New York 1924, Runde 21: Lasker gewinnt das Turnier!

von Johannes Fischer
25.05.2020 – Eine Runde vor Schluss sicherte sich Ex-Weltmeister Dr. Emanuel Lasker (Bild) beim Turnier in New York 1924 den Turniersieg. In der 21. und vorletzten Runde gewann der 55-jährige nach einer souveränen Verteidigungsleistung gegen Dr. Savielly Tartakower und liegt jetzt mit 15 Punkten aus 19 Partien (+12, =6, -1) uneinholbar vor Weltmeister José Raúl Capablanca, der nach einem hübschen Endspielsieg gegen Richard Reti mit 13,5/19 sicher Zweiter ist.

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Dr. Laskers Verteidigungskunst bringt ihm den Turniersieg

Emanuel Lasker ist bekannt für seine Kunst in der Defensive und in New York 1924 hat er mehr als einmal halbe oder ganze Punkte aus Stellungen gerettet, die fast hoffnungslos erschienen. In seiner Partie gegen Savielly Tartakower in Runde 21 war Laskers Lage zwar nie hoffnungslos, aber er musste sich gegen einen heftigen Angriff Tartakowers verteidigen.

Diesen Angriff hatte Tartakower mit dem zweischneidigen strategischen Vorstoß 14.f4!? eingeleitet, doch im entscheidenden Moment fehlte Tartakower der Mut, seinen Angriff mit einem doppelten Qualitätsopfer, das bei bestem Spiel zu Remis durch Dauerschach geführt hätte, konsequent fortzusetzen. So geriet Tartakower in die Defensive und Lasker gewann im Gegenangriff und sicherte sich den Turniersieg.

 

Wie Tartakower berichtet, gratulierte er dem Turniersieger nach dieser Partie auf seine ganz eigene Weise:

Sofort nachdem ich "Ich gebe auf" gesagt hatte, begann das begeisterte Publikum dem Sieger des New Yorker Turniers zu applaudieren. Die Zeitungen berichteten auch, dass ich der Erste gewesen sein, der Dr. Lasker zu seinem Turniersieg gratuliert hätte. Aber dem ist nicht so. Obwohl ich ihm – dem geschicktesten aller Teilnehmer – seinen Erfolg sehr gönnte, und obwohl ich auch ein großer Anhänger sportlichen Verhaltens bin, hätte das bedeutet, dass ich meinem Gegner dafür gratulieren würde, dass ein Dritter (Capablanca) durch mein schwaches Spiel benachteiligt wurde.

Erst am nächsten Tag, während unserer gemeinsamen Mittagsmahlzeit, sagte ich zu ihm: "Ich habe gerade in der Zeitung gelesen, dass Sie sich den ersten Platz sichern konnten. Meinen herzlichen Glückwunsch, Herr Doktor!" Worauf er lächelnd erwiderte: "Nun, das hätten sie auch aus dem Applaus der Zuschauer gestern ableiten können!" (Quelle: R. Forster, M. Negele, R. Tischbierek, Emanuel Lasker, Volume II: Choices and Chances: Chess and Other Games of the Mind, S. 329)

Nach diesem Sieg liegt Lasker eine Runde vor Schluss mit anderthalb Punkten Vorsprung uneinholbar vor Capablanca, der gegen Reti einmal mehr mit scheinbarer Leichtigkeit ein ausgeglichenes Endspiel gewann.

 

Eine wilde Schlacht, in der beide Seiten immer wieder Material opferten, um anzugreifen oder den gegnerischen Angriff abzuwehren, lieferten sich dagegen Efim Bogoljubow und Geza Maroczy, der sich am Ende durchsetzen konnte.

 

Für den vierten Sieg – und den dritten Schwarzsieg – der Runde sorgte Frank Marshall, der eine gut gespielte Partie gegen Frederick Yates gewann.

 

Doch die ungewöhnlichste Partie der Runde spielten vielleicht Dawid Janowsky und Edward Lasker. Janowsky krönte sein ungewöhnliches Spiel in der Eröffnung mit einem einfallsreichen Damenopfer, das objektiv gesehen allerdings Schwarz das bessere Spiel bescherte. Doch Edward Lasker fand sich in der ungewöhnlichen Situation auf dem Brett nicht zurecht und so kam Weiß wieder in Vorteil. Doch auch Janowsky wusste seinen Vorteil nicht zu nutzen und so endete diese bizarre Begegnung zu guter Letzt mit Remis.

 

Ergebnisse der 21. Runde

S. Tartakower 0-1 Em. Lasker
J.R. Capablanca 1- 0 R. Reti
F. Yates 0-1 F. Marshall
E. Bogoljubow 0-1 G. Maroczy
D. Janowsky ½-½ Ed. Lasker

Spielfrei: Alexander Alekhine

Stand nach 21 Runden

Rg. Name 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 Pkt.
1 Emanuel Lasker   ½0 ½  11 11 11 ½1 ½1 ½1 11 15.0
2 Jose Raul Capablanca ½1   ½½ ½½ 01 ½1 11 ½1 ½1 13.5
3 Alexander Alekhine ½½   ½½ 10 ½½ ½  11 ½½ 11 11.5
4 Frank James Marshall ½  ½½ ½½   ½1 01 ½0 ½1 11 11.0
5 Richard Reti 00 10 01 ½0   01 ½½ 11 10 10 9.5
6 Efim Bogoljubow 00 ½½ 10 10   10 01 11 ½1 01 9.5
7 Geza Maroczy 00 ½0 ½½ 01   ½½ ½1 10 9.0
8 Savielly Tartakower ½0 00 ½  ½1 00 10 ½½   10 ½0 ½1 7.5
9 Frederick Dewhurst Yates ½0 00 ½0 01 00 01   11 ½1 7.0
10 Edward Lasker ½0 ½0 ½½ 01 ½0 ½0 ½1 00   6.5
11 Dawid Markelowicz Janowsky 00 ½0 00 00 10 01 ½0 ½0   5.0

Partien

 

Links



Johannes Fischer, Jahrgang 1963, ist FIDE-Meister und hat in Frankfurt am Main Literaturwissenschaft studiert. Er lebt und arbeitet in Nürnberg als Übersetzer, Redakteur und Autor. Er schreibt regelmäßig für KARL und veröffentlicht auf seinem eigenen Blog Schöner Schein "Notizen über Film, Literatur und Schach".

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