ukraine endeten in einem Remis. Nodirbek Abdusattorov remisierte gegen Igor Kovalenko, Javokhir Sindarov spielte gegen Vasyl Ivanchuk Remis und Nodirbek Yakubboev teilte sich den Punkt mit Ihor Samunenkov.

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Damit beendete Usbekistan das Turnier mit 10 Matchsiegen und einer einzigen Teamniederlage, die sie in Runde 8 gegen Deutschland erlitten. Die Basis für den großen Erfolg des usbekischen Teams war nicht die Leistung eines einzelnen Spielers an der Spitze, Usbekistan zeigte an allen vier Brettern Topleistungen. 

Chess Olympiad 2026

Das usbekische Team mit Kapitän (und 2004 FIDE-Weltmeister) Rustam Kasimdzhanov |
Foto: Nils Rohde / ChessBase

"This is the proudest moment in my life"

Nodirbek Abdusattorov sagte in einem Interview mit Mike Klein von Chess.com, dass es sich hierbei um den Moment seines Lebens handelte, auf den er am meisten stolz ist:

This is the proudest moment in my life. It's been a tremendous achievement for our team, for Uzbekistan. I'm truly happy.

Usbekistan gewann zuvor in Chennai 2022 die Schacholympiade. Vier der Spieler der diesjährigen ersten Mannschaft Usbekistans waren auch damals dabei: Abdusattorov, Yakubboev, Sindarov und Shamsiddin Vokhidov gewannen damals Gold für Usbekistan. Gleichzeitig ist das Team noch sehr jung. Die fünf Spieler sind dieses Jahr zwischen 19 und 24 Jahre alt. Yakubboev und Vokhidov sind mit 24 Jahren die ältesten Spieler der Mannschaft.

Abdusattorov war in diesem Jahr wieder ein Schlüsselspieler der Mannschaft. Er trat in elf Runden an und erreichte 8½/11 Punkte und damit Einzelgold für seine Ergebnisse am ersten Brett. Er erreichte eine 2869er-Turnierperformance. 2022 und 2024 gewann er jeweils Einzelsilber für seine Ergebnisse am ersten Brett.

Nodirbek Abdusattorov

Ein Traum von einem Turnier für Nodirbek Abdusattorov | Foto: Nils Rohde / ChessBase

Es gab weitere Einzelmedaillen für usbekische Spieler. Sindarov bekam die Bronzemedaille für seine Leistung an Brett 2 und Yakubboev bekam Silber für seine Leistung an Brett 3 überreicht.

Vier der fünf usbekischen Spieler gewannen Ratingpunkte in Samarkand. Abdusattorov bekam 18 Elopunkte dazu, während Yakubboev 14,4 Punkte gutmachte. Sindarov und Abdusattorov nehmen nun Platz 4 und Platz 5 in der Weltrangliste nach Liverating ein und Yakubboev ist nun Mitglied des Clubs der 2700er mit einer Elo von 2712 Punkten und Platz 26 der Welt.

Dehtiarov gegen Madaminov

Madaminov verwertete sein Turmendspiel mit Mehrbauern zu einem entscheidenden Sieg für die Gastgeber. Dehtiarov machte einen Fehler mit 33.b4?. 33.Te5 war der einzige Zug, der Weiß Chancen auf ein Remis gegeben hätte. 

Der schwarze König wurde bald im Zentrum aktiv. Madaminov führte die Partie mit präzisen Zügen fort bis er die Stellung in ein Endspiel mit Turm und Bauer gegen Turm abwickeln konnte. 

Dies ist die Position nach 46...Kd4. Madaminov berechnete korrekt, dass er seinen Bauern auf f4 für den einsamen Kämpfer auf b4 abgeben konnte.

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Der Rest war einfach für den 19-jährigen usbekischen Großmeister, der dieses Endspiel möglicherweise niemals vergessen wird!

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Usbekistan gegen Ukraine | Foto: Nils Rohde / ChessBase

Silber für Indien trotz Niederlage von Gukesh

Indien erreichte hinter Usbekistan den zweiten Platz der Schacholympiade. Im letzten Match spielten sie 2:2 gegen Ungarn. Wie dieses Ergebnis zustande kam, war überraschend. Praggnanandhaa Rameshbabu remisierte gegen Richard Rapport und Nihal Sarin spielte gegen Benjamin Gledura Remis. Gepunktet wurde an den Brettern 2 und 4. Arjun Erigaisi besiegte Peter Leko an Brett 2 und an Brett 4 überraschte Gleb Dudin mit einem Sieg mit Weiß gegen den amtierenden Weltmeister Gukesh.

Erigaisis Sieg glich Gukeshs Niederlage aus und sicherte so dem indischen Team die Silbermedaille.

Vor der letzten Runde stand Gukesh bei einem Score von 8½/10 Punkten. Durch Dudins Sieg rutschte Gukesh in der Bestenliste für Einzelleistungen auf den zweiten Platz ab. Das war die erste Olympiade seit 4 Jahren, bei der er kein Einzelgold gewonnen hatte. In Chennai repräsentierte er Indien 2 und erreichte Einzelgold für seine Leistung an Brett 1 und in Budapest erreichte er ebenso Einzelgold. 

Die Niederlage kostete Gukesh 6,9 Elopunkte. Insgesamt macht er von dem Turnier trotzdem noch ein Eloplus von 7,1 Punkten. Er verlässt Samarkand mit einem Abstand von 72 Elopunkten auf Sindarov, gegen den er in weniger als zwei Monaten in Genf für die Weltmeisterschaft antritt. Er befindet sich nach dem Liverating momentan auf Platz 29 der Welt.

Praggnanandhaa erreichte auch eine Medaille für seine Einzelleistung. Ihm wurde eine Bronzemedaille für seine Performance von 2772 Elopunkten an Brett 1 überreicht.

Gukesh Dommaraju

Der amtierende Weltmeister Gukesh | Foto: Nils Rohde / ChessBase

Dudin vs. Gukesh

Gukesh ging die Variante der sizilianischen Verteidigung abenteuerlich an. In Zug 10 angekommen hatte er bereits sein Rochaderecht verloren. Bis Zug 21 hatte er schon einen Bauern verloren. 

Das Diagramm zeigt eine Stellung, in der Dudin seine Position schon konsolidiert hatte. Sein Springerpaar war stärker als das schwarze Läuferpaar. Nach 26.c5 wurde der Außenposten auf d6 ein Schlüsselfeld in der Position.

Dudin verbesserte seine Position stetig in einer Phase der Manöver. Als sie bei Zug 41 ankamen hatte Dudin bereits zwei Bauern mehr als Gukesh und einen starken Freibauern auf dem Feld d6.

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Gukesh führte die Partie bis Zug 59 fort. Wäre es kein Teamevent gewesen, hätte er sicherlich bereits vorher aufgegeben.

Chess Olympiad 2026

Die goldene indische Generation bekommt Silber in Samarkand | Foto: Nils Rohde / ChessBase

Deutschland kehrt zum Podium der Olympiade zurück

Deutschland erreichte nach einem 2½:1½-Sieg gegen die Niederlande den dritten Platz in der offenen Sektion der Schacholympiade. Das Team beendete das Turnier punktgleich mit Indien (18/22), nach Zweitwertung zogen die indischen Spieler aber an Deutschland vorbei.

Matthias Blübaum punktete in der entscheidenden Partie gegen Jorden van Foreest an Brett 2, während Anish Giri gegen Vincent Keymer remisierte, Loek van Wely Remis gegen Frederik Svane spielte und Casper Schoppen sich den Brettpunkt mit Rasmus Svane teilte.

Die Medaille beendet das 26-jährige Warten Deutschlands. Die letzte Olympiade, bei der Deutschland in der offenen Sektion eine Medaille gewann, fand im Jahr 2000 in Istanbul statt. Damals spielten u.a. Artur Jussupow und Robert Hübner mit.

Deutschlands Weg zur Bronzemedaille beinhaltete neun Siege und zwei Niederlagen. Es gab kein einziges Teamremis. Die Niederlagen erlitt die Mannschaft gegen China und Indien. Deutschland war das einzige Team, das die neuen Olympiadensieger Usbekistan 1 besiegen konnte. Tatsächlich besiegte Deutschland Usbekistan sogar dreimal. Sie spielten gegen alle drei Mannschaften der Gastgeber und gewannen alle drei Matches.

Frederik Svane stach besonders mit seiner Leistung am dritten Brett heraus. Dieses Jahr bekam er zum zweiten Mal in Folge nach der Olympiade in Budapest 2024 Gold für seine individuelle Leistung. Er beendete das Turnier ungeschlagen mit 8½/11 Punkten und einer Turnierperformance von 2796 Elopunkten. 

In einem separaten Artikel wurden die deutschen Ergebnisse aus Runde 11 am 27.9. im Detail besprochen. U.a. wurde auch thematisiert, welcher Fehler dafür sorgte, dass Blübaum gegen Van Foreest gewann.

Frederik Svane

Frederik Svane bekam zum zweiten Mal in Folge Einzelgold! | Foto: Nils Rohde / ChessBase

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Matthias Bluebaum

Matthias Blübaum – der deutsche Held in Runde 11 | Foto: Nils Rohde / ChessBase

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Deutschland erreichte zum ersten Mal in 26 Jahren das Podium | Foto: Nils Rohde / ChessBase

Ungarns Gleb Dudin überraschte und überzeugte

Ungarn beendete das Turnier auf dem siebten Platz, einen Platz vor ihrem Startrang. Einen starken Kämpfer hatte Ungarn in Person von Gleb Dudin als Reservespieler dabei.

Dudin spielte zehn von elf Runden und erreichte dabei acht Punkte. Zuletzt gewann er fünf Runden in Folge! In der letzten Runde gewann er gegen den amtierenden Weltmeister Gukesh, wodurch er sich die Goldmedaille für seine Einzelleistung am Reservebrett sicherte. Er erreichte eine Performance von 2738 Elopunkten. Wer mit einem Rating von 2560 den amtierenden Weltmeister besiegt, hat eine Goldmedaille wahrlich verdient!

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Gleb Dudin, Savitha Shri

Gleb Dudin und Savitha Shri bekommen Gold (Reservebrett) | Foto: Nils Rohde / ChessBase

Erdogmus, Van Foreest und Samunenkov beeindrucken

Yagiz Kaan Erdogmus,15 Jahre alt, erreichte 8/10 Punkte für die Türkei und eine Leistung von 2839 Elopunkten. Hinter Abdusattorov bekam er Silber für seine Einzelleistung überreicht. Er machte ein Eloplus von 15,1 Punkten und kletterte in der Weltrangliste nach Liverating auf Platz 17 hoch. Damit erreicht er Platz 1 der Spieler unter 20 Jahren – noch vor Gukesh.

Eine ausgesprochen starke Leistung zeigte auch der niederländische Großmeister Jorden van Foreest, der 8 Punkte aus 10 Einsätzen erreichte und eine Turnierperformance von 2798 Ratingpunkten an Brett 2 vorzuweisen hatte. Seine Erfolgssträhne wurde in der letzten Runde von Matthias Blübaum unterbrochen, der ihn nach einem taktischen Fehler besiegte. Trotzdem erreichte Van Foreest Einzelsilber für seine Leistung an Brett 2.

Ein weiteres beachtenswertes Ergebnis erreichte der 17-jährige ukrainische Spieler Ihor Samunenkov. Sein Remis in der letzten Runde gegen Yakubboev brachte ihn zu 8/10 Punkten und damit Platz 1 unter den Spielern an Brett 4. Damit zog er an Gukesh vorbei.

Jorden van Foreest, Mariam Mkrtchyan

Jorden van Foreest und Armeniens Mariam Mkrtchyan | Foto: Nils Rohde / ChessBase

Yagiz Kaan Erdogmus, Carissa Yip

 Yagiz Kaan Erdogmus (Türkei) und Carissa Yip (USA) | Foto: Nils Rohde / ChessBase

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Ihor Samunenkov, Chess Olympiad 2026

Ihor Samunenkov (UKR) erreichte Gold vor Gukesh (Brett 4) | Foto: Nils Rohde / ChessBase


Tabelle nach Runde 11

Rg. SNr Team Spiele + = - Wtg1 Wtg2 Wtg3 Wtg4
1 3
Uzbekistan 11 10 0 1 20 455,5 32,5 161
2 2
India 11 8 2 1 18 405,5 28,5 162
3 5
Germany 11 9 0 2 18 386,5 28,5 160
4 1
United States of America 11 8 1 2 17 391,5 29 157
5 7
Azerbaijan 11 7 3 1 17 364,5 28,5 151
6 10
Armenia 11 7 3 1 17 339,5 27 154
7 8
Hungary 11 7 3 1 17 320,5 24,5 152
8 4
China 11 7 2 2 16 374,5 28 160
9 9
France 11 6 4 1 16 366,5 28,5 151
10 13
Spain 11 8 0 3 16 354,5 28,5 147
11 12
Ukraine 11 8 0 3 16 350,5 28 148
12 11
England 11 7 2 2 16 335,5 27,5 145
13 14
Turkiye 11 7 1 3 15 361,5 27,5 152
14 16
Poland 11 6 3 2 15 348 28,5 146
15 18
Iran 11 6 3 2 15 348 28,5 143
16 6
Netherlands 11 7 1 3 15 342,5 26 153
17 23
Romania 11 5 5 1 15 339,5 28 143
18 30
Uzbekistan 2 11 7 1 3 15 332 25,5 154
19 47
Vietnam 11 6 3 2 15 326,5 30,5 130
20 17
Croatia 11 7 1 3 15 321,5 29 132
21 20
Czech Republic 11 6 3 2 15 321 27 144
22 15
Serbia 11 7 1 3 15 313 26 144
23 24
Argentina 11 7 1 3 15 311,5 27 141
24 22
Israel 11 7 1 3 15 304 25,5 139
25 35
Kazakhstan 11 6 3 2 15 299 27,5 132
26 51
Mongolia 11 7 1 3 15 292,5 27,5 127
27 39
Belarus 11 6 2 3 14 330,5 29 139
28 29
Georgia 11 6 2 3 14 326 28 140
29 26
Italy 11 6 2 3 14 320,5 28,5 136
30 19
Greece 11 6 2 3 14 318,5 26,5 145

...205 Teams

Alle Partien - Runde 11

Alle Partien des Turniers: Live.ChessBase.com


Dieser Artikel von Carlos Colodro wurde zuerst auf Englisch unter dem Titel "Uzbekistan triumph on home soil, collect second Olympiad gold" veröffentlicht. Der Text wurde von Martina Gerdts ins Deutsche übersetzt und angepasst.

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Carlos Colodro stammt aus Bolivien und ist Spanisch-Philologe. Seit 2012 arbeitet er als freier Übersetzer und Autor. Schach, Literatur und Musik sind seine großen Leidenschaften.
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