Olympiasplitter: Könige auf Wanderschaft

von Johannes Fischer
09.10.2018 – Königswanderungen bei vollem Brett sind selten, aber reizvoll. Bei der Schacholympiade 2018 in Batumi konnte man wandernde Könige in zwei interessanten Partien bewundern. In Mamedov – Shankland war die Königswanderung defensiv, in der Partie Hillarp Persson gegen Laurusas, die einen Schönheitspreis gewann, half der weiße König beim Mattsetzen. Beide Partien haben historische Vorbilder. | Foto: Sam Shankland, © Lennart Ootes

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Der defensive König: Rauf Mamedov gegen Sam Shankland

2018 war das bislang erfolgreichste Jahr in der Karriere von US-Großmeister Samuel Shankland: Im April gewann er die US-Meisterschaft 2018 vor Fabiano Caruana, Wesley So und Hikaru Nakamura, im Mai siegte er beim Capablanca Memorial und im Juni gewann Shankland die American Continental Championship. Bei der Olympiade in Batumi bewies Shankland, dass diese Erfolge kein Zufall sind: er startete mit einer Elo-Zahl von 2722 und holte am vierten Brett der USA 7 Punkte aus 10 Partien und erzielte eine Elo-Performance von 2733. Außerdem punktete Shankland in wichtigen Wettkämpfen.

So gewann er in Runde 8 beim Spitzenspiel USA gegen Aserbaidschan mit Schwarz gegen Rauf Mamedov, was der USA zu einem knappen 2,5-1,5 Sieg verhalf. In dieser Partie schickte Shankland seinen König bei vollem Brett vom Königs- zum Damenflügel.

 

Daniel King hat sich diese Partie genauer angeschaut.

Shanklands Königsmarsch hat ein historisches Vorbild. 1976 gewann Tigran Petrosian, Weltmeister von 1963 bis 1969, beim Open in Lone Pine mit einem ähnlichen Manöver gegen den US-amerikanischen IM Jack Peters.

 

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Der aggressive König: Tiger Hillarp Persson gegen Tomas Laurasas

Der schwedische Großmeister und Schachautor Tiger Hillarp Persson ist für seine originellen Ideen und seine kreativen Angriffe berühmt. Bei der Olympiade in Batumi spielte er am zweiten Brett für Schweden und kam mit 3,5 Punkten aus 7 Partien auf ein durchschnittliches Ergebnis. Aber seine Partie gegen den litauischen IM Tomas Laurusas in Runde 7 wurde mit einem Schönheitspreis geehrt und zur brillantesten Partie der Olympiade gekürt.

 

Auch diese Partie hat sich Daniel King genauer angeschaut.

Ein bemerkenswerter Mattangriff mit königlicher Hilfe. Und auch dieser Königsmarsch hat ein historisches Vorbild. So schickte Nigel Short beim Turnier in Tilburg 1991 seinen König bei vollem Brett von g1 nach h6, um Jan Timman Matt zu setzen.

 

Schachtrainer predigen immer wieder, wie wichtig es ist, "die Klassiker" zu studieren. Partien wie Petrosian vs Peters und Short vs Timman zeigen, dass dieser Ratschlag mehr ist als nur Nostalgie.

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Johannes Fischer, Jahrgang 1963, ist FIDE-Meister und hat in Frankfurt am Main Literaturwissenschaft studiert. Er lebt und arbeitet in Nürnberg als Übersetzer, Redakteur und Autor. Er schreibt regelmäßig für KARL und veröffentlicht auf seinem eigenen Blog Schöner Schein "Notizen über Film, Literatur und Schach".
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rgorn rgorn 09.10.2018 09:17
Das historische Vorbild Short-Timman (Tilburg 1991) hat selber ein historisches Vorbild: Teichmann-Beratende (Glasgow 1905), http://www.chessgames.com/perl/chessgame?gid=1250612
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